Konzert

Udo macht sein Ding in Hamburg

Hier ist sein Heimathafen und die "derbste Straße". Udo Lindenberg feiert auf seiner Tour ein ausverkauftes und umjubeltes Heimspiel in der Hansestadt.

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„Yeah, Hamburch!“, ruft der Panikrocker – und die bis unters Dach mit jubelnden Fans besetzte Halle tobt. „Es ist so geil, zu Hause im Heimathafen so ein Konzert zu erleben!“ Als sich Udo Lindenberg am Ende einer spektakulären Show am Montagabend in seiner Wahl-Heimat Hamburg beim Publikum bedankt, sitzt längst kaum noch jemand auf seinem Stuhl in der restlos ausverkauften O2 World.

Rund 13 500 Fans stehen und feiern den 65-Jährigen beim ersten von zwei Konzerten in der Hansestadt auf der „Ich mach' mein Ding“-Tour.

Der Tourauftakt kurz zuvor in Mannheim und das Konzert in Frankfurt – für die Hamburger Fans nur so etwas wie eine Generalprobe. Richtig los geht es für sie erst hier oben im Norden, wo der Deutschrocker seit langem lebt.

Wo er schon vor mehr als 40 Jahren – damals noch ohne Hut und Sonnenbrille als Dauerbegleiter - mit „Hoch im Norden“ einen Hit landete. Schon als der Musiker als „Udo-Ufo“ mit Zeppelin einschwebt, jubelt die Menge begeistert los.

Songs aus 40 Jahren

Nach der Landung dann Panik pur: Fast drei Stunden lang mixt er alte und neue Hits. Ob nun der „Sonderzug nach Pankow“ und „Candy Jane“ aus früheren Zeiten oder „Ich mach' mein Ding“ und „Was hat die Zeit mit uns gemacht“ von seinem vor vier Jahren erschienen ersten Nummer-Eins-Album „Stark wie Zwei“.

Seit der Comeback-Tour 2008 war er auch nicht mehr in großen Hallen unterwegs. „Entzugserscheinungen“ habe er deswegen schon gehabt, sagt Lindenberg und freut sich, nun all die „Panik-Experten und Geheimräte“ endlich wiederzusehen.

Eine Familienfeier nennt er die Show. „Die ganzen Songs sind ja nicht nur mein Leben, sondern gehören auch zu eurer Biografie“, ruft er – die Fans stimmen jubelnd zu.

Als er mit „Höllenfahrt“ einen Song von seiner Platte „Dröhnland-Symphonie“ (1978) anstimmt und an früh gestorbene Kollegen wie Jimi Hendrix, Falco, Michael Jackson oder Whitney Houston erinnert, erzählt er: „Als ich das Lied geschrieben habe, war ich 32 und habe gelebt nach dem Motto: Wo lassen Sie schlafen?“

Dass er mal mit 65 noch auf der Bühne rocken werde, hätte er damals nie gedacht. „Und jetzt stehe ich immer noch hier“, sagt er und liefert gleich einen seiner neuen Songs: „Nimm Dir das Leben, lass' es nicht mehr los“.

Zu einem Hit ist jüngst auch ein Klassiker geworden: Fast 40 Jahre alt ist sein „Cello“, für „MTV Unplugged“ nahm er mit seinem jungen Kollegen Clueso ein Remake davon auf. Clueso steht mit ihm auch in Hamburg auf der Bühne, als das weiße Cello neben einer Artistin auf die Bühne schwebt.

"Ihr geht hier ab wie die Zäpfchen"

Auch sein neues „Mädchen aus Ostberlin“ Josephin Busch - Hauptdarstellerin des Lindenberg-Musicals „Hinterm Horizont“ in Berlin – ist im FDJ-Hemd dabei und singt im Duett mit dem Panikrocker „Gegen die Strömung“.

Als dieser zwischenzeitlich auf einer Trage liegend und von Notruf-Signalen begleitet durch den Saal gebracht wird, besteht längst kein Grund zur Panik: Es war nur ein „Vampir-Biss“ zu „0-Rhesus-Negativ“ – Udo hält den Hut fest und rockt gleich wieder los.

„Ihr geht hier ab wie die Zäpfchen“, ruft er den Fans zu, „das gibt uns Speed für die ganze Tour“. Nach einem weiteren Konzert am Dienstagabend in Hamburg reist er mit seinem Panikorchester noch bis Anfang April durch Deutschland.

In Hamburg indessen darf sein Lied über die „derbste Straße“ auch an diesem Abend nicht fehlen, auch wenn Kumpel Jan Delay, mit dem er den Song neu aufgenommen hat, nicht dabei ist: „Reeperbahn“.

„Manche denken, ich hau' ab aus Hamburg. Nee, ich bleibe hier!“ sagt Lindenberg und entschwebt wenig später wieder mit seinem Zeppelin. „Goodbye Sailor“ – aber nur vorübergehend.