RTL-Show

Günther Jauch im Duell mit dem Heiligen Geist

Nach fast einjähriger Pause meldete sich "5 gegen Jauch" mit neuem Konzept zurück. Oliver Pocher kalauerte und Jauch trat gegen Mitspieler mit göttlichem Beistand an.

Begann mit einer Auflage von nur 500 Exemplaren die Erfolgsgeschichte der ”Bild“-Zeitung, der Harry-Potter-Romane, der Asterix-Alben oder der ”Buddenbrooks“? Es war die erste Geschichte von Joanne K. Rowlings Zauberlehrling Harry Potter. Günther Jauch tippte in der fünften Ausgabe von ”5 gegen Jauch“ richtig und erspielte auf diese Weise 226.000 Euro.

Nach einer furiosen Premiere 2009 hatten sich bei dem Quiz-Format recht schnell Abnutzungserscheinungen eingestellt, der Quoteneinbruch folgte geschwind. Fast ein Jahr ließ RTL die Show daraufhin pausieren und unterzog sie in dieser Zeit einer Frischzellenkur.

Der Relaunch dieser Mischung aus ”Schlag den Raab“ und ”Wer wird Millionär?“ weist Günther Jauch titelgerecht zwar noch immer die Rolle des Einzelkämpfers zu. Aber die Fünf, die gegen ihn antreten, stellen ihm nun keine Fragen mehr, sondern müssen dieselben beantworten wie er, zwölf an der Zahl. Zudem besteht das Quintett jetzt aus Menschen, die alle etwas miteinander verbindet. Aus dieser Gruppe kann keiner vorzeitig ausscheiden.

Die Frage ist nun also, ob sich der Einzelne durchsetzt oder die Schwarmintelligenz. Der Neustart mit diesem nahezu komplett neuen Konzept, bei dem sich der Gewinn von Frage zu Frage steigert und bis zu 300.000 Euro abgeräumt werden können, verlief vielversprechend.

Jauchs Kontrahenten waren zum Auftakt die Ordensschwestern Jordana, Judith, Katharina und Victima sowie Pfarrer Eddi Erlemann, die zusammen im Kinderdorf Bethanien bei Mönchengladbach mehr als 100 Kinder betreuen. Schwester Jordana ist mittlerweile eine kleine TV-Berühmtheit, die als Kandidatin schon bei Pilawa und beim NRW-Duell auftrat und auch einige Jahre das ”Wort zum Sonntag“ sprach.

”Lustig und weltoffen“, so wie Jauch die Ordensleute im Vorfeld der Sendung eingeschätzt hatte, gaben sie sich dann auch. Etwa als sie die Frage nicht beantworten konnten, ob der Titelsong zur 60er-Jahre-Serie ”Flipper“ von Georg Rochen, Karl Robbe, Friedrich Wal oder Hans Delfin stammt. Da drückten sie den Antwort-Button mit geschlossenen Augen, um ”mal dem Heiligen Geist eine Chance“ zu geben.

”Vielleicht ist’s auch Justin Bieber“, warf Moderator Oliver Pocher ein, ehe er parodistisch vortrug, wie wohl Lena Meyer-Landrut, die Rockband Rammstein oder Unheilig den ”Flipper“-Titelsong intonieren würden. Überhaupt Pocher: An dem Tag, als Sat.1 offiziell verkündete, dass mit seiner eigenen Show im März Schluss ist, zeigte er im aufgezeichneten Quiz bei der Konkurrenz mal wieder sein wahres Talent. Der Fußballfan ist wahrlich kein Spielgestalter, aber wenn man ihm die richtigen Vorlagen gibt, weiß er sie zu verwerten.

Besonders das bereits erprobte Zusammenspiel mit Günther Jauch klappte hervorragend. Bei einer Märchen-Frage schlüpfte Pocher in die Rolle des Rotkäppchens, was Jauch mit der Frage bedachte, ”aber Oliver, warum hast du denn so eine große Schnauze?“ Antwort: ”Damit ich bei RTL moderieren kann.“

Selbstironie bewies der diesmal gar nicht brachial agierende Humorarbeiter, als er im Duden blätterte, um zu erkunden, ob dort Rhababer, Rharbarber, Rabharber oder Rhabarber steht – und dabei viele schöne Wörter fand, zum Beispiel ”adipös“. Hatte Harald Schmidt doch seinen Ex-Sidekick vor einer Woche ein ”adipöses Ex-Talent“ gescholten.

Günther Jauch indes musste einiges aushalten. Während seine Herausforderer jeweils vor ihm die Fragen beantworten durften, wurde der einmal mehr klug Kombinierende mit Musik aus dem Kopfhörer vom Geschehen ausgeschlossen. In Guantánamo seien Menschen damit gefoltert worden, unkte Jauch, arg malträtiert mit Schlagermusik. Etwa von den Flippers. ”Wenn’s gut läuft bei der ARD, können Sie die auch bald anmoderieren“, wusste Pocher.

Doch trotz der Schlager-Tortur behielt der Einzelkämpfer die Nerven. Mit der letzten Frage, der ”Alles-oder-nichts-Frage“, bei der man einen Teil des bis dato erspielten Gewinns oder auch die gesamte Summe einsetzen kann, verdoppelte Jauch seinen Kontostand, derweil seine Kontrahenten patzten. Jauch, der in dem Quiz ohnehin für wohltätige Zwecke spielt, teilte den Betrag ”in christlicher Nächstenliebe“ mit den Ordensleuten – und ließ so den Heiligen Geist von seinem klaren Geist profitieren.