Kostümfilm

Als "Herzogin" leidet Keira Knightley wie Lady Di

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Peter Zander

Es ist ein Fest fürs Auge: Saul Dibbs Kostümfilm "Die Herzogin" mit Keira Knightley in der Rolle der Georgiana, die den Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) heiratet, zeigt Parallelen zum Leben von Lady Di. Auch die Herzogin ist eine Lady Spencer und erlebt ein ähnliches Schicksal.

Alles schon mal da gewesen. Die Märchenhochzeit. Der kühle Gatte, der sie nicht liebt. Der sich sogar eine heimliche Nebenfrau hält. Die Flucht der Gattin in das süße Leben und eine unglückliche Affäre. Das Leben als Stil- und Mode-Ikone, als Idol ihrer Zeit. Keine Prinzessin, aber eine Herzogin der Herzen, die nie das Leben führen darf, das sie will.

Klingt alles sehr nach der Biographie von Lady Di, geborene Diana Frances Spencer. Und doch ist es die Geschichte von Georgiana Cavendish, Herzogin von Devonshire, ebenfalls eine Lady Spencer, die fast genau zwei Jahrhunderte zuvor ein ganz ähnliches, komplementäres Leben führte. Als müsse es den Spencers als Fluch in den Genen liegen. Einzig der tragische Unfalltod blieb der Vorfahrin erspart.

1997, im Todesjahr von Lady Diana, hat Amanda Foreman eine Bestseller-Biographie über die eine veröffentlicht („Die Herzogin von Devonshire. Das Leben einer leidenschaftlichen Frau“) und die andere dabei immerzu im Hinterkopf gehabt. Der Film „Die Herzogin“, der jetzt ins Kino kommt, stützt sich auf dieses Buch und stellt all diese erschütternden Parallelen und Analogien genüsslich aus, ohne auch nur je mit plakativen Aktualisierungen aus seinem historischen Kontext auszubrechen.

Vielmehr zwängt Regisseur Saul Dibb seine Georgiana auch ästhetisch in jenes Korsett, unter dem sie zeitlebens gelitten hat. „Die Herzogin“ ist ein Kostümfilm vom Feinsten. Einer, der mit allem Pomp seine Kostüme und Perücken, seines Kulissen und Landschaften feiert. Jedes Bild ein Gemälde, wie von einem frühen Turner oder einem späten Gainsborough gemalt (letzterer hatte Lady Georgiana selbst porträtiert).

Jede Einstellung ein Tableau, eine Inszenierung klarer Fluchtpunkte und dekorativer Einrahmungen. Und eine Huldigung auf seine Hauptdarstellerin Keira Knightley, die längst das ist, was Helena Bonham-Carter in den achtziger Jahren war: die Ausstattungs-Heroine vom Dienst.

Ob in hehren Literaturadaptionen wie „Stolz und Vorurteil“, „Seide“ oder „Abbitte“ oder Abenteuerwelten wie „King Arthur“ und „Fluch der Karibik“: Wann immer es gilt, eine gertenschlanke Mimin in historische Mieder zu binden, ist die Britin, die heute ihren 24. Geburtstag feiert, erste Wahl. Und muss aufpassen, dass sie nicht zur Anziehpuppe vom Dienst verkommt.

Als Herzogin zumindest unterliegt sie, obwohl stets in Kerzenschein oder Frühlingslicht von Gyula Pados’ Kamera umschmeichelt, dem schmallippigen Ralph Fiennes als ihrem wortkarg-ungestümen Macho-Gatten, der sich Freiheiten gönnt, die er ihr nicht durchgehen lässt.

Man kann, wie so vielen Ausstattungsepen, auch diesem vorwerfen, dass er seinem Dekor und seinen Oberflächenreizen erliegt, dass er selbst zum Dekor wird. Zumindest kann er sich nicht satt sehen an seinem eigenen Pomp.

Dass es durchaus anders geht, hat kürzlich „The Libertine“ mit Johnny Depp gezeigt. Ein Historienfilm, der trotz Ausstattungspracht in düsteren, nebligen Bildern daher kam und verstörende Assoziationen zur Gegenwart zog. Der Preis dafür war allerdings der, dass er in die Kunstfilmecke gesteckt und, hierzulande nicht mal in die Kinos kam.

Das kann man der „Herzogin“ natürlich nicht anlasten. Anlasten kann man Regisseur Dibb höchstens, dass sein Blick, ähnlich dem der Protagonistin, nicht über die eigene überdimensionierte Hutkrempe hinausreicht. Dass zur selben Zeit auf dem Festland, in Frankreich, eine Revolution gärte und ausbrach, wirkt noch sehr entfernt.

Dabei hätte man hier eine viel näherliegende Seelenverwandte finden können als Lady Di, die gleichfalls aus Verdruss Modewellen auslöste, auch wenn sie nicht über vergleichbare Sympathiewerte verfügte: Marie Antoinette. Und ein bisschen sehnen sich ja auch die Adligen dieses Films, Knightleys Georgiana wie Fiennes’ Herzog, nach einem Schlagwort der Revolution: nach „liberté“, einem Leben jenseits der eng gesteckten Grenzen ihres Standes.