Klums Modelsuche

Germany's Next Zahnspange

Heidi Klum hat wieder aussortiert. Auf dem Flughafen in München wurde beim Catwalk kräftig ausgesiebt, schließlich darf nicht jede Model-Anwärterin mit Klum auf Weltreise gehen. Die 16-jährige Aline Kautz ist noch mit dabei. Die junge Frau mit der markanten Zahnspange steht für ein neues Schönheitsideal.

Heidi Klums „Germany's Next Topmodel“ ist ein Garant für gute Quoten, obwohl bereits die fünfte Staffel der Sendung läuft und sich am Schema nichts geändert hat: Schöne Mädchen, die sich vor laufender Kamera entblößen – und das oft nicht nur körperlich.

Trotzdem schreckt das Casting-Bootcamp kaum jemanden ab. Jugendliche sehen in Heidi Klums Topmodel-Kandidatinnen sogar Vorbilder. Das zeigt eine Studie des „Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen“ (IZI). 76 Prozent der Jugendlichen zwischen neun und 19 Jahren verfolgen die Sendung, um zu sehen, wie aus ganz normalen Mädchen Stars werden.

Aline Kautz (16) ist so ein ganz normales Mädchen. Die gebürtige Kölnerin geht aufs Gymnasium, ihre Hobbys sind Reiten und Rudern. Jetzt gehört sie zu den Top 18 der GNTM-Kandidatinnen – und ist Heidis erstes Zahnspangenmodel. „Ich werde in der Schule wegen meiner Zahnspange gehänselt. ‚Zähne hinter Gitter' haben mir einige hinterher gerufen“, sagt sie Morgenpost Online.

Aline sieht ihre Zahnspange als Problemzone. „Ich wollte sie für die Sendung entfernen lassen, aber die Jury hat kein Problem damit.“

Ob Aline mit ihrer Zahnspange reale Chancen hat? Medienexperte Joe Groebel sagt: „Wir hätten auch nie gedacht, dass Barbara Meier gewinnt. Sie wirkt auf den ersten Blick auch eher unscheinbar. Die Zahnspange ist ein positives Signal – es ist völlig in Ordnung, nicht perfekt zu sein.“

Weitere Ergebnisse der IZI-Studie besagen, dass die Castingshow vor allem Kindern eine Berufsperspektive eröffnen. 63 Prozent sagen von sich, dass sie sich, seit sie GNTM sehen, vorstellen können, Model zu werden.

Dr. Maya Götz, Leiterin des IZI und Autorin der Studie, sagte Morgenpost Online: „Die Sendung hat neue Perspektiven geschaffen. Früher wollten Mädchen Tierärztin oder Grundschullehrerin werden. Model ist dagegen natürlich kein zukunftsorientierter Beruf.“

Götz wird im Herbst ein Buch zur Studie veröffentlichen. Darin weist sie nach, dass Mädchen, die häufig den Modelwettbewerb gucken, ihr Schönheitsideal verändern. „Sie finden den normalen Mädchenkörper und somit ihren eigenen nicht mehr schön. Das ist sehr bedenklich. Wir haben in den letzten 40 Jahren versucht, Frauen beizubringen, dass es auf Intelligenz ankommt. Dieses Bild entwickelt sich gerade wieder zurück.“