Visionen

Schlingensiefs Operndorf in Afrika wird Realität

Christoph Schlingensief träumte von Festspielen in Burkina Faso. Bereits im Herbst soll seine Schule Kinder aufnehmen.

Christoph Schlingensiefs Traum von einem Operndorf in Burkina Faso nimmt Gestalt an: Bereits im Herbst sollen die ersten Kinder und Pädagogen in die dann fertiggestellte Grundschule und vier Lehrerwohnungen im Dorf einziehen, wie Rechtsanwalt Peter Raue aus dem für das Projekt veranwortlichen Gremium in Berlin sagte. Die Finanzierung der ersten Bauphase in Höhe von einer halben Million Euro sei ebenso gesichert wie der Betrieb der Schule für ein Jahr. Schlingensief war am 21. August an Lungenkrebs gestorben.

Der Grundstein für das Dorf in Laongo, das unweit der Hauptstadt Ouagadougou erbaut wird, war im Februar 2010 gelegt worden. Der Regisseur und Initiator des Projekts, Schlingensief, wollte ein Dorf errichten, das aus einer Schule mit Film- und Musikklassen, Werkstätten, Wohn- und Gästehäusern, Kantine, Büros, Cafe, Sportplatz, Agrarflächen, Krankenstation sowie Theaterbühne mit Festsaal und Proberäumen besteht.

Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz, die die Geschäftsführung der Festspielhaus GmbH übernommen hatte, bekräftigte, das Projekt müsse fortgesetzt werden. 80 Prozent der Bevölkerung des Landes, das eines der ärmsten weltweit ist, seien Analphabeten. Der Architekt des Dorfes, Francis Kéré, sagte, sowohl Regierung als auch Bevölkerung wollten das Projekt. Der Bau sei in drei Phasen aufgeteilt. In der zweiten Phase sollten Sportfeld, Gästehäuser und Restaurant erbaut werden, in der dritten dann das Festspielhaus.

Laberenz erklärte, dafür gebe es noch keinen Zeitplan. Zu den Kosten wollte sie keine Angaben machen. Auf jeden Fall werde die Grundschule einen Mehrwert haben und sich verstärkt Musik und Film widmen. Man arbeite zusammen mit der Regierung und sei dabei, Lehrer einzustellen. Ziel ist es nach Angaben des Gremiums, die nächsten Bauphasen finanziell zu sichern. Das Dorf wird unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes, dem Goethe-Institut, dem Auswärtigen Amt und durch Spenden. Die Schirmherrschaft für das Projekt will der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler übernehmen.

Schlingensief sei bei dem Projekt vor allem wichtig gewesen, Afrika auf Augenhöhe zu begegnen, sagte Laberenz. Das Motto: „Von Afrika lernen“ sei ihm besonders wichtig gewesen. Das Projekt müsse sich wie ein Organismus entwickeln. Ihr Mann habe Oper als etwas Größeres definiert. Wenn beispielsweise ein Besucher in das Dorf komme und höre, wie auf der Krankenstation ein Kind auf die Welt komme, „für den ist das vielleicht die schönste Opernmelodie“. Schlingensief habe sich gewünscht, dass das Dorf auch ohne ihn seine eigene Autonomie entwickle und bestehen könne.

Kéré sagte, in einem Klassenraum könnten bis zu 60 Schüler Platz finden. Um das Festspielhaus herum solle eine Struktur entstehen. „Wir müssen sehen, dass es in Christophs Sinn weiter geht.“

Gremiumsmitglied Antje Vollmer wies darauf hin, dass im Zuge der Globalisierung Sprache und Kultur verloren gingen. Mithilfe dieses Projekts könne kreatives Potenzial in dem Land bewahrt werden.