Schloss Marquardt

Rohkunstbau - Die Macht der Posen und der Dosen

Die Sommerausstellung Rohkunstbau lädt das Berliner Kunstpublikum zur Landpartie ins Schloss Marquardt ein. "Macht" lautet in diesem Jahr das Thema der Schau.

Foto: Marc Brandenburg

Alle Jahre wieder. Die internationale Sommerausstellung Rohkunstbau ist eine Nomadin ohne festen Wohnsitz. Seit ihrer Premiere vor 18 Jahren in einer Rohbauhalle im Spreewalddorf Groß Leuthen hat sie schon mehrfach den Ort gewechselt, war rund um Berlin in verfallenden Schlössern, Herrenhäusern und Villen zu Gast. Im Schloss Marquardt außerhalb von Potsdam scheint sie vor zwei Jahren endlich angekommen zu sein.

"Macht“ lautet in diesem Jahr das Thema der Schau. Der in Berlin lebende britische Kurator Mark Gisbourne hat zehn Künstler aus Deutschland, Kolumbien, Großbritannien und Bulgarien eingeladen, mit ortsspezifischen Installationen auf die Vorgabe zu reagieren. Mit den Themen „Moral“, „Revolution“ und „Untergang“ soll die Reihe dann bis 2014 fortgesetzt werden. Ob er sich und den Künstlern einen Gefallen damit tut, mit dieser Ausstellung gleich einen thematischen Vierjahreszyklus einzuläuten, darf bezweifelt werden. Zumal das Ganze auch noch teutonisch-bedeutungsschwanger an Wagners Nibelungen-Ring angelehnt sein soll. Erstens hat man den Eindruck, Gisbourne hafte immer noch längst vergessen geglaubte britische Klischees über die Deutschen an. Zweitens begibt sich jeder Ausstellungsmacher mit einer derart festgelegten thematischen Einengung auf schwer manövrierbares Terrain. Zum Glück aber haben sich viele der Teilnehmer nicht akribisch ans Thema gehalten.

Der britische Videokünstler Simon Faithful erkundet als städtisch gekleideter Unterwasserflaneur spielerisch den Meeresboden. Frank Nitsche baut eine massive Säule aus Softdrink-Dosen in den Wintergarten und beklebt sie mit optimistischen Lifestyle-Aufklebern. Wer will, kann die formal überzeugende Arbeit natürlich als leuchtendes Fanal gegen die „Macht der Werbung“ betrachten, wie es der Katalog nahelegt. Gute Kunst entzieht sich aber in der Regel derartigen Instrumentalisierungsversuchen.

Andere allerdings arbeiten tatsächlich illustrativ. Die Bulgarin Mariana Vassileva etwa präsentiert gleich in der Eingangshalle einen Bugatti-Motor auf einem Sockel. Das wummernde PS-Monstrum wird von einer Dornenkrone aus Stacheldraht und einem Heiligenschein aus Neon bekränzt. Luxuskarosse, Goldenes Kalb, Macht. Die Gleichung geht allzu glatt auf. Wesentlich subtiler kommt da Marc Brandenburgs überlebensgroßes Michael-Jackson-Porträt in Negativoptik daher. In einem völlig abgedunkelten Raum unter fluoreszierendem Licht präsentiert, entwickelt die Zeichnung enorme Präsenz. Die Macht der selbstbewussten Pose endete bekanntermaßen in der Katastrophe.

Am konsequentesten verweigert sich die Berliner Konzeptkünstlerin Karin Sander dem Macht-Thema. Anstatt näher darauf einzugehen, hat sie sich den prächtigsten Raum des Schlosses, den Gartensaal, für eine ebenso einfache wie in sich schlüssige, raumspezifische Intervention ausgesucht. Abmessungen und Volumen des Raumes übersetzt sie in einen unter Architekten gebräuchlichen Quellcode.

Die vollkommen abstrakt wirkenden Zahlen- und Buchstabenfolgen überträgt sie in neutraler Folienschrift auf die weißen Wände. Und so behauptet Sander angesichts verquaster kuratorischer Meta-Konzepte und überholter Romantik-Beschwörungen damit von allen beteiligten Künstlern am stärksten die Macht der künstlerischen Selbstbestimmung.

Schloss Marquardt Hauptstr. 14, Potsdam-Marquardt. Fr 14-19 Uhr, Sa-So 12-19 Uhr. Bis 11.9.2011. Katalog: 18,95 Euro

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