Gesichter der Renaissance

Das große Warten vor dem Bode-Museum

Die Ausstellung "Gesichter der Renaissance" ist ein riesiger Erfolg. Bereits 20.000 Besucher kamen zu der Portrait-Schau ins Bode-Museum und nahmen bis zu drei Stunden Schlangestehen in Kauf.

Eine Frau und ihr Begleiter blättern in aller Ruhe in einem Kunstmagazin. Sie haben Zeit, zwei Stunden bestimmt. Die beiden stehen in der Warteschlange. Nur schleppend geht es an diesem Vormittag voran, zu den Ticket-Häuschen, die vor dem Halbrund des neobarocken Bode-Museums stehen. „Ich bin über dieses Wochenende aus Zürich angereist“, sagt der Mann. Schon vergangene Woche hatte der 36 Jahre alte Unternehmensberater versucht, im Internet ein Ticket für die Schau „Gesichter der Renaissance“ zu erbeuten. Keine Chance. Die Spezial-Tickets, die das Museum auf seiner Webseite verkauft, sind seit langem ausverkauft. „Die einzige Möglichkeit hineinzukommen, sind die Tagestickets an der Kasse“, sagt er. Seine Begleiterin blättert in dem Kunstmagazin, das an die Wartenden verteilt wird. Eigentlich aber will die 26-Jährige keine Hochglanz-Fotos sehen, sondern die Ausstellung.

Den Wunsch, die mehr als 150 Meisterwerke zu sehen, teilten seit der Eröffnung am vergangenen Donnerstag viele Berliner und Angereiste. Bis Freitag waren es rund 20.000 Gäste, wie das Museum bilanzierte. Das sind mehr als 2100 Besucher am Tag, von morgens früh um 9 Uhr bis abends um 18 Uhr. Wegen des Andrangs haben die Verantwortlichen jetzt gehandelt: Bisher öffnete die Schau lediglich am Donnerstag bis 22 Uhr. Ab dem heutigen Sonnabend können sich Besucher die italienischen Porträtkunstwerke zusätzlich am Freitag, Sonnabend und Sonntag bis 22 Uhr anschauen.

Zeitgleich nur 300 Besucher

Warum die Gäste in den vergangenen Tagen mitunter bis zu drei Stunden ausharren mussten, weiß Theresa Lucius. Sie ist Mitarbeiterin von „Museum & Service“. Die Betriebsgesellschaft der Staatlichen Museen zu Berlin organisiert unter anderem das Ticket-System.

Ein Problem: „Es dürfen sich immer nur 300 Personen gleichzeitig in den Räumen aufhalten“, erklärt Lucius. Um genau zu wissen, wie viele Besucher sich gerade im Gebäude befinden, zählen Scanner am Eingang und Ausgang jeden Gast. Durch das Besucher-Kontingent wollen die Veranstalter die Sicherheit der Besucher wie auch die der Kunstwerke garantieren. Denn zu hohe Luftfeuchtigkeit würde den Meisterwerken schaden, außerdem wolle man Gedrängel unter den Gästen vermeiden.

„Andere Kunsthallen wie das Neue Museum und die Neue Nationalgalerie haben da einen größeren Spielraum“, sagt Theresa Lucius. Die Idee, nur Zeitfensterkarten anzubieten, wie in anderen Kunstausstellungen üblich, hält Theresa Lucius für Unfug. „Würden wir das machen, wäre die Schau wahrscheinlich schon für die nächsten drei Monate ausgebucht“, sagt sie. Außerdem, gibt sie zu Bedenken, würde ein solcher Kartenverkauf den Schwarzmarkt anheizen. Ganz legal verkauft hat das Museum allein bereits rund 19?500 der sogenannten Earlybird-Tickets, wie Theresa Lucius vorrechnet. Ob sie erwarte, dass der Besucherandrang künftig noch größer wird? „Soweit wir das abschätzen können ist die Ausstellung momentan konstant sehr gut besucht.“ Vielleicht, sagt sie, gebe es zum Ende hin, bevor das berühmte Gemälde „Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci wieder auf Reisen geht, noch einmal einen Besucheransturm. Momentan laufen interne Gespräche, mit welchen Mitteln man allen Interessierten Einlass in die die Ausstellung gewähren könnten.

Das kann sehr lange dauern

Die Neuberlinerin und ihr Begleiter aus der Schweiz stehen endlich an der Kasse. Die Doktorandin öffnet ihre schwarze Ledertasche, um zwei Tagestickets zu kaufen. „Wann können wir denn dann hinein?“, fragt die 26-Jährige. Ungefähr in drei Stunden, knarzt es aus der Gegensprechanlage im Ticket-Haus. Auf der Karte, die Frau entgegengeschoben bekommt, steht eine Zahl: 1075. Die Kartennummer.

„Momentan sind gerade die Tickets mit den Nummern 508 bis 521 an der Reihe“, sagt ihr Begleiter. Der Takt, der den Besuch bestimmt, lautet derzeit: Alle zehn Minuten dürfen zwölf bis 13 Besucher hinein. Er fängt an zu rechnen. Das kann dauern. Vielleicht sogar sehr lange.

Für den Fall, dass die ab Sonnabend geltenden Öffnungszeiten, den Besucherstrom nicht flüssiger durchlassen, planen die Staatlichen Museen zu Berlin weitere Maßnahmen. Zum Beispiel, die Öffnungszeiten auch an weiteren Wochentagen zu verlängern. Die Veranstalter bemühen sich in jedem Fall, beteuert Lucius, so vielen Besuchern wie es geht den Besuch tatsächlich auch zu ermöglichen – bis die Ausstellung dann ins Metropolitan Museum of Art nach New York zieht.