Comicverfilmung

"Iron Man 2" - Robert Downey jr. setzt Rost an

Die Fortsetzung des Überraschungshits "Iron Man" kommt in die deutschen Kinos und dürfte der erste Blockbuster des Sommers werden.

Eine der neuen Erkenntnisse, die „Iron Man 2“ liefert, knüpft an die Erfahrungen der Astronautin Erika Klose an. Sie düst im Lied aus der „Sendung mit der Maus“ in ihrem Raumanzug zum Mond. „Sie schwebt durch's Sternenmeer / und kann schon bald nicht mehr.

Hallo Erde! Hallo Erde! / Wo? Wo? Wo geht ein Astronaut auf's Klo?“ Iron Man nun steht auf seiner Geburtstagsparty in voller Montur, er ist betrunken und demonstriert, wie das mit dem menschlichen Bedürfnis funktioniert. Tony Stark, der Mann im Eisenanzug, sackt in sich zusammen, schließt kurz die Augen, dann lächelt er selig und ruft „So!“

Es befreit Superhelden ungemein, wenn sie keine Geheimexistzenz führen müssen. Nicht nur beruflich. Auch privat. Der erste „Iron Man“ endete mit der Offenlegung von Tony Starks Identität. „Ich bin Iron Man“, rief Robert Downey Jr., ganz von sich überzeugt. Der Film bestach durch die gute Laune des Helden und die feinen Schauspieler, die in keiner Sekunde für dumm verkauft wurden.

Es war der Überraschungshit 2008 und einer der Gründe, warum Disney den Marvel-Konzern gekauft hat, denn Marvel zeigte mit dem selbst produzierten „Iron Man“, dass auch Comic-Figuren aus der zweiten Reihe das große Publikum erreichen können. Davon hat das Studio Dutzende parat und will sie nach und nach neu starten.

Es gibt jetzt in der Fortsetzung eine Anspielung auf Captain America, die in Deutschland kaum verstanden werden dürfte, die Fan-Boys weltweit aber glücklich macht. Und Iron Man soll vom Geheimagenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) zur Gruppe der Avengers stoßen, die in den Comics hierzulande früher „Die Rächer“ hießen. Neben Captain America sind dort auch der nordische Donnergott Thor und manchmal Spider-Woman auf Schicht.

Kompliziert? Aber ja! So seriös in „Iron Man 2“ die Wirtschaftsförderungsknoten geknüpft werden, so wenig tauglich ist die Handlung. Mehrere Pseudo-Konflikte werden aufgebaut. Zunächst streikt aus unerfindlichen Gründen die Apparatur in Tony Starks Körper, die ihn am Leben erhält, der Erfinder und superreiche Industrielle stirbt also langsam erneut dahin, bis zur Lösung flugs ein neues Heilselement im heimischen Keller gebrannt wird.

Ein russsischer Physiker (Mickey Rourke) will seinen toten Vater rächen und schweißt sich die gleiche Kraftquelle wie Iron Man als billige Raubkopie zusammen, um fortan mit blitzenden Gartenschläuchen alles zu Klump zu hauen. Als Drittes und Entbehrlichstes tritt ein exzentrischer Waffenhersteller (Sam Rockwell) auf den Plan, der Kampfroboter konstruiert. Obendrein entführt Iron Mans Freund (Don Cheadle) die Superhelden-Zweitrüstung fürs US-Militär, wo doch Tony Stark behauptet, er haben den Weltfrieden „erfolgreich privatisiert“.

Und das alles, damit die Eisenmänner sich mit wirklich feinen „Klonk“- und „Boing“-Geräuschen auf die Nase hauen können. Der Zuschauer steht mehrfach mit den Helden ratlos in der Szenerie herum und wartet auf Action. Zu umständlich werden die Eisenteile verschweißt, viel Stoff muss bewältigt werden, „Iron Man“ wirkt trotz allen Bemühens irgendwie eingerostet.

Viele Haltestellen, wenig Fahrt. Wenn Tony Stark endlich fliegt und schießt, ist die Rasanz beeindruckend; „Iron Man 2“ zeigt, wie ein Blockbuster ohne 3-D-Effekte erfolgreich sein kann. Doch hinter dem Getöse zerfällt der Film.

An den Stars liegt es nicht, sie geben alles. Der wie immer smarte Robert Downey Jr. hat herrliche Auftritte, und seine Screwball-artigen Scharmützel mit Gwyneth Paltrow als Assistentin und dann Konzernchefin sind fein inszeniert. Im Hintergrund taucht Scarlett Johansson auf, die sich in einer entscheidenden und schönen Actionszene als „Schwarze Witwe“ entpuppt und reihenweise Sicherheitsleute zu Boden wirft. (Das garantiert weitere Fortsetzungen.)

Aber all die guten Schauspieler spielen im Grunde wie Marionetten gegen die Technik an, und damit hat „Iron Man 2“ das Problem so vieler Comic-Fortsetzungen, Stahl und Masken sind wichtiger als Gesichter und Haut. Wie bei Tony Stark ist das Herz zu schwach. Regisseur Jon Favreau hielt in „Iron Man“ die Waage zwischen martialischem Kampf und dem ehernen Schicksal samt inneren Konflikten seines Helden. Hier wird mit betriebsüblichem Eifer übertrieben. Der Held ist kleiner geworden, wo er wachsen sollte.

Das geht dann wie bei Erika Klose „ganz einfach in die Hose“.