Abenteuerfilm

Handys und Computer für die "Fünf Freunde"

Seit 1942 bestehen Enid Blytons "Fünf Freunde" gemeinsam Abenteuer. Der neue Film versetzt Georgina, Julian, Richard, Anne und Timmy in die Gegenwart.

Das hier könnten wir jetzt ganz entspannt angehen. Die Frau nämlich, die der Ursprung jenes vermeintlichen Übels ist, von dem im Folgenden die Rede sein wird, hat mal gesagt, dass sie Kritik von Menschen, die älter sind als zwölf, überhaupt nicht interessiert.

Die Frau heißt Enid Blyton, – beliebteste Schriftstellerin Großbritanniens, drittmeistübersetzte Autorin der Welt nach Gott (die Bibel) und Lenin (Gesamtwerk), Verfasserin von gut 700 Romanen, jährlich Auflagenmillionärin, obwohl tot seit 1968. allesamt deutlich jünger als zwölf (vor allem Timmy, der Hund), als „Fünf Freunde“ hundertfache Auflagenmillionäre seit ihrem ersten Abenteuer 1942, Bewohner der Fantasiewelt von Generationen Präpubertierender, Urmütter und -väter aller Vorstadtkrokodile und wilden Kerle dieser Welt, gerade ausgerechnet an der deutschen Nord- und Ostseeküste und in bayerischen Höhlensystemen zum ersten Mal fürs Kino verfilmt.

Solides Kinderkino

In Ermangelung weiterer verfilmbarer Kinder- und Jugendbücher von Erich Kästner erlebt die Lieblingsfeindin literarischer Sittenwächter (konservativ, spannungslos, rassistisch, Schund) eine cineastische Spätkarriere, über die Menschen, die älter sind als zwölf, bisher nicht sonderlich glücklich werden konnten.

Christine Hartmanns „Hanni und Nanni“ zum Beispiel war vor zwei Jahren ein derart atemberaubendes Desaster der Kinderliteraturverfilmung (man erinnere sich nur an Katharina Thalbach, die als Französischlehrerin Mireille Mathieus Haarteile auftragen musste), dass die Hoffnungen auf eine Rehabilitierung Blytons als Kinovorlagenlieferantin nicht eben riesig waren. Mike Marzuks Version der „Fünf Freunde“ macht vieles, beinahe alles besser. Es ist solides Kinderkino. Es gefährdet – im Gegensatz zu „Hanni und Nanni“ – nicht die geistige Gesundheit Ihrer Sprösslinge.

Der Onkel ist in Gefahr

Es sind Ferien, wie es im Reich der Enid Blyton immer Ferien sind. Die Geschwister Julian (Quirin Oettl), Dick (Justus Schlingensiepen) und Anne Kirrin (Neele Marie Nickel) werden kinderlandverschickt zu ihrem Onkel Quentin an die Küste. Quentin ist Wissenschaftler, hat in seinem Labor auf einem felsigen Eiland eine Methode entwickelt, absolut grüne Energie herzustellen.

Alles ist, wie es sein soll in Blytonien. Die Sonne scheint. Cousine Georgina, genannt George, ist muffelig, ihr Hund Timmy knuffig, das Essen von Tante Fanny mäßig. Weil wir gut siebzig Jahre weiter sind als 1942 und in Deutschland, wird den fünfen allerdings statt Sardinen und Dosenmilch Hirsemüsli mit Stutenmilch und Dinkelauflauf vorgesetzt, was ja Zwölfjährige auch gruselt.

Rap-Songs gibt es nicht

Aber nicht die Ursache dafür ist, dass die Kirrin-Kinder alsbald wieder die Heimreise antreten müssen. Ihnen kommt was komisch vor. In einer Höhle tut sich Seltsames. Irgendwer will des Onkels Formel. Ein merkwürdiger Mensch mit Hut geht um. Die Ortspolizisten tun nichts. Tante Fanny verdrängt die Gefahr. Und die verschrobene Nachbarin ist auch nicht ganz koscher. Die fünf versuchen, den Onkel zu retten.

Natürlich operieren sie mit Handy und Computer. Aber sie tragen – im Gegensatz zu diversen Kinderfilmen dieser Art – ihre neu gewonnene technische Modernität nicht wie eine Monstranz vor sich her. Marzuk hat im Zuge seiner entspannten Runderneuerung überhaupt der Versuchung widerstanden, die Zielgruppe des Detektivspiels seiner „Famous Five“ durch künstliche Tempoverschärfung, aufgesetzte postkindliche Amouren und Rap-Songs in die Pubertät hinein zu erweitern.

Fast wie Ferien für Erwachsene. Kein Übel. Keine Kritik. Enid Blyton braucht sich gar nicht aufspulen.