CD "Encore"

David Garrett – geigender Popstar mit Narben

Er ist mit großer Sicherheit der bestaussehndste Star-Geiger der Welt und füllt mühelos die Hallen. Vor kurzem erhielt David Garret einen Klassik-"Echo". Jetzt legt der gebürtige Aachener seine neue CD "Encore" vor. Darauf interpretiert er nicht nur Antonio Vivaldi und Flimmusik, sondern auch einen Michael-Jackson-Klassiker.

Am Wochenende erst hatte Stargeiger David Garrett den begehrten Echo Klassik Award 2008 für seine letzte CD „Virtuoso“ bekommen. Dieser Tage erscheint nun bereits sein Nachfolge-Album „Encore“. 24 buntgemischte kurze Tracks sind darauf enthalten, von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ über Vivaldis „Sommer“ bis Filmmusik aus „Fluch der Karibik“. Auch einige eigene Stücke hat der gebürtige Aachener Garrett wieder beigesteuert.

Einst als Jahrhundertbegabung der Klassik-Szene gefeiert und fremdgesteuert, beschloss der 27-Jährige im Jahr 2002, der Popstar unter den Geigern zu werden. Inspiriert wurde er dazu von seinen Auftritten bei den „Nokia Nights Of The Proms“. „Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ohne Anzug auf die Bühne gegangen bin“, erinnert sich Garrett.

„Ich hab da klassische Musik in Hallen mit bis zu 17.000 begeisterten Menschen gespielt. Das hat mir schon zu denken gegeben. Ich glaube, das Hauptproblem an der Klassik ist der Veranstaltungsort, das ganze Drumherum. Wenn die Verpackung stimmt, dann kannst du auch Menschenmassen für klassische Musik begeistern.“

Die Crossover-Projekte sieht Garrett nicht zuletzt als Brücke, um seine Fans behutsam an die Klassik heranzuführen. „Wenn das Publikum dir vertraut, kannst du es überall mit hinnehmen.“ Und das Publikum vertraut Garrett. Im November tritt er in der Berliner Philharmonie mit Violinsonaten von Beethoven und Grieg auf. Schon seit Monaten ist das Konzert restlos ausverkauft. Im Januar 2009 beginnt seine zweite Crossover-Tour durch Deutschland.

Einen großen Anteil an Garretts Triumphen hat sein glänzendes Aussehen: eine Mischung aus David Beckham, Kurt Kobain und Jaret Leto. „Mit solchen Vergleichen kann ich sehr gut leben“, grinst der Künstler. Doch weibliche Fans sollten sich keine großen Hoffnungen machen. Zu oft hat Garrett erlebt, dass Frauen sich nur für sein Aussehen und nicht für klassische Musik interessierten.

„Ich bin ein klassisch ausgebildeter Geiger, das prägt und hinterlässt Narben“, erzählt Garrett ernst. „Schon als Zehnjähriger habe ich sieben Stunden am Tag gearbeitet, um den Erwartungen standzuhalten. Es war ein ungeheures Glück für mich, dass das Geigenspiel schließlich wirklich das war, was ich machen wollte. Sonst hätte ich die nächsten zwanzig Jahre zum Psychiater gehen können.“