Erfolgreiche Sängerin

Ein Witz - Adele macht wohl doch keine Pause

Fünf Jahre könnte sie sich zurückziehen, heiraten, Kinder bekommen, Gemüse pflanzen - Sängerin Adele, so schien es, macht erst einmal Schluss. Inzwischen aber rudert sie zurück.

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Mit sechs Grammys in den Armen stand Adele Adkins am Sonntag auf der Galabühne in Los Angeles. Sie war gerührt, sie strahlte, niemand sang zuletzt erfolgreicher als sie, als Sängerin gehörte ihr die Zukunft. Anschließend ließ sie über die Zeitschrift „Vogue“ ausrichten : „Ich bin verdammt noch mal vier, fünf Jahre raus.“ Adele sagt, das Musikgeschäft verschleiße sie. „Ich denke, dass ich etwas verpasse, wenn ich zu tun habe und auf Tour bin.“ 23 Jahre ist sie alt. Sie findet, es sei an der Zeit, sich häuslich einzurichten, sich um ihren Freund zu kümmern und Gemüse anzupflanzen.

Die Geschäftswelt wirkte erschüttert, irritiert und ratlos. Man hatte die Hoffnungsträgerin mit Preisen überhäuft für ihren Manufaktum-Pop. Sie hätte doch durch die großzügigsten Mehrzweckhallen reisen sollen, vielleicht mit einem Orchester und schwarzweißen Videowänden. Für Walt Disney und James Bond hätte sie musizieren können. Alles stand ihr offen, doch Adele möchte lieber daheim Radieschen säen. So schien es.

Nur: es war wohl nur ein Witz, eine Flapsigkeit. In Adeles Blog hieß es: „Ich mache jetzt ein paar Tage frei, und dann kommen die Brit Awards hier zu Hause und dann bin ich direkt im Studio. BOYYAHH! 5 Jahre? Wohl eher 5 Tage!"

Adeles Sprecher sagte dann am Mittwoch der BBC , die Sängerin habe in dem Gespräch mit „Vogue“ wohl eher einen flapsigen Kommentar gemacht, „just an off-hand comment“. Der allerdings traf das System, das ihr zum Ruhm verholfen hat, ins Mark, zugleich trifft sie den Nerv der Zeit. Kein "Landlust"-Leser, der sie nicht verstünde. Jeder, den die Burn-out-Titelwarnungen der großen Magazine einschüchtern, hätte Adele zu ihrem Rückzug herzlich gratuliert. Entsprechend groß und weitläufig war fiel die Reaktion auf die offenbar nur vermeintliche Flucht aufs Land aus.

Vielleicht auch deshalb, weil man als Zuschauer glaubte, sich um Adele sorgen zu müssen. Adele Adkins kam als Tochter eines flüchtigen Werftarbeiters und einer bei der Geburt noch minderjährigen Mutter auf die Welt. Sie wuchs im rauen Norden Londons auf und schaffte es, allein durch ihre Stimme, auf die Brit School of Performing Arts nach Selhurst, wo das britische Musikgeschäft seine Talente rekrutiert.

"19" hieß ihr erstes Album, weil sie es mit 19 aufnahm, "21" heißt das zweite und vorübergehend letzte. Es verkaufte sich bisher 19 Millionen Mal. Bei der Grammy-Gala sang sie "Rolling In The Deep", ein Lied über ein Mädchen, das sich nach der Liebe sehnt. Unter dem Kummerspeck lodert das Feuer. Man sah, wie Adele dabei in ihrem Video saß und sang, allein auf einem Stuhl in einem leeren Haus mit abgehängten Möbeln zu zerschlagenem Porzellan, am Ende wirkte sie erschöpft.

Man wusste, das Adele wieder bei ihrer Mutter wohnte. Es gab eine DVD von ihrem Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall mit Bildern aus der Garderobe, wo sie Lockenwickler trug und ihren Dackel küsste. Auf der königlichen Bühne schwammen ihre Augen, weil sie so bewegt war von der Zuneigung der Gäste und von ihrem eigenen Aufstieg. Danach waren ihre Stimmbänder hinüber. Adele musste operiert werden, musste Ihre Tour absagen – und hatte dann bei den Grammys ihr Comeback.

In dem „Vogue“-Interview wird Adele auch mit den Worten, dass sie wohl drei Jahre brauchen werden, bis ihre nächste Platte fertig ist. Denn: „Ich will keinen Scheiß veröffentlichen. Ich werde keine neue Musik herausbringen, die nicht besser ist als ‚21’.“ Das kann auch bedeuten: Keine Pause, sondern viel Arbeit - aber mit den nächsten Songs wird's dauern, weil Adele sich selbst gegenüber so pingelig ist.