Musikpreise

Bei den Grammys triumphierte das neue Amerika

Bei der diesjährigen Verleihung der Grammys war das Programm wichtiger als die Musikpreise. Die Gala schien ein einziger Triumph des neuen schwarzen Amerikas zu sein. Mancher Award zeigte allerdings auch, dass die Grammys immer weniger originell vergeben werden.

Im Weißen Haus stehen zwei Grammys auf dem Sims. Barack Obama nahm die wichtigsten Musikpreise bereits für seine Hörbücher entgegen, einen davon im vergangenen Jahr für „Audacity Of Hope.“ „Er ist einer von uns“, teilte Neil Portnow daher seinen Gästen mit im Staples Centre von Los Angeles.

Der Präsident des Grammy-Komitees rief: „Yes we do!“ Mit seinem Gruß nach Washington blieb Portnow nicht allein. Nur wenige versäumten, bei der 51. Verleihung auf die Freude der Musikwelt hinzuweisen. Überhaupt wirkte die Gala wie ein einziger Triumph Amerikas über sich selbst.

Die Feier stellte damit sogar ihren Anlass in den Schatten: Ihr Programm war diesmal wichtiger als die Preise. Dass die Iren von U2 den Anfang machten, war kein Zufall. Sie erinnerten ans gestrige Amerika. Die Flagge trug statt Sternen Kreuze. Bono sang vom Teufel, der die Bombe liebt und vom Benzin, und dass er nicht mehr über Kriege reden wolle.

Danach demonstrierte Justin Timberlake, dass nicht nur Schwarze Präsidenten sein können, sondern auch Weiße große Soulsänger. Al Green, der Prediger des Soul, stand deshalb für „Let’s Stay Together“ auf der Bühne neben ihm. Die Briten Coldplay (drei Grammys) trafen auf den Rapper Kanye West. Die Jonas Brothers trafen auf Stevie Wonder.

Radiohead aus Oxford ließen sich von einer Marching Band aus New Orleans begleiten. B.B. King (ein Grammy) spielte mit John Mayer (ein Grammy) Blues. Als Justin Timberlake zurück kam, brachte er T.I. (ein Grammy) mit, den schwarzen Rapper.

Im Gedenken an Dean Martin (Preis fürs Lebenswerk) und an sein Rat Pack feierte das „Rap Pack“ Weltpremiere: Kanye West und Jay-Z trugen elegante Anzüge. Das Wunderkind Lil Waye (vier Grammys) nahm teil am „Rap Pack“. Später hielt Lil Wayne gemeinsam mit dem weißen Sänger Robin Thicke Andacht für das alte New Orleans.

Um 50 Jahre Motown ging es ebenfalls: Die Four Tops, Stars der ersten schwarzen Hitfabrik, wurden reaktiviert von Smokey Robinson und Jamie Foxx. Dass Amerika wieder liberaler wird, unterstrich der Auftritt Katy Perrys: Sie kam in einer gewaltigen Banane eingeschwebt, besang dann allerdings den Reiz des Mädchenküssens.

Für das Drama des begabten schwarzen Kindes sorgte Jennifer Hudson (erster Grammy). Die Tochter eines Busfahrers aus Chicago hat die Casting-Show „Americal Idol“ absolviert, allen Schicksalen getrotzt und nahm nun den Preis von Whitney Houston entgegen.

Was noch auffiel: Nicht nur Schwarz und Weiß, auch Großbritannien und Amerika umarmen sich wie nie zuvor. Die Britin Adele (zwei Grammys) trat auf mit dem amerikanischen Country-Duo Sugarland (zwei Grammys). Paul McCartney ließ sich von David Grohl von den Foo Fighters am Schlagzeug begleiten. Anschließend würdigte Komiker Jack Black den 66-jährigen Beatle als „aufstrebenden Bassisten, dessen Namen man sich merken sollte.“

Auch die fünffachen Grammy-Gewinner Robert Plant und Alison Krauss versöhnten englischen Rock mit amerikanischem Folk. Doch der Triumph ihres Duettwerks zeigt auch, dass Grammys immer weniger originell vergeben werden. Alison Krauss bekommt die Preise jährlich überreicht. Die Bluegrass-Sängerin besitzt 26 goldene Grammophone, mehr als jede Andere.

Die deutschen Künstler bleiben auf die Klassik-Grammys abonniert. Die Berliner Philharmoniker und Simon Rattle sowie der Rundfunkchor Berlin unter Simon Halsey wurden geehrt für die Einspielung von Igor Strawinskys „Psalmensinfonie“, der Filmkomponist Hans Zimmer für den Batman-Soundtrack „The Dark Knight“.

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