Waldbühnen-Konzert

Rainald Grebe inszeniert großes Freiluft-Spektakel

Komiker Rainald Grebe feierte in der Berliner Waldbühne seinen 40. Geburtstag, mit einer Art Volksfest. Als der ganze Irrsinn nach drei Stunden im großen Finale explodierte, hielt es auch Klaus Wowereit (SPD) nicht mehr auf seinem Sitz.

Foto: dpa

"Oben, ich bin oben. Ist das krass. Eben noch unten und das jetzt das", singt Rainald Grebe in seinem Lied "Oben". Wie vielleicht kein anderer Song des Kölner Musik-Kabarettisten unterstrich dieser die Stimmung seiner "Einmaligen Sonderschau" in der Berliner Waldbühne.

Zu seinem 40. Geburtstag hatte sich Grebe vorgenommen, die Openair-Anlage zu füllen. Und trotz des schlechten Wetters strömten rund 15.000 Menschen zu seinem Jubiläumskonzert "Halleluja Berlin".

Volksfeststimmung in der Waldbühne

Bereits am frühen Abend herrschte Volksfeststimmung. Ältere Damen und Herren sangen deutsche Volkslieder. Junge Boxer duellierten sich im vor der Bühne aufgebauten Ring.

Und kleine Turnerinnen zogen stolz ihre Runde durch das Publikum, begleitet von der "Bolschewistischen Kurkapelle". All das inszeniert vor Bildern der Olympischen Spiele von 1936 – ein erster Vorgeschmack darauf, dass Grebe an diesem Abend nichts auslassen würde.

Und dann kam er: Begleitet von der "Winnetou"-Titelmelodie näherte sich Grebe mit Indianer-Kopfbedeckung, im Napoleon-Frack und schwarzer Adidashose. So aufgeregt wie er, war auch der Schimmel, auf dem er ritt. "Habt Ihr Bock auf mich? Wollt Ihr eine Nacht mit mir verbringen?", fragte er seinen "Waldbühnenchor", der jubelte.

Und dann begann das knapp dreistündige Konzert mit dem "Orchester der Versöhnung": "Ich bin der Präsident", "Angeln", "Das 20. Jahrhundert" und "Prenzlauer Berg" wurden von den ausgelassenen Zuschauern beklatscht und besungen. Unter ihnen befand sich auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der von Grebe mit den Worten "Im Tipi, im Tipi, da macht der Wowi Pipi" begrüßt worden war.

Grebes Publikum ist das genau das, das er in seinen Liedern am Liebsten besingt: dreißigjährige Pärchen, die sich überlegen, "wenn die Liebe geht, die Hobbys bleiben", die ökologischen Avantgardisten des Prenzlauer Bergs, wo es Holzspielzeug vom Himmel regnet, und die Westdeutschen, denen es schon vor der Wende "gold" ging, "aber genau das war das Problem".

Unterbrochen wurde das Konzert von kleinen Auftritten anderer Kollegen. Der prominenteste Gast war René Marik mit seinen bekannten Puppenfiguren, dem Maulwurf mit Sprachstörung und dem berlinernden Eisbären Kalle.

Ein Holzfeuerwerk zum Schluss

Grebe vermischte geschickt Konzert und Komik, Gesellschaftskritik und Vermarktung. Lieder aus seinem neuesten, "grünen" Album "Zurück zur Natur", die im Sommer erscheinen soll, vermittelten die Eindrücke eines Städters auf dem Land, der vor der Anonymität der Stadt flüchtet, aber sich bald zurücksehnt.

Im zweiten Teil des Abends, "Nachtschicht", besang Grebe die ostdeutschen Bundesländer. Das Publikum sang die Lieder, mittlerweile geradezu Länder-Hymnen, frenetisch mit: Doreen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, das "Land der Frühaufsteher" ("wäh"), das "sonnige" Sachsen, Thüringen, "das Land ohne Prominente", und – last but not least – Brandenburg, "wo nicht alles Chanel, sondern meist nur Schlecker ist". Letzteres ist zugleich auch Hymne auf die Hauptstadt ("Halleluja Berlin! Alle wollen dahin. Deshalb will ich das auch!").

Am Schluss hielt es auch Klaus Wowereit nicht mehr auf seinem Metallsitz. Berlins Regierender Bürgermeister sang lauthals mit.

Alle Künstler (Sänger, Musiker, Dromedare, Pinguine und viele mehr) versammelten sich am Ende auf der Bühne, sangen mit und wurden dabei von einem "Holzfeuerwerk" begleitet, bei dem – aufgrund der Waldbrandgefahr – ausklappbare und hochschnellende Holzkonstruktionen Feuerwerkskörper ersetzten.