Alben-Kompilation

Morrissey und der Ärger über die Smiths-Box

Nach den Singles werden auch die Alben der Smiths wiederveröffentlicht. Ex-Frontmann Morrissey dürfte schäumen. Toll ist die Box trotzdem.

Foto: Sanctuary

Morrissey, der singende Tierschützer aus Manchester, steckt seine Musiker heute in rote T-Shirts, auf denen das Logo von McDonalds aussieht wie ein totes Huhn. Bereits vor 26 Jahren zwang er seine erste Band zu „Meat Is Murder“. Mit dem Album landeten die Smiths ganz oben in den Hitparaden und in den umwölkten Herzen aller Sonderlinge. Nur zwei Jahre später war die Band am Rigorismus Morrisseys zerbrochen. Er zog weiterhin gegen den Fleischverzehr zu Felde.

Nebenkriegsschauplätze taten sich an allen Ecken auf, auch in der Plattenindustrie. 2009 packte die Firma, der die Tonbänder der Smiths gehören, gegen seinen Willen alle alten Singles in Kartons und warf sie wieder auf den Markt. Nun sind die Alben an der Reihe.

Morrissey hat wieder einen Anlass zur Erregung, weil er nichts dagegen unternehmen kann. Sein ewiger Rivale Johnny Marr, der Gitarrist der Smiths, hat die Restauration beaufsichtigt. „Die Smiths haben noch nie so gut geklungen“, sagt er. Und vor allem haben die CDs nie so besser ausgesehen: In der Kiste liegen acht verkleinerte Repliken der Vinylschallplatten, mitsamt damals beigelegten Werbepostern und beklebt mit winzigen Gütesiegeln zu den jeweiligen Hits.

Man braucht zwar eine kantige Brille wie sie Morrissey damals noch trug, um alles zu entziffern. Allerdings kann man die Plattenhüllen wieder aufklappen und auf „The Queen Is Dead“ Alain Delon bewundern. „Rank“ zeigt über die gesamte Breite, wie Konzertgäste ein Hemd von Morrissey zerreißen. Was soll er auch tun gegen das Ausweiden des Werks? Der Mensch war immer schlecht, deshalb waren die Smiths so toll.

The Smiths: Complete (Rhino)

5 von 5 Punkten