Drama

Eine todkranke Krebspatientin trifft ihren Prinzen

Im Film "Restless" finden auf einer Beerdigung zwei verlorene Seelen zueinander: Eine unheilbar Kranke und ein schwer traumatisierter Querkopf.

Ach, wie schön muss Sterben sein. Gerade versüßt sich noch Kate Hudson in „Kein Mittel gegen Liebe“ ihren Krebstod mit einer Arzt-Romanze, da kommt schon das nächste hübsche Mädchen mit Todesdiagnose und trifft auf ihre letzten Tage ihren kleinen Prinzen. Auf Beerdigungen begegnen sie sich, die hübsche Annabel (Mia Wasikowska) und der süße Enoch (Henry Hopper).

Beide sind ruhelose Außenseiter, das behauptet zumindest das Drehbuch, und haben ihr Päckchen zu tragen: Annabel hat Krebs im Endstadium, Enoch ist vom Unfalltod seiner Eltern traumatisiert. Um den aufzuarbeiten, erscheint er als ungebetener Gast auf Beerdigungen ihm fremder Menschen. Als er aufzufliegen droht, hilft ihm Annabel aus der Bredouille, und die beiden erkennen sich als verwandte Seelen.

Ohne zu zögern bietet sich Enoch als Freund und Wegbegleiter an – bis dass der Tod sie scheidet. Gemeinsam verbringen sie nun die verbleibende Zeit mit Vögelzeichnen und Ausflügen in die Natur, alles schön bebildert und mit netter Musik untermalt.

Mia Wasikowska, die sich mit ihren 22 Jahren innerhalb kürzester Zeit als großes Schauspieltalent in die erste Reihe gespielt hat, von Tim Burtons „Alice im Wunderland“ zur Patchworkfamilienkomödie „The Kids Are Alright", demnächst auch als „Jane Eyre“ und dabei in ganz unterschiedlichen Rollen und Genres bezaubernd wirkt, bleibt hier unter der Regie von Gus Van Sant allerdings recht blass. Auch ihr Filmpartner, der Spross des verstorbenen Kinorebellen Dennis Hopper, überzeugt kaum.

Die richtige Haltung fehlt

Gemeinsam staksen sie in wahnsinnig originellen Gruftklamotten wie aus der Zeit gefallen durch die Landschaft und schauen melancholisch aneinander vorbei. Warum die beiden Narzissten sich ausgerechnet für einander interessieren sollen, bleibt ebenso unbeantwortet, wie die Frage, weshalb wir ihnen dabei zuschauen sollen.

Van Sant hatte im letzten Jahrzehnt mit Filmen wie „Elephant“ und „Paranoid Park“, von der Kritik für ihre elliptische Erzählweise und hypnotische Atmosphäre gefeiert, immer wieder die emotionalen Schieflagen von Jugendlichen ausgelotet, diesmal fehlen ihm aber die richtige Haltung und der richtige Ton. „Restless“ wäre gerne morbid-witzig wie „Harold and Maude“, jene Suizid-Kultkomödie der siebziger Jahre, in der ein 18-jähriges Muttersöhnchen spektakuläre Selbstmorde inszeniert, bis er sich in eine flippige 79-jährige verliebt.

Die Charaktere bleiben putzig-schräg

Die Fallhöhe der Figuren ist in beiden Filmen ähnlich – hier eine unheilbar Erkrankte, dort eine KZ-Überlebende – und auch die Verweigerung, eine Leidensgeschichte zu erzählen und stattdessen ein melancholisches Hohelied auf Leben und Freundschaft zu singen, haben sie gemein.

Doch wo Hal Ashbys Komik aus dem Schmerz entsteht, bleibt Gus Van Sant an der Oberfläche und seine nervigen Charaktere schlicht zu putzig-schräg. Da hilft auch ein japanischer Kamikaze-Pilot als Enochs imaginärer Freund nicht viel weiter.