"Germany's Next Topmodel"

Wenn alles wackelt – Endzeitstimmung bei Heidi Klum

Mit ihren Kandidatinnen kehrt Heidi Klum dorthin zurück, wo ihr der Durchbruch gelang. Dabei fällt auf, wie schrill und überzeichnet die Modelmama geworden ist.

Seit Castingshows nett geworden sind, haben es die Platzhirsche unter den selbsternannten Talentsuchern schwer. Bei "X-Factor" und "The Voice of Germany" hätscheln und loben die Juroren ihre Kandidaten, dass der Zuschauer im Sessel wohlig seufzt vor lauter Harmonie und sich vom bollerigen Tonfall bei "Deutschland sucht den Superstar" fast selbst beleidigt fühlt.

Jetzt haben auch Heidi Klum und "Germany's Next Topmodel" Konkurrenz bekommen. Und wirken plötzlich noch überzeichneter, noch schriller als je zuvor.

Bei "Das perfekte Model" (Vox) suchen seit drei Wochen Klums Kolleginnen Eva Padberg und Karolina Kurkova nach neuen Laufstegtalenten, mit mittelmäßigen Einschaltquoten.

Aber immerhin haben sie (trotz inszenierter Zickenkriege) genau die Natürlichkeit auf ihrer Seite, für die Heidi Klum mal berühmt war, die sie von ihren "Mädchen" permanent einfordert – und die ihr in zehn Jahren Showbiz immer mehr abhanden gekommen ist.

Sind Klums beste Zeiten vorbei?

Da wirkt es fast schon anrührend, wenn Heidi ihren Kandidatinnen beim spontanen Catwalk-Wettbewerb am Flughafen rät: "Seid jung, seid modern!"

Und kurze Zeit später, nach der Ankunft des Teams in Thailand, wird darüber sinniert, wie hier vor 15 Jahren ihre Karriere startete: Hier wurde das Titelbild der "Sports Illustrated" geschossen, das sie weltberühmt machte. Der Eindruck setzt sich fest, dass hier ein Star spricht, der seine besten Zeiten hinter sich hat.

Statt ihrer räkeln sich nun ihre Kandidatinnen im Bikini im Sand von Phuket. Einige besser, einige schlechter und alle insgesamt so unspektakulär, dass eine Schminkpanne zum Skandal aufgebauscht werden musste: Die 21-jährige Sara hatte selbst Hand angelegt, das Werk des Visagisten mit Rouge überpinselt und die Tat vor Heidi geleugnet.

Dominique traute sich derweil nur mit Badeanzug an den Strand: "Bei mir wackelt alles", klagte sie mit Blick auf ihren perfekt flachen Bauch und dürfte sich damit den Unmut tausender Zuschauerinnen zugezogen haben, deren Bäuche tatsächlich wackeln.

Immerhin hatte Heidi hier Gelegenheit, als perfekte Modelmama das komplexbeladene Mädchen in die Arme zu schließen und zu trösten, wo sonst gehauchte Küsschen das Höchstmaß an Herzlichkeit darstellen.

Lästereien von Ex-Kollegen

Ist da etwa jemand auf der Suche nach einer Kronprinzessin? Die ProSieben-Werbeunterlagen zur Show erwecken fast den Eindruck, wurde diese Staffel doch mit einer aufwendigen Broschüre unter dem ambitionierten Titel "Gold für Deutschland" angekündigt, statt wie sonst mit einer schnöden Pressemitteilung.

Nötig wäre es, in Anbetracht der Erfolglosigkeit der bisherigen Siegerinnen, über die inzwischen sogar Ex-Juror Rolf "Rolfe" Scheider öffentlich im "Spiegel" lästerte. Zwar wurden eilig Gerüchte dementiert, diese Staffel sei die letzte. Trotzdem schleicht sich ein Hauch Endzeitstimmung ein, wenn Heidi immer wieder betont, diesmal seien die Mädchen viel ehrgeiziger, viel leidensfähiger als je zuvor.

Ohne "Germany's next Topmodel" wäre die Fernsehwelt tatsächlich um ein paar Ekel-Challenges ärmer. Statt sich wie sonst mit Spinnen oder Kakerlaken fotografieren zu lassen, mussten die Kandidaten das Getier diesmal essen und dabei einen Werbespot für Thai-Food in Szene setzen. Keine kniff, nur Michelle Luise musste sich nach einem scharf gewürzten Papayasalat übergeben.

Blamage als Entspannung

Beim Catwalk-Training im strömenden Regen auf einer Fischfarm lief Klum schließlich wieder zu großer Form auf, schließlich ist der Laufsteg der beste Ort, um sich über Model-Aspirantinnen lustig zu machen: "Es hilft zur Auflockerung, sich mal ein bisschen bloßzustellen", riet die Oberjurorin. Und wenn die Mädchen sich nicht selbst blamieren, hilft die Modelmama eben ein bisschen nach.

Diesmal traf es die 17-jährige Laura, der schon in der Auftaktsendung von Jurymitglied Thomas Rath ein "maskuliner" Laufstil bescheinigt wurde. Bevor sie ihr Foto und damit ihr Ticket in die nächste Runde in Empfang nehmen durfte, musste sie vor der Jury tanzen. Dafür erntete sie beim Hinausgehen von Rath ein spöttisches "Danke fürs Entertainment!"

Für Romina, Laura W. und Abiba reichte es dagegen nicht.

Begeistert war der Designer vor allem – trotz des Schmink-Skandals – von Kandidatin Sara, die verbal gern mal den Proll raushängen lässt ("Die sagen, ich soll nicht immer so sexy die Augen zusammenkneifen. Beim Kacken kneift auch jeder die Augen zusammen – ich weiß nicht, ob das so sexy ist.") Nicht nur wegen ihres Körpers.

"Sie ist speziell, sie macht einem Freude", schwärmte Rath. Vor allem aber bringt sie die Sprüche mit dem ausreichenden Fremdschäm-Faktor. Und der ist es ja schließlich, der Heidis Sendung ausmacht.