Neu auf CD

Venom sind auf dem Weg in die Hölle

Eine der einflussreichsten Bands des modernen Heavy Metal ist wieder da: Venom. Außerdem gibt es neues von Laura Veirs und Bill Ryder-Jones.

30 Jahre liegt „Welcome To Hell“, die erste Einladung von Venom, nun schon vor, ohne dass jemand ihr gefolgt wäre. Es war ja auch ein großes Missverständnis: Als im Jahr darauf „Black Metal“, ihr Gesellenstück, heraus kam, war der Name eines Genres in der Welt und eine Lebenshaltung. Venom sahen keinen Sinn darin, von blühenden Landschaften zu singen und der Menschheit falsche Hoffnungen zu machen. Anschließend erschien „At War With Satan“.

Rechts der Nordsee wuchs sich der Black Metal aus zu einer ernsteren Angelegenheit mit brennenden Kirchen und geschminkten Irren. Damit hatten Venom, die Nordengländer, nie viel zu schaffen, auch wenn sie in Skandinavien verehrt werden wie schwarze Heilige. Ihnen war die New Wave of British Metal nur zu bunt geworden und zu eitel.

Venom kamen wieder auf die Vorzüge des Punk zurück wie nach ihnen Metallica und Slayer. Woran auch ihr neues Album „Fallen Angels“ nachdrücklich erinnert, drei Jahre nach ihrer letzten Platte „Hell“ : Ein Lied heißt sogar „Punk’s Not Dead“. Die Band prügelt sich durch die Stücke, und ihr Sänger Cronos malt den Teufel an die Wände. Er speit Flüche in die Luft, damit man den Leibhaftigen nicht persönlich treffen muss.

4 von 5 Punkte.

Laura Veirs: "Tumble Bee"

Wer sich Kinder anschafft, muss mit ihren Liedern leben. Rolf Zuckowski findet immer einen Weg in die Familie, um die Nerven der Erwachsenen zu zerrütten. Amerikaner werden ihre eigenen Rolfzuckowskis haben. Gegen sie hat Laura Veirs ihr eigenes Kinderalbum aufgenommen. Irgendwann war es passiert: Die Sängerin aus Portland hatte ihre Arbeit Tag und Nacht mit dem Produzenten Tucker Martine geteilt.

Ihr gemeinsamer Sohn heißt Tennessee. Für ihn ist „Tumble Bee“ entstanden. Seine Eltern haben die Folklore nach Musik durchsucht, die kleinen Menschen Freude machen könnte, ohne infantil zu sein. Sie fanden Klassiker wie „Little Lap Dog Lullaby“ von Peggy Seeger, „Why Oh Why“ von Woody Guthrie und den Jodler „Prairie Lullaby“ des singenden Eisenbahners Jimmie Rodgers. „Jamaica Farewell“ von Harry Belafonte wird entschärft, indem man sich nicht nach den Mädchen der Karibik sehnen soll, sondern nach lieben Freunden.

Laura Veirs hat dazu eine Supergroup um sich geschart. Mit Colin Meloy von den Decemberists, Jim James von My Morning Jacket, Brian Blade, dem Trommler von Bob Dylan, und dem Banjozauberer Bela Fleck. Für 13 fabelhafte Kinderlieder, ein Familienalbum. Es wird allerdings nichts nützen.

5 von 5 Punkte.

Bill Ryder-Jones: If... (Domino)

„Entspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite.“ So beginnt Italo Calvinos „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ von 1979. Ein Roman, der seinen Leser nicht nur anspricht, sondern gleich zum Helden der Geschichte macht. Bill Ryder-Jones wagt es, den Klassiker der Postmoderne zu vertonen. Er ist 28 Jahre alt und stammt aus einem Kaff am Mersey-Fluss. In Liverpool war er der Gitarrist der Band The Coral, die für ihren Psychedelik-Folk berühmt wurde.

Für Veteranen wie Paul Weller war Bill Ryder-Jones der beste Gitarrist im jüngeren BritPop. Dem war das zuviel, die Band war ihm zu wenig. Er verließ The Coral , blieb ihnen aber als freier Gitarrist und Arrangeur erhalten. Ryder-Jones half auch bei den Last Shadow Puppets aus. Vor allem aber komponierte er Musik für Kunst- und Kurzfilme von Freunden, sonderbare Stücke auf der Suche nach dem eigenen Sound. Gefunden hat er ihn und sich dann in Calvinos Buch. Er nahm in Klöstern, Kirchen und den Kammern seiner Kindheit auf.

Die Liverpooler Philharmoniker standen ihm bei, und manchmal sang er und griff wieder zur Gitarre. Filme könnten damit unterlegt sein; die Musik erzählt die Buchlektüre nach. Von „If...“ über „The Reader“ und „Give Me A Name“ bis zu „Some Absolute End“. Und die Musik fragt ihren Hörer, was man von ihr will. Calvino riet dem Leser: „Mach lieber die Tür zu, drüben läuft immer das Fernsehen.“ So muss man das wohl auch hören.

3 von 5 Punkte.