Familienfilm

Wenn Mensch und Delfin dicke Freunde werden

"Mein Freund, der Delfin" erzählt die Geschichte eines Wals, der seine Schwanzflosse verloren hat. Ein Junge hilft ihm – und lernt von dem Tier.

„Zwei Klischees sind lächerlich, hundert Klischees sind ergreifend“ schrieb Umberto Eco einst. Mit solch harmloser Unterhaltung wie diesem Film verschwendete der italiensche Semiotiker zwar für gewöhnlich nicht seine Zeit, dennoch muss man oft an Ecos Satz denken, während die Geschichte von „Mein Freund, der Delfin“ mit kaum fassbarer Vorhersehbarkeit abläuft.

Einmal mehr dient eine wahre Begebenheit als Vorlage : Der Delfin Winter (der sich in der Filmversion seiner Geschichte selbst „spielt“) verlor in einem Treibnetz seine Schwanzflosse und schien zum einschläfern verdammt – bis ein findiger Wissenschaftler dem Tier eine Art Flossen-Prothese bastelte. So weit so anrührend, doch für einen Hollywood-Familienfilm ist das natürlich nicht genug.

Ein Junge verbringt seine Zeit mit dem Delfin

Also bekommt Winter den elfjährigen Sawyer an die Seite gestellt. Der wächst nicht nur ohne Vater auf, sondern ist auch ein typischer Außenseiter. Statt im Sommer am Strand zu spielen, verbringt er seine Zeit mit Winter und wird immer mehr zur Vertrauensperson des Tiers, das seinerseits den Jungen aus seiner selbst gewählten Introvertiertheit befreit.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen hat Sawyer auch noch einen Cousin, der sich zu Beginn des Films in den Kriegsdienst verabschiedet um später – genau – mit einem amputierten Bein zurückzukommen. Und damit auch wirklich jeder versteht worum es hier geht, bekommt Sawyer ein Taschenmesser mit der Aufschrift „Familie ist alles“ geschenkt.

Die Schauspieler werten den Film auf

Dass „Mein Freund, der Delfin“ trotz dieser absurden Handlung dennoch ein leidlich akzeptabler Familienfilm geworden ist, liegt in erster Linie an der bemerkenswerten Ernsthaftigkeit, mit der diese vollkommen wertkonservative Geschichte erzählt wird.

Ohne Selbstreflexion, aber auch ohne übertriebenes Pathos inszeniert Regisseur Charles Martin Smith seinen Film, unterstützt von einer bemerkenswerten Riege von Schauspielern: Morgan Freeman , Kris Kristofferson, Ashley Judd, Harry Connick Jr.: allesamt Akteure, die schon in deutlich ambitionierteren Filmen zu sehen waren und hier allein mit ihrer zurückgenommen Präsenz für eine entspannte Grundstimmung sorgen. Und irgendwann hat man dann auch ganz vergessen, dass man hier eigentlich eine Aneinanderreihung von Klischees sieht.