Pop-Folk

Marit Larsen – "Ich kann machen, was ich will"

Die Norwegerin Marit Larsen bringt ihr neues Album "Spark" auf den Markt. Im Interview spricht sie über New York und ihr Lieblingsthema: Liebe.

Ein Jahr lang hat sich die norwegische Songwriterin und Sängerin Marit Larsen auf ihr drittes Album "Spark" konzentriert. Sie ist sogar von Oslo nach New York gezogen, um dort ungestört ihre Songs zu schreiben. 2008 hat die 28-Jährige in Deutschland mit dem Popsong „If a song could get me you“ ihren Durchbruch geschafft. Ein Gespräch über das Songschreiben in New York und das Gefühl, zuhause zu sein.

Morgenpost Online : Sie haben acht Monate in New York gelebt, um Songs zu schreiben. Hat die Stadt Ihre Musik beeinflusst?

Marit Larsen : Ja, auf ganz verschiedene Art und Weise. Zum einen musste ich die ganze Zeit Englisch sprechen. So habe ich angefangen, auch in der Sprache zu träumen und zu denken. Dadurch war es natürlicher für mich Songs in Englisch zu schreiben. Zum anderen habe ich neue Bands kennengelernt. Außerdem hat mich der Gegensatz beeinflusst in einer verrückten, hektischen Stadt zu sein und immer wieder in meine vollkommen stille Wohnung zurückzukehren.

Morgenpost Online : Die erste Albumauskopplung heißt „Coming home” . Was bedeutet es für Sie zuhause zu sein?

Larsen : Das ist eine Frage des Empfindens. So wird es auch in meinem Song beschrieben. Einerseits mag ich meine Wohnung in Oslo, wo meine Bücher, meine Musik, mein Bett und meine Küche sind. Ich liebe es, mir etwas zu kochen. Aber ich fühle mich auch zuhause, wenn Freunde mich besuchen oder meine Familie. Die Wahrnehmung ändert sich mit dem Alter. Zum Beispiel in einer romantischen Weise, wenn man jemanden kennenlernt und so weiß, wo man hingehört.

Morgenpost Online : Sie haben für Ihr Album die meisten Songs selbst geschrieben. Wie viel blieb am Ende von Ihren Ideen übrig?

Larsen : Das ist das Tolle, wenn man Solokünstler ist. Denn der Einzige, der auf meine Musik Einfluss hat, ist mein Produzent. Ich habe an allen drei Alben mit ihm zusammen gearbeitet. Mein Plattenlabel hört die Songs nicht, bevor sie fertig sind. Das ist ein Privileg. Sie vertrauen mir. Ich habe das Gefühl, ich kann machen, was ich will.

Morgenpost Online : Viele ihrer neuen Songs handeln von Liebe. Warum?

Larsen : Ich finde das Thema interessant. Täglich verlieben sich Menschen, anderen wird das Herz gebrochen. Es gibt Liebe in der Kunst, in Büchern, in der Geschichte. Trotzdem fühlt es sich einzigartig an, wenn es uns passiert. Es verändert das Leben.

Morgenpost Online : Schreiben Sie auch über andere Themen?

Larsen : Ich schreibe über alles Mögliche. Ich werde durch mein eigenes Leben inspiriert, das meiner Freunde und durch Bücher. Während ich die Lieder für mein neues Album geschrieben habe, habe ich Bücher von Paul Auster gelesen und den Film „Blue Valentine“ gesehen. Der bricht einem das Herz. Es hat einige Lieder gebraucht, darüber hinwegzukommen.

Morgenpost Online : Liebeslieder?

Larsen : Sie lacht.

Morgenpost Online : Als Sängerin wirken Sie sympathisch. Ihre Musik ist mal nachdenklich und traurig, dann wieder fröhlich – aber gibt es noch eine ganz andere, eine wilde Seite von Marit Larsen?

Larsen : Natürlich. Aber das kann ich selber nicht beschreiben. Da müssen Sie meine Freunde und meine Familie fragen. Aber natürlich ist das nicht alles von mir.

Morgenpost Online : Warum kommen diese anderen Seiten auf ihrem Album nicht zum Ausdruck?

Larsen : Das neue Album zeigt viele Teile meiner Persönlichkeit. Aber es gibt auch Seiten von mir, die ich privat halten möchte.

Morgenpost Online : Schon bevor Sie Solokünstlerin waren, waren Sie als Teenager zusammen mit Marion Raven sehr bekannt mit der Band M2M. Fehlt Ihnen eine solche Kollegin?

Larsen : Das Gute an einer Band ist, das man all den Druck, die Arbeit, die Reisen und auch die Erfolge teilen kann. Es war gut, diesen Rückhalt zu haben, als ich angefangen habe, Musik zu machen. Jetzt bevorzuge ich es, ein Solokünstler zu sein, weil ich dann die kreative Kontrolle habe. Außerdem habe ich tolle Musiker und eine tolle Managerin um mich herum – so bin ich nicht einsam.

Morgenpost Online : Gibt es einen Alternativplan zur Musik?

Larsen : Ich möchte amerikanische oder nordische Literatur studieren. Man muss sich bis zum 15. April bewerben. Jeden Februar, März frage ich mich: Soll ich es jetzt machen? Aber dann denke ich: Ich schreibe seit 15 Jahren Lieder, und das klappt. Menschen tragen meine Musik in ihr Leben. So lange das funktioniert, werde ich weitermachen, denn ich habe dabei jede Menge Spaß.

Morgenpost Online : Ihre Eltern sind auch Musiker. Reden Sie mit ihnen über Ihre Musik?

Larsen : Zurzeit spreche ich über ganz andere Dinge mit ihnen, denn ich rufe sie an, weil ich sie vermisse. Aber mein Vater hat für meine letzten beiden Alben im Orchester Cello gespielt. Ich bin sehr stolz, dass er dabei war.

Deutschland-Tour: 17.4. Mainz, 18.4. Hamburg, 20.4. Berlin, 21.4. Hannover, 22.4. Köln, 23.4. Frankfurt, 25.4. Stuttgart, 26.4. München .