"Wetten, dass..?"

Drei Milliarden Zuschauer, zwei Tage überzogen

Thomas Gottschalks Abschiedstournee ist eine merkwürdige Mischung aus Erinnerungshilfe und Statistikshow. Ein Glück, dass sich ein 11-Jähriger mit AC/DC auskennt.

Anfang Oktober. Das ist die Zeit, in der Thomas Gottschalk seit Jahrzehnten eigentlich immer aus der Sommerpause kommt. Doch diesmal war seine Rückkehr der Anfang vom selbst gewählten Ende.

Noch drei Ausgaben von „Wetten, dass..?“, und dann sollte endgültig Schluss für den großen Blonden beim ZDF. Und für den Abschied auf Raten hatte der Sender nicht zuletzt viele Nostalgie-Trips durch 24 Jahre der Erfolgs-Show mit Gottschalk angekündigt.

Doch die vorvorletzte Ausgabe des Klassikers in alter Besetzung nahm sich überraschend normal aus. Anders gesagt: Es war eigentlich wie immer. Nach einer einigermaßen albernen Ankündigung aus dem Off („Der Rettungsschirm für den Samstagabend“; „ihr krisensicherer Moderator“) betrat der Gastgeber, mit 70er-Jahre-Retro-Sakko und schwarzer Lederhose angetan, die Nürnberger Mehrzweckhalle und machte zunächst ein bisschen in lokaler Sentimentalität („Unweit von hier, in Hof, habe ich 1987 angefangen.“), um dann mit Michael „Bully“ Herbig seinen ersten Gast auf dem Sofa zu begrüßen.

Keine besonders gute Wahl. Denn der Komiker ist jenseits seiner Rollen bekanntlich eher ein mäßig unterhaltsamer Zeitgenosse. Zudem erwies sich auch der erste Wettkandidat, ein gewisser Michael, als veritable Spaßbremse.

Sarah Connor mit roten Sohlen

Nachdem er sich erst als eitler Selbstdarsteller präsentiert hatte, versagte er bei seiner Wette (eine Kombi aus Klimmzügen und Schaumküsse-Futtern) kläglich und machte bereits nach etwas mehr als der halben Wegstrecke schlapp. Was Gottschalk immerhin die Chance eröffnete, dem Kandidaten mit „Aber sowas von knapp gescheitert!“ noch eins mit auf den Heimweg zu geben.

Auftritt Sarah Connor! Die Chanteuse aus Delmenhorst schritt ohne Gesangsdarbietung gleich aufs Sofa zu und hielt ihre Edel-Pumps (die mit den roten Sohlen!) in die Kamera.

Warum sie da war? Offenbar einzig und allein, um an ihren ersten Auftritt in jener Sendung vor neun Jahren zu erinnern, nach der die ganze Nation einst gerätselt hatte, ob die nun einen Slip unter ihrem Hauch von Nichts getragen hatte oder nicht.

Da brachte die zweite Wette immerhin etwas an Nervenkitzel, in der Felix sich auf einem Trial-Rad souverän eine Rolltreppe gegen die Laufrichtung hocharbeitete. Es folgte ein beeindruckender Live-Auftritt der britischen Sängerin Jessi J, die sich in ihrem hautengen Catsuit anschließend brav aufs Gästesofa begab, um dort für den Rest der Sendung allerdings ziemlich verloren herum zu sitzen.

11-Jähriger kennt sich mit AC/DC aus

Zum viel umjubelten Star des Abends avancierte der 11-jährige Hagen. Locker und schlagfertig meisterte er zunächst seine Kinderwette (AC/DC-Songs in drei Sekunden erkennen) mit Bravour. Anschließend rockte er die Halle mit seiner E-Gitarre. Ein furioser Auftritt, aber auch eine seltsam verkehrte Welt.

Ein 11-Jähriger spielte Heavy Metal für Fans im Rentenalter und anschließend sang Peter Maffay, mit 62 fast im Rentenalter, Kinderlieder von seiner neuen „Tabaluga“-CD.

Anschließend demonstrierte Rowan Atkinson, der auf seiner Promo-Tour für seinen Film „Johnny English“ auf dem Sofa Station machte, dass er zwar ein smarter Typ ist, aber im wahren Leben nur halb so lustig rüberkommt wie in seinen Sketchen.

So plätscherte der Abend eher unspektakulär dahin. Die Wette, Menschen an ihren Schluckgeräuschen zu erkennen, war zwar originell, lieferte aber nicht eben sensationelle Bilder.

Olli Dittrich als launiger Außenreporter

Die hatte allerdings der nächste Kandidat, Amadei, zu bieten, der sich noch einmal an einer Klassik-Wette aus der „Wetten, dass..?“-Geschichte versuchte und auf einem Hindernis-Parcours zu Fuß gegen die Profi-Reiterin Meredith Michaels-Beerbaum auf ihrem Pferd antrat.

Als launiger Außenreporter fungierte dabei Olli Dittrich, der den Job von 1998 bis 2001 regelmäßig gemacht hatte. Amadei verlor denkbar knapp, wurde aber zum Schluss der Sendung völlig zu Recht zum Wettkönig gekürt.

Was sonst noch war? Eine bescheidene Darbietung von Komikerin Monika Gruber mit müden Scherzen über Guido Westerwelle und Loddar Matthäus, ein mitreißender Auftritt von Sängerin Joss Stone und eine Michelle Hunziker, die einmal mehr umwerfend aussah, aber ansonsten gänzlich blass blieb.

Drei Milliarden Zuschauer

Überhaupt unterschied sich diese drittletzte Ausgabe von „Wetten, dass…?“ kaum all den anderen in den Jahrzehnten zuvor. Zwar witzelte Thomas Gottschalk hie und da über seine Trennung vom ZDF („Sollen die mich doch rausschmeißen!“), doch die groß angekündigten Rückblicke in die Show-Geschichte beschränkten sich auf ein Sänger-Ranking, für das Zuschauer die zehn besten Show-Acts ausgewählt hatten (Es siegte, erwartbar, Michael Jackson) und das Verlesen von ein paar Statistiken.

So erfuhr man, dass die Sendung in all den Jahren über drei Milliarden Zuschauer fand und Gottschalk und seine Kollegen sich 2851 Minuten Überziehungszeit leisteten.

Gestern kamen noch einmal 50 Minuten dazu. Nun, ja.

Spannender als an diesem Abend dürfte es in der nächsten Ausgabe der Show im November zugehen. Dort soll schließlich Hape Kerkeling zu Gast sein, der unlängst ausgeplaudert hat, die Gottschalk-Nachfolge sei längst entschieden.

Wobei er natürlich offen ließ, ob er selbst der Auserwählte ist. Vielleicht lassen Kerkeling und das ZDF ja in der Show die Katze endlich aus dem Sack.