Neu im Kino

Norwegische Weihnacht ist nichts für Romantiker

"Home for Chistmas" ist ein anderer Heiligabend-, "22 Bullets" ein anderer Gangster-, "House of Boys" an anderer Liebesfilm.

Der Regisseur Bent Hamer kommt aus Norwegen. Mit Verschrobenheit und auch mit Schnee ist zu rechnen. Doch richtet sich auch ein Fadenkreuz auf ein Kindergesicht, kauert ein Obdachloser neben seinem Pappschild mit der Aufschrift „Home for Christmas“; es schwänzt ein Junge das familiäre Weihnachtsessen, um mit seiner muslimischen Freundin die Sterne zu betrachten, ein Mann verkündet seiner Geliebten, dass er seine Familie nun doch nicht verlässt, ein anderer schlägt den neuen Gatten seiner Exfrau nieder, um als Weihnachtsmann verkleidet seinen Kindern kurz nahe zu sein. Und ja, eine Flüchtlingsfrau gebiert ein Kind.

Ergo: Das schneeweiße Winterwunderland ist nicht, wonach es aussieht. Darin hausen die Einsamen, Vergessenen und Verfolgten, die Gestrandeten. Der Look ist zwar gewohnt rau und reduziert, doch das Übermaß an gescheiterten Figuren, die wenig sagen, lässt diesen Reduktionismus zum Dekor verflachen. Das zieht sich und wird am Ende so gefühlsduselig, dass „Home for Christmas“ in seiner paradoxen Anstrengung, ein Anti-Weihnachtsfilm für ein Arthouse-Publikum mit Schmonzetten-Toleranz zu sein, Hamers Handschrift nur noch als schwachen Abglanz zu erkennen gibt. Wo ist sie hin, die alte Hamer-Lakonie seiner „Kitchen Stories“?

"22 Bullets"

Seit drei Jahren führt der ehemalige Mafia-Pate Charly ein beschauliches und vor allem anständiges Leben. Erpressung, Raub und Totschlag – all das gehört der Vergangenheit an. Bis er von einem Überfallkommando mit 22 Kugeln niedergestreckt wird. Die Attentäter gehen davon aus, dass Charly tot ist. Doch er überlebt mit letzter Kraft. Fortan setzt er alles daran, die Täter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Frei nach dem Roman „L’immortel“ von Franz-Olivier Giesbert erzählt Regisseur Richard Berry die packende Geschichte eines Mannes, der von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt wird. Mit Jean Reno in der Hauptrolle.

"House of Boys"

Frank ist unsterblich in seinen Mitbewohner Jake verliebt. Tatsächlich schafft er es, das Herz des ursprünglich heterosexuellen Mannes für sich zu gewinnen. Frank befindet sich in einer euphorischen Hochstimmung voller Lust und Leidenschaft. Als vollkommen unvermutet eine tödliche Bedrohung auftaucht, wird seine Liebe jedoch auf eine harte Probe gestellt. Das luxemburgische Drama „House of Boys“ spielt im Jahr 1984 und erzählt von jenen Tagen, als die Immunschwächekrankheit Aids in die unbekümmerte Schwulenszene Einzug hielt.

"Mikrofan"

Sam ist Rapper aus Leidenschaft. So wie alle seine Freunde, mit denen er sich regelmäßig an einem Bolzplatz im Herzen von Hamburg trifft. Sorglos leben sie in den Tag hinein. Sie träumen von einer großen Musikkarriere. Dabei konsumieren sie Drogen. Als Sams bester Kumpel eine Affäre mit seiner langjährigen Freundin beginnt, kehrt jedoch eisige Stille ein. Regisseur Matthias Santiago Staehle hat einen nahezu dokumentarischen Milieufilm inszeniert, der die Sprache der Szene spricht. Das musikalische Drama entstand bereits 2007.

"Salto für Anfänger"

Isabella träumt von einem Leben als Filmstar, mit dem perfekten Mann an ihrer Seite. Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Die selbst ernannte Schauspielerin ist knapp 40 Jahre alt, chronisch pleite und ohne Job. Erst als sie für ihre Traumrolle vorgibt, akrobatische Fähigkeiten zu besitzen, wendet sich das Blatt. Isabella wird engagiert – doch der Schwindel droht schon sehr bald aufzufliegen. „Salto für Anfänger“ ist eine erfrischende Komödie über die Tücken einer Notlüge. Der schwedische Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Hauptdarstellerin Martina Haag.

"Das Schiff des Torjägers"

Im April 2001 ging eine erschütternde Meldung um die Welt: Die Rede war von einer Fähre, auf der angeblich Hunderte Kindersklaven von Benin nach Gabun geschleust werden sollten. Als sich herausstellte, dass sich das Boot im Familienbesitz des Bundesligafußballers Jonathan Akpoborie befand, wurde der Stürmer von seinem damaligen Verein umgehend suspendiert. Eine Schuld konnte ihm allerdings nie nachgewiesen werden. In ihrer Dokumentation rollt Heidi Specogna den Fall noch einmal auf. Entstanden ist eine deutsch-afrikanische Geschichte über Träume, Fußball und die Ware Mensch.