Moskau

Im Bolschoi-Theater hebt sich wieder der Vorhang

Mit einer feierlichen Gala und Prominenz ist das berühmte Moskauer Bolschoi-Theater nach sechsjährigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet worden. Das 2005 geschlossene einsturzgefährdete Haus wurde vom Mief der Sowjetzeiten befreit.

Zarenglanz und „Schwanensee“ in Moskau: Im weltberühmten Bolschoi-Theater hat sich nach einer historischen Totalsanierung der Vorhang zur Wiedereröffnung gehoben. Vor rund 1700 Ehrengästen, unter ihnen Präsident Dmitri Medwedjew und Ex-Kremlchef Michail Gorbatschow, wirbelten Tänzer zu Musik von Dmitri Schostakowitsch über die Bühne. Eine Lichtershow tauchte den wiedererstandenen Glanz der Zarenzeiten in helle Farben. Auf dem Programm der live im Staatsfernsehen übertragenen Feier standen auch Auszüge aus Peter Tschaikowskys Ballett-Klassiker „Schwanensee“, der 1877 am Bolschoi uraufgeführt wurde.

Bei der gut zweistündigen Feier überzeugten die Sopranistinnen Natalie Dessay (Frankreich) und Angela Gheorghiu (Rumänien) unter anderem mit einer Sergej-Rachmaninow-Komposition. Viel Applaus gab es auch für Sergej Prokofjews „Aschenbrödel“ und für den sowjetischen Ballett-Klassiker „Spartacus“ von Aram Chatschaturjan. Tschaikowskys „Krönungsmarsch“ schloss die Gala ab.

Vor dem festlich anstrahlten Säulenbau verfolgten hunderte Moskauer trotz Temperaturen von nur knapp über null Grad Celsius auf Videoleinwänden das Geschehen in dem Gebäude. Das Areal nahe des Kremls war weiträumig von Sicherheitskräften abgesperrt.

Eintrittskarten für die Gala hatten nur Regierungsgäste sowie frühere Bolschoi-Mitglieder wie die Ballettlegende Maja Plissezkaja und die als „sowjetische Maria Callas“ gefeierte Operndiva Galina Wischnewskaja erhalten. Sie schritten über einen roten Teppich und durch ein Spalier von Soldaten mit Paradeuniformen in das Gebäude.

Als Ouvertüre bekamen die Ehrengäste, darunter der orthodoxe Patriarch Kirill, zunächst dröhnenden Baulärm zu hören. Chor und Musiker in Overalls und mit Schutzhelmen spielten mit Baumaschinen auf der Bühne minutenlang die Renovierung des Gebäudes nach. Dann ging der Krach in eine Komposition aus Michail Glinkas Oper „Iwan Sussanin“ („Ein Leben für den Zaren“) über.

Die Rundumerneuerung des markanten Säulentempels kostete nach offiziellen Angaben eine halbe Milliarde Euro. Das 2005 geschlossene einsturzgefährdete Theater wurde vom Mief der Sowjetzeiten befreit. Die historische Bühne erstrahlte erstmals wieder im goldenen Glanz der Zarenzeiten des 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Spannung erwartete die internationale Kulturwelt die Qualität des historischen Klangs, den deutsche Ingenieure wiederhergestellt haben.

Die Neueröffnung sei angesichts der vorangegangenen Probleme „ein Wunder“, sagte Präsident Medwedjew zu Beginn der Gala. Das Wichtigste aber sei, dass der Geist des legendären Musentempels erhalten geblieben sei. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hatte sich die Leitung des Theaters gegen einen Auftritt des Kremlchefs inmitten des russischen Wahlkampfs ausgesprochen, da das Bolschoi eine kulturelle Einrichtung und kein politisches Forum sei.

Das oft als „Allerheiligste der russischen Musik“ und als Nationalsymbol Russlands bezeichnete Theater gilt als Wiege des klassischen Balletts und der Opernkunst im Riesenreich. Das Bolschoi Theater ist zudem eines der größten und prunkvollsten Kulturhäuser der Welt. In den vergangenen Jahren war das Ensemble verstärkt international auf Gastspielen. Außerdem wurde neben dem historischen Gebäude eine neue kleinere, aber ebenfalls glanzvolle Bühne bespielt.