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Robbie Williams und sein Lieblingswort "Satellit"

Dieser Mann verabscheut langweilige Songtexte. Was Robbie Williams mag, sind Kraftausdrücke. Im Interview spricht er über das, was gute Musik ausmacht.

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München schreit. Robbie Williams ist ein Tag vor dem Take-That-Konzert angereist, um die Premiere von "Cars 2" zu feiern. Nach dem roten Teppich gibt er Interviews. Der Warteraum ist gefüllt mit Journalistinnen. Sie haben sich hübsch gemacht und Souvenirs dabei. Es ist wie beim Vortanzen für die Ballettschule: Die einen kommen zurück und sagen, wie toll es war. Die anderen verdrehen die Augen.

Morgenpost Online: Herr Williams , Ihr neuer Song läuft im Abspann von "Cars 2". Wer hat "Collision Of Worlds" geschrieben?

Robbie Williams: Das war eine Zusammenarbeit zwischen Brad Paisly und mir und ich muss sagen, dass er es mir sehr einfach gemacht hat. Es war ein Vergnügen.

Morgenpost Online: Wovon handelt das Stück?

Williams: Von den Unterschieden und den Ähnlichkeiten von England und den USA.

Morgenpost Online: Oh. Und ich dachte, es ginge um Männer und Frauen.

Williams: Nein, nicht wirklich.

Morgenpost Online: Worauf achten Sie, wenn Sie Texte schreiben?

Williams: Wissen Sie, es ist ja schon alles gesagt, also versuche ich die Dinge anders auszudrücken. Ich versuche, nicht immer dieselben langweiligen Wörter zu benutzen, die gesungen werden, seitdem man Popsongs schreibt.

Morgenpost Online: Haben Sie Lieblingswörter?

Williams: "Satellite" - das benutze ich ständig aus irgendwelchen Gründen.

Morgenpost Online: Besteht eine besondere Beziehung zu Satelliten?

Williams: Ich weiß es nicht. (Fängt an zu singen: Erst "Satellite" in hoher Tonlage, dann ein "Dadapdadap" und ein tiefes "Satellite" hinterher) Immer wenn ich eine Melodie zu einem neuen Stück singe, kommt das Wort "Satellite".

Morgenpost Online: Gibt es Wörter, die Sie überhaupt nicht singen mögen?

Williams: Nein, nicht wirklich. Ich benutze sogar Kraftausdrücke. Ich mag Kraftausdrücke. Allerdings wird es immer schwieriger, neue Einfälle zu haben.

Morgenpost Online: Was ist wichtiger bei einem Songtext, die Bedeutung oder der Klang?

Williams: Ich denke, das ist symbiotisch. Ich glaube, es gibt nicht mal einen Unterschied zwischen Bedeutung und Klang. Wörter tragen eine Menge Kraft und Energie in sich, allerdings müssen sie auch einfach gut klingen.

Morgenpost Online: Gibt es besonders kreative Zeiten ?

Williams: Jede Nacht, bevor ich zu Bett gehe. Der Moment, wenn man den Computer runterfährt und das Licht ausknipst. Dann gibt es diesen leeren Moment. Du schließt deine Augen und deine Gedanken fliegen. Manchmal in sehr dunklen Gegenden. Und um das zu verhindern, schreibe ich Texte.

Morgenpost Online: Passiert es Ihnen, dass Sie manchmal in Reimen denken?

Williams: Nur, wenn ich gerade an Texten schreibe. Das wird übrigens schwerer. Früher brauchte ich eine halbe Stunde, heute manchmal vier oder fünf Tage.

Morgenpost Online: Weil Sie unbedingt etwas wirklich Neues schreiben wollen?

Williams: Nein, ich möchte etwas wirklich Gutes schreiben. Aber vielleicht denke ich einfach zu viel darüber nach.

Morgenpost Online: Welche Textzeile ist Ihnen Ihres Erachtens denn am besten gelungen?

Williams: Ich weiß es nicht, ich kann mich nicht mehr an alle erinnern. Er sind so viele. Aber ich finde die Zeile aus "No Regrets" ziemlich cool: "I didn't lose my mind / it was mine to give away" - Ich habe den Verstand nicht verloren / ihn fortzugeben, war meine Entscheidung.

Morgenpost Online: Welchen Dichter bewundern Sie?

Williams: John Cooper Clarke.

Morgenpost Online: Der englische Punk-Poet?

Williams: Ja, ansonsten kenne ich nicht wirklich andere Lyriker.