"New Blood"

Peter Gabriels zarte Abendunterhaltung

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Michael Pilz

Für seine Musik hat sich Peter Gabriel schon als Blume oder Kastenkopf verkleidet. Aber mit seinem neuen Album "New Blood" übertreibt er.

Die Albumhülle ist verziert mit einem Gütesiegel, darauf steht: "Recorded with full orchestra – no guitar or drum kit". Das komplette Sinfonieorchester, keinerlei Gitarren oder Schlagzeug. Peter Gabriel ist stolz auf "New Blood", seine zweite Platte, auf der er die Klassiker der Rockmusik auch klassisch auslegt.

Neuinterpretation seines eigenen Werkes

Im vergangenen Jahr, auf "Scratch My Back" , verbeugte Gabriel sich vor Generationskollegen wie Neil Young, Lou Reed und David Bowie. Er bewies, dass er auch jüngere Musik zu schätzen weiß, von Arcade Fire, Elbow und Magnetic Fields. Jetzt widmet sich der Veteran dem eigenen Werk.

Seinen erhabenen Gesang und seine meisterhafte Poesie wickelt er ein in großformatige Partituren und verkauft die eingestrichenen und eingeblasenen Songs als Blutauffrischung. Gabriel ist nicht der erste und der einzige, der sich im Alter solche Rotwein-Interpretationen gönnt. Aber man hätte mehr von ihm erwarten dürfen, als die Stücke werktreu orchestrieren zu lassen.

Abendunterhaltung statt Avantgarde

Man kennt Peter Gabriel in Rockopern als Blume, Zigarette und Kaninchen. Er war Genesis. Im Video hat er eine Eisenbahn sein Haupt umkreisen lassen. Selbst die Digitaltechnik hat er begrüßt wie einen lieben Freund. Als das Jahrtausend anbrach, hat er den Millennium Dome in London eingeweiht, mit einem Oratorium.

Dass Peter Gabriel sich nun der leichten Abendunterhaltung zuwendet, mit 61 Jahren, wirkt verstörender als jede seiner seltsamen Ideen bisher. Er singt dabei mit norwegischen Liedermacherinnen im Duett oder vor Frauenchören. Er fleht "Come to take me home!" am Ende von "New Blood" in "Solsbury Hill". Und vielleicht kehrt er danach wieder heim zu sich.

2 von 5 Punkten .