Cyndi Lauper singt in Memphis alte Lieder, die aus Schlamm und Schweiß gewonnen wurden. Es gibt Nachrichten, die klingen so unglaublich, dass sie wahr sein müssen: Cyndi Lauper hat tatsächlich eine Platte ausschließlich mit Blues besungen. Sie quietscht Klassiker wie „Crossroads“, „Early In The Morning“, „Rollin’ And Tumblin’“ und „I’m Just Your Fool“.

Sie stand in den Electraphonic-Studios leibhaftig am Kondensatormikrofon. Um sie herum saßen der 85-jährige B.B. King, der 72-jährige Allen Toussaint und ein paar Musiker von Stax, die 1975 mit der Firma abgewickelt worden waren. Aber Cyndi Lauper ist ja auch schon 57, und was stört sie ihr Geschwätz von gestern: Stets hat sie sich abfällig geäußert über ihre frühen Jahre, als sie in New York mit einer Coverband auftrat. Als sie mit Fleetwood-Mac-Songs auffiel, allerdings wegen des wilden Fummels, den sie trug.

Die eigene Zeitrechnung begann für Cyndi Lauper erst mit „Girls Just Want To Have Fun“, „Time After Time“, „True Colors“, jenen großen Songs, die sie mit ihrer unmöglichen Stimme vortrug. Sie wurde zur Schwulenikone, und zuletzt veranstaltete sie selbst eine „True Colors Tour“, wo ihre Songs von Bands wie Gossip und Erasure gecovert wurden. Vielleicht kam daher der Blues. „Es ist das Album, dass ich schon immer aufnehmen wollte! All diese hübschen Songs and all die großen Künstler!“ Cyndi Lauper ist begeistert, und wir auch. (vier von fünf Punkten)

Cyndi Lauper: Memphis Blues (Naive)