Theater-Regisseur

Castorf kritisiert Berlin als "verschwäbelt und lau"

Berlin hatte für den Intendanten der Volksbühne, Frank Castorf, zu Erich Honeckers Zeiten mehr zu bieten. Heute sei die deutsche Hauptstadt "lau".

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Volksbühnenintendant Frank Castorf (60) fand Berlin zu DDR-Zeiten spannender als jetzt. „Vor dem Mauerfall war die Stadt heiß und cool. Der Westen hatte zwar Eberhard Diepgen, aber auch David Bowie. Und im Osten waren es Erich Honecker und Heiner Müller“, sagte der in Ost-Berlin geborene Theatermacher in einem Interview der „Bild“-Zeitung . „Jetzt aber ist die Stadt durch ihre Verschwäbelung lau geworden.“ Dennoch sei es nach wie vor eine besondere Stadt.

Auf die Frage, ob ihm immer noch die "bioernährten Kritikerinnen in Birkenstock-Sandalen" aufstießen, antwortete der Theatermacher: "Ich liebe halt Frauen in Pumps. Ich bin fetischistisch veranlagt, was soll ich da tun?"

Seit 19 Jahren ist Castorf Intendant der traditionsreichen Berliner Volksbühne unweit des Alexanderplatzes . Zur Reaktion der Feuilletonisten auf seine Arbeit sagte er: „Ich lese relativ wenig Feuilleton. Früher dachte ich, die Kritiker wären sich über ihre unterschiedlichen Meinungen einig. Heute wirkt es so, als würden sie sich nach dem Theater noch mal treffen und alle ein gemeinsames Urteil fällen: rauf oder runter!“

Ob Castorf seinen 2013 auslaufenden Vertrag verlängere, stehe noch nicht fest. „Dann muss man sehen, wie die Belange sind, ob es Wowereit noch Spaß macht und mir auch“, sagte er.