Late-Night-Comeback

Harald Schmidt amüsiert sich am besten allein

Harald Schmidt ist zurück bei Sat.1. Seine neue Show feierte am Dienstagabend Premiere.Die Werbeblöcke kündigte der Entertainer besonders lustvoll an.

Am lustigsten findet der Heimkehrer selbst sein neues Engagement bei Sat.1: Harald Schmidt, der den Sender einst sauertöpfisch verlassen hatte, amüsierte sich zum Auftakt seiner Show unentwegt über die „Zuschauerfamilie“, die ihm seit 16 Jahren „ununterbrochen“ die Treue halte. Der große Wankelmütige des deutschen Fernsehens hat schon in der Vorschau auf die Sendung genüsslich sein „Endlich daheim!“ geseufzt, als wäre er aus dem Herz der Finsternis zurückgekehrt.

Lange Ferien auf dem „Traumschiff“ und auf Föhr haben Schmidt immer gut getan. Zwar dröhnte er in Interviews recht plump gegen Oliver Pocher („Der trinkt 41 Maracujasäfte am Abend“), Markus Lanz („Viele Zuschauer denken schon, er sei Kerner“) und andere weiche Ziele, doch im Ernstfall werden aus seinen Sottisen treffliche Parodien: Die Show eröffnet Schmidt mit einer hölzernen Ansage im Stil von Günther Jauch inklusive Seitenhieb auf Anne Will. Das Fernsehen verhöhnte Schmidt stets mit den Mitteln des Fernsehens, und er ist am komischsten, wenn er die Rituale und Peinlichkeiten des Mediums ausstellt.

Deshalb ist Olli Dittrich, der vor Schmidts Schreibtisch stehen bleibt wie ein Schüler, der etwas ausgefressen hat, der richtige Gast für die erste Sendung. Mit ihm kann Schmidt noch einmal an Rudi Carrell und dessen Hühnersuppenautomaten erinnern: „Willst du Brühe?“ fragte der Dinosaurier der Fernsehunterhaltung immer, wenn er jemanden auf seinem Gutshof herumführte. Schmidt und Dittrich lachen selig. Dann erzählen sie sich gegenseitig Witze auf der Flughöhe von Fips Asmussen, eine Disziplin, in der beide Meister sind, und imitieren Carrell. Die Erfahrung von so vielen Abenden in Kulturzentren und Gasthäusern hat sie bis ins Fernsehen begleitet, der Grusel wirkt nach. In der einfachsten Form der Unterhaltung (die natürlich am schwierigsten ist!) versichern sie sich ihrer Instrumente.

Der Humorkritiker Franz Josef Wagner hat Schmidt gerade bescheinigt, er sei ein „begabter Unbegabter“ und solle nicht größenwahnsinnig werden. Aber der Spötter Schmidt hat seit 15 Jahren keine Epigonen, keine Jünger, keinen Nachfolger hervorgebracht, was darauf hindeutet, das er eine sehr spezifische Begabung haben muss. Oliver Pocher war der falsche Sidekick, weil dessen Humor, die derbe Pointe, nicht mit Schmidts anspielungsreichen Späßen harmonierten. Dessen Manierismen funktionieren am besten, wenn er mit sich allein ist oder mit Profis des Metiers. Er langweilt sich mit Anfängern, netten Menschen, Sachdiskussionen. Und man merkt es. Hape Kerkeling, Schmidts Gast an diesem Abend, lockt mit der Ankündigung einer Überraschung. Nach süffisantem Geplänkel verkündet er freilich nicht, dass er im nächsten Jahr „Wetten, dass ..?“ übernehmen wird. Sondern dass er in der NDR-Talkshow „Hirschhausen & Tiedjen“ auftreten wird und ansonsten an vielen Samstagabenden Zeit hat.

Die Werbeblöcke kündigt Schmidt besonders lustvoll an. Dann greift er zum Mikro und singt unmotiviert, begleitet von Helmut Zerletts Band, „Polk Salad Annie“ aus dem Repertoire des späten Elvis Presley. Die musikalischen Gäste, diesmal die Guano Apes, sind genauso belanglos wie bei Schmidts früheren Sat.1-Shows. Zum Schluss zelebriert der Komödiant boshaft die Überleitung zur nächsten Sendung: „Freuen Sie sich jetzt auf die Dokumentation ,Stellungswechsel im Pornoland'!“ Das ist die Heimat, die Harald Schmidt meint.

Wieder voll in seinem Element Der Entertainer in seiner „Harald Schmidt Show“ Sat.1