Franco Stella

Stadtschloss-Skandal lässt Verantwortliche kalt

Architekt Franco Stella hätte nie am Wettbewerb um das Berliner Stadtschloss teilnehmen dürfen, wie jetzt aufgetauchte Unterlagen belegen. Doch weder Bundesbauministerium noch Bundesarchitektenkammer lassen sich davon irritieren.

Ein Bundesbauministerium lässt sich doch nicht durch einen neuen Sachstand irritieren. Der Architekt Franco Stella behält seinen Auftrag für das Berliner Stadtschloss; ein Gerichtsurteil habe bestätigt, dass Stella zu Recht am Wettbewerb hat teilnehmen können, sagte ein Sprecher. Und überhaupt: Es laufe doch alles prima.

Mit dieser Nicht-Reaktion war zu rechnen, obwohl ein unangenehmer Beigeschmack bleiben wird. Dokumente italienischer Behörden zeigen, dass Franco Stella gar nicht an dem Wettbewerb um das Berliner Stadtschloss hätte teilnehmen dürfen. Mindestens drei festangestellte Architekten hatte das Ministerium als eine der Bedingungen vorgegeben, nach Recherchen des Kunstmagazins "Art" habe aber nur ein Angestellter in dem Zeitraum der Ausschreibung dort gearbeitet. Ob sich Franco Stella an die Regeln gehalten hat, wurde bereits gerichtlich geprüft. Der im Wettbewerb unterlegene Architekt Hans Kollhoff hatte wegen Zweifeln an der Eignung Stellas geklagt und vom Bundeskartellamt Recht bekommen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf stufte die Vergabe aber im Dezember 2009 als rechtmäßig ein. Stella hatte damals zunächst nur eine "Eigen-Erklärung" vorgelegt, später eine Bestätigung der Architektenkammer nachgereicht.

Ein abgeschlossener Fall

Es ist bedauerlich, aber nun einmal so entschieden, so die Reaktion der Bundesarchitektenkammer. "Der Fall ist abgeschlossen", sagt Tillman Prinz, Geschäftsführer der Bundesarchitektenkammer Morgenpost online. Auch neue Unterlagen würden daran nichts ändern.

Wobei die Geschichte so, wie sie Prinz erzählt, schon recht abstrus ist. Denn im Vorfeld des Wettbewerbs habe seine Interessenvertretung im Gespräch mit dem Bauministerium, damals noch unter der Ägide von Wolfgang Tiefensee (SPD), darauf gedrungen, die vorgesehenen hohen quantitativen Vorgaben bei Mitarbeiterzahl und Mindestumsatz zurückzufahren. Das Argument der Architektenkammer: Man kann auch einen kreativen Entwurf anbieten, ohne dass ein großes Büro dahinter steht. Später reduzierte das Bauministerium die Vorgaben, schloss aber mit dem Kriterium der Mindestmitarbeiterzahl laut Architektenkammer rund 80 Prozent der Architekten aus, die ja häufig selbstständig arbeiten. Nun hat ausgerechnet der den gewaltigen Auftrag erhalten, dem vorgeworfen wird, dass er sich nicht an die Kriterien gehalten hat.

Und nun findet auf einmal auch das Bauministerium, dass doch andere Dinge viel wichtiger sind als irgendwelchen Mindestgrößen: "Der intensive und erfolgreich verlaufene Planungsprozess seit der Beauftragung hat überdies auch in der Praxis bestätigt, dass das von Franco Stella zusammengestellte Team mit ihm und seinem Büro an der Spitze für dieses anspruchsvolle Projekt ausreichend fachkundig und leistungsfähig ist", lässt es mitteilen. Das ist auch das einzige, was man aus diesem Fall lernen kann: Größe spielt keine Rolle. Den Zuschlag für den Bau des Flughafens Tegel Mitte der sechziger Jahre bekam Meinhard von Gerkan, der damals noch in einem sehr kleinen Team arbeitete.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.