Franz Beckenbauer geht jetzt häufiger in die Kirche, Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch befasst sich bewusster mit ihrem Glauben, Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber ist fasziniert und Unternehmer Claus Hipp betet für ihn: Bei aller Kritik, die an Benedikt XVI. über die Jahre laut wurde – der deutsche Papst hat in seiner Heimat prominente Anhänger. Anlässlich seines 85. Geburtstags Mitte April erscheint am Samstag ein Buch, in dem 20 Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kirche ihre Sicht auf Joseph Ratzinger schildern.

Herausgeber des Buchs "Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“ (Media Maria Verlag) ist der Privatsekretär des Kirchenoberhaupts, Georg Gänswein. In seinem Vorwort spricht er von einer "bescheidenen Geburtstagsgabe für den Heiligen Vater“. Das Spektrum der Beiträge reicht von theologischen und politischen Abhandlungen bis hin zu sehr persönlichen Bekenntnissen und Zeugnissen.

So schildert Beckenbauer, wie er im Herbst 2005 den Papst auf dem Petersplatz traf. "Die Ausstrahlung, die dieser Mann hat, diese innere Ruhe und Würde und seine Herzlichkeit – das hat mich stark beeindruckt.“ Die Begegnung sei sicher "einer der bewegendsten Momente“ in seinem Leben gewesen. Das Foto von sich und dem Papst habe er auf Reisen immer dabei: "Es liegt in meinem Koffer ganz oben.“ Die Begegnung mit dem Papst habe sein Leben etwas verändert. "Ich gehe seitdem wieder häufiger in die Kirche.“

Die Sportlerin Höfl-Riesch hat den Papst zwar noch nicht getroffen, träumt aber davon. "Für mich war es ein großes Ereignis, als er Papst wurde.“ Seither beschäftige sie sich bewusster mit ihrem Glauben. "Dass in der Vergangenheit auch kritische Stimmen zu Papst Benedikt XVI. laut wurden, schreckt mich nicht.“ Sie müsse nicht mit ihm in allem übereinstimmen, um für den Papst Hochachtung zu empfinden.

"Vorbild in seiner Bescheidenheit“

Als glühender Ratzinger-Fan präsentiert sich der Babynahrung-Hersteller Hipp: "Ihn hatte ich schon immer bewundert.“ Benedikts Meinung "in schriftlicher und mündlicher Form“ sei ihm stets eine große Hilfe und gebe seinen Entscheidungen Sicherheit, verrät der Unternehmer. Der Papst sei ein "Vorbild in seiner Bescheidenheit“ und ein "Hoffnungszeichen für eine gute Zukunft mit Gott“.

"Immer wieder fasziniert“ von den "mitreißenden und überzeugenden“ Ansprachen des Papstes zeigt sich Stoiber. Benedikt XVI. verströme große Menschlichkeit und Leichtigkeit. "In einer immer schwieriger werdenden Welt steht der Papst für Beständigkeit, Verlässlichkeit und Bindung.“ Und der Münchner Kardinal Reinhard Marx betont, der Papst lache gern: "Er hat einen feinsinnigen und manchmal hintergründigen Humor.“

Auch Protestanten loben Papst

Doch nicht nur überzeugte Katholiken, auch evangelische Prominente zeigen sich vom Papst begeistert. "Ich bin ein lutherischer Benedikt-Anhänger“, versichert beispielsweise CSU-Rebell Peter Gauweiler. "Meine bevorzugten Kirchenväter heißen Joseph Ratzinger und Martin Luther.“ Und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobt Benedikts Einsatz für die Ökumene

Kritische Stimmen über dem Papst sind in dem Buch nicht zu finden. Bewusst. Denn die Idee für den Band kam der Leiterin des Media Maria Verlags, Gisela Geirhos, angesichts des Boykotts der Papst-Rede im Bundestag durch mehrere Abgeordnete: "Dem wollten wir ein positives Zeichen entgegensetzen.“ Also schrieb sie eine Reihe Prominente an – und erhielt von den meisten einen Beitrag.

Jetzt schon ist der Geburtstagsband das erfolgreichste Buch des kleinen Verlags, der erst 2007 gegründet wurde. Dank der vielen Vorbestellungen ist bereits eine zweite Auflage in Druck. "Es war ein Glücksfall, dass die Prominenten zugesagt haben, auch in der Vielzahl“, schwärmt Geirhos.

dapd/ahi