Thriller

Blondine jagt das Monster aus dem Knochenloch

In "Gone" spielt Amanda Seyfried ein psychisch instabiles Opfer, das seinen Peiniger sucht. Auf der Hatz nach dem diabolischen Serienkiller bleibt aber das Drehbuch ziemlich auf der Strecke.

Als die Kellnerin Jill von ihrer Nachtschicht nach Hause kommt, ist ihre Schwester und Mitbewohnerin Molly verschwunden. Jill weiß, dass Molly von demselben Unbekannten verschleppt wurde, der ein Jahr zuvor auch sie in seinen Klauen hatte und dem sie mit knapper Not entkommen war. Doch die Polizei glaubt der traumatisierten jungen Frau jetzt so wenig wie damals und macht keine Anstalten, ihr zu helfen. Also geht Jill im Thriller „Gone“ auf eigene Faust auf die Suche – und wird dabei selbst von den Cops verfolgt.

Denn jenes mit Knochen übersäte Erdloch im Wald, aus dem sich Jill einst befreien konnte, haben die Polizisten nie entdeckt. Da Jill nach dem Tod ihrer Eltern zudem eine Zeitlang in der Nervenklinik war, gilt die junge Frau als emotional instabil und, als sie bei der Suche nach Mollys Entführer ihre Pistole zückt, auch als gemeingefährlich.

Der Vorteil der Riesenaugen

Doch nach dem Tipp eines Nachbarn verfolgt sie mit brachialer Entschlossenheit eine brandheiße Spur und arbeitet sich von Pontius zu Pilatus zur Absteige des vermuteten Täters vor. Doch der Vogel ist ausgeflogen: Um den Killer zu stellen, muss sich die Heldin von ihm die Falle locken lassen.

Bekanntlich sieht man Blondinen im Dunkeln besser, und deshalb ist Amanda Seyfried fast der einzige Lichtblick in diesem zerfahrenen Thriller. Jills aggressive Hyperaktivität – hier macht Seyfried von ihren Riesenaugen effektiven Gebrauch – lässt den Zuschauer lange im Unklaren darüber, ob sie nicht tatsächlich eine Irre ist.

Verzicht auf voyeuristische Gewaltszenen

Wie eine Furie bedroht sie den Angestellten eines Schlüsseldienstes und erschwindelt sich im Baumarkt mit der Coolness einer ausgebufften Trickbetrügerin Informationen über den mutmaßlichen Serienkiller. Wie sie dabei ihren polizeilichen Verfolgern ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt, ist durchaus spannend zu beobachten.

Auf der Haben-Seite befinden sich auch die stimmungsvollen Bilder der von Wäldern umgebenen Metropole Portland und ihres studentischen Flairs. Nett ist zudem, dass der brasilianische Regisseur Heitor Dhalia in seinem Hollywood-Debüt auf voyeuristische Gewaltszenen verzichtet.

Ansonsten aber erweckt die Inszenierung den Eindruck, als hätten die Beteiligten den Dreh so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen. So sind alle Nebenfiguren – angefangen von den tumben Polizisten, über Mollys unbesorgten Freund bis hin zum Langweiler-Killer – gesichtslose Typen, die nie über Klischees hinausreichen.

Zwar scheint die Handlung anfangs auf bewährte Serienkiller-Filme wie „Denn zum Küssen sind sie da“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ hinauszulaufen. Doch jemand muss aus der Mitte des Drehbuchs Seiten herausgerissen haben, denn anders lassen sich die spurlos versandenden Fährten nicht erklären.

Der Showdown schließlich ist ein echter Rohrkrepierer und gewährt dem Zuschauer kaum einen Blick auf das Ungeheuer. Bleibt zu hoffen, dass Amanda Seyfried, die zuletzt auch mit „Red Riding Hood“ und „In Time“ Schiffbruch erlitten hat, mit ihrem kommenden Film „Lovelace“ als Porno-Ikone Linda Lovelace ein besseres Händchen beweist.