Kino-Erfolg

"District 9" – Außerirdische im Apartheid-Ghetto

Der Low-Budget-Film "District 9" von Regisseur Neill Blomkamp und Produzent Peter Jackson ist eine doppelte Überraschung: Nach seinem Start in den USA erreichte er binnen Tagen Blockbuster-Format. Und wann loben Kritiker einen Science-Fiction-Streifen mit brutalen Action-Szenen schon als intelligent?

Foto: AFP

Mittlerweile eilt Neill Blomkamps düsterem Science-Fiction-Szenario "District 9" ein fast schon einzigartiger Ruf voraus.Eine geschickt lancierte PR-Kampagne, die an die Publicity-Feldzüge für "Blair Witch Project" und "Cloverfield" erinnert, hat ihre Wirkung nicht verfehlt.

Vor Jahren ist ein Raumschiff über Johannesburg gestrandet.Seine Insassen, insektoide Aliens, leben seither im District 9, mitten in der Stadt. Die Kontrolle über das Gebiet hat eine Firma namens Multi-National United (MNU), das vor allem an der Waffentechnologie der Außerirdischen interessiert ist und auch vor Experimenten an ihnen nicht zurückschreckt. Nun sollen die mehr als zwei Millionen Aliens in ein außerhalb der Stadt gelegenes Lager umgesiedelt werden.

Mittlerweile eilt Neill Blomkamps düsterem Science-Fiction-Szenario "District 9" ein fast schon einzigartiger Ruf voraus. Eine geschickt lancierte PR-Kampagne, die an die Publicity-Feldzüge für "Blair Witch Project" und "Cloverfield" erinnert, hat ihre Wirkung nicht verfehlt.

Vor Jahren ist ein Raumschiff über Johannesburg gestrandet. Seine Insassen, insektoide Aliens, leben seither im District 9, mitten in der Stadt. Die Kontrolle über das Gebiet hat eine Firma namens Multi-National United (MNU), das vor allem an der Waffentechnologie der Außerirdischen interessiert ist und auch vor Experimenten an ihnen nicht zurückschreckt.

Nun sollen die mehr als zwei Millionen Aliens in ein außerhalb der Stadt gelegenes Lager umgesiedelt werden. Dafür braucht man aber deren Zustimmung, und die soll eine Abordnung unter der Leitung von Wikus Van De Merwe einholen.

"District 9" beginnt wie eine Fernsehdokumentation. Interviewschnipsel und unruhige Handkamera-Bilder suggerieren in hinlänglich bekannter Manier Authentizität und Unmittelbarkeit. Allerdings hält Blomkamp den pseudodokumentarischen Schein nur so lange aufrecht, wie er ihm entgegenkommt. Später wechselt er dann - immer auf den größten Effekt bedacht - ständig zwischen Van De Merwes Perspektive und einer allwissenden Erzählerposition.

Natürlich beschwört das Ghetto District 9 Erinnerungen an die Apartheidpolitik herauf. Nur reproduzieren die Verhältnisse unter den Aliens, die offensichtlich zu keiner Art gesellschaftlicher Organisation oder Ordnung fähig sind und sich meist nur um die nächste Dose Katzenfutter, ihr Leibgericht, prügeln, die schlimmsten rassistischen Vorurteile. Zwischen Analyse und Affirmation liegt im Genrekino ein schmaler Grat, und von dem rutscht Blomkamp mehr als nur einmal ab.

Was dem Erfolg in den USA keinen Abbruch tat: Einen Tag nach Veröffentlichung war der Sci-Fi-Kracher in aller Munde. Kritiker, die den Film gar nicht besprechen wollten, lieferten flugs ihre Besprechungen nach. Brutal sei der Film, dabei aber intelligent, und er gebe Denkanstöße. Im Kulturforum der "Times" notiert "District 9" mit vier von fünf Sternen, in der Internet Movie Data Base IMDB mit neun von zehn Punkten aktuell auf Platz 78 der besten Filme überhaupt.

Sony Pictures, die den Vertrieb übernommen haben, haben zwar offenbar mit einem Markterfolg gerechnet (in den USA ging "District 9" mit über 3000 Kopien in den Vertrieb), nicht aber mit einem Blockbuster, der einen internationalen Parallelstart gerechtfertigt hätte.

Den Erfolg bekräfigt die Netzgemeinde. 40.000 User hatten den ersten Trailer nach fünf Tagen auf YouTube gesehen, den zweiten nach nur einem Tag schon eine halbe Million.