Late Night

Eine neue Nase kann "Pastewka" nicht retten

"Fun-Freitag" heißt der letzte Tag vorm Wochenende bei Sat.1. So wahnsinnig witzig ist der nicht immer, doch nun keimte neue Hoffnung: Die dritte Staffel von "Pastewka" ist angelaufen. Das Thema der ersten Folge war eigentlich eine Steilvorlage für gute Gags. Doch die Pointenschreiber waren noch nicht in Hochform.

Foto: sat.1/dar / SAT.1

Wenn es noch eines Beweises dafür bedarf, dass der Freitag bei Sat.1 schon mal witziger war, dann hat ihn der Sender selber geliefert. "Fun-Freitag" nennt er den Versuch, das Quotenloch mit konfektionierter Comedy zu füllen, die immer weiter auf das Niveau einer Pleiten-, Pech- und Pannenshow herunterzurutschen droht.

Beim Fun-Freitag jagt ein angeblicher TV-Spaß den nächsten. "Weibsbilder", "Sechser-Pack", "Zack!", "Die witzigsten Werbespots der Welt", die "My-Video-Show" - aber hallo, wer fehlte denn da? Na klar, Pastewka.


Endlich ist er wieder da. Der Turnbeutelvergesser. Der Auf-dem-Fahrrad-Zeitungsleser. Der Grabstellen-neben-dem-Wasserhahn-Reservierer. Der Postboten-Schreck. Der Haste-mal-'ne-Mark-für-den-Einkaufswagen-Schnorrer. Der Ein-Streifenhemd-für-alle-Lebenslagen-Träger.


Ein Abend mit Pastewka ersetzt den Besuch beim Therapeuten. Stellvertretend für alle Leute, die dazu neigen, sich selbst im Weg zu stehen, scheitert er an den Unzulänglichkeiten des Alltags. Das befreiende Lachen darüber ist heilsamer als jede Medizin.

Alles begann mit der "Wochenshow"

Am Freitag nun hat die 3. Staffel begonnen, man hatte sich schon auf ein Wiedersehen mit Pastewka und seiner TV-Familie gefreut. Der Mann, der von sich selber sagt, er bewundere Hape Kerkeling, zählt längst selber zu den Alteingesessenen der deutschen Comedy. Man erinnert sich noch gut daran, wie er in den neunziger Jahren mitgeholfen hat, dieses Genre von seinem Witz-komm-raus-du-bist-umzingelt-Image zu befreien.

Das Wunder geschah in der „Wochenshow“ auf SAT.1. In der Figur des Jogginganzugträgers Ottmar Zittlau lieferte Bastian Pastewka ein Plädoyer für die Hirnprothese auf Krankenschein, und als herrlich verklemmter Beziehungsratgeber Brisko Schneider („Hallo, liebe Liebenden...“) bewies er, dass man von Tuten und Blasen keine Ahnung haben muss und trotzdem Sex-TV moderieren kann.

Bei „Pastewka“ hat der Mann diese Verkleidungen nicht mehr nötig. Wo Pastewka draufsteht, ist auch Pastewka drin. Die Figur ist eine fleischgewordene Parodie auf den Mann, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er süchtig nach Fernsehen ist. Das er unter einer Phobie vor runzelig gewordenen Luftballons leidet und sich vor Joghurts fürchtet, die sich ihrem Verfallsdatum schon bis auf Tuchfühlung genähert haben.

Recherchiert die Freundin im Internet nach Busen-Aufpolsterern?

Ein Abend mit Pastewka ist immer ein Quiz. Der Zuschauer darf raten, wie viel Prozent vom Original in der Figur stecken. Pastewka selber sagte in einem Interview mit Morgenpost Online: „Mein wahres Leben ist (...) recht langweilig, deshalb habe ich mir ja so ein Parallelleben in die Serie geschrieben.“

Leider aber geriet auch die erste Folge der neuen "Pastewka"-Staffel nicht allzu aufregend. Pastewka schöpfte sein komisches Potenzial nicht 100prozentig aus. Dabei war das Thema von zeitloser Brisanz. Es ging um Schönheitsoperationen.

Und das geht bei "Pastewka" so: Bastian steckt wieder mal in einer Krise. Er hat seine Freundin Anne (Sonsee Neu) im Verdacht, sie habe im Internet auf Websites von Busen-Aufpolsterern und Po-Absaugern recherchiert.

Bastian will Anne davor bewahren, sich ins Elend zu stürzen. Und er sagt wieder immer das Richtige, nur im falschen Moment: „Was hat eine Frau davon, wenn sie toll aussieht, aber innerlich ist sie eine Großbaustelle?“ Anne versteht die Welt nicht mehr. Bislang dachte sie, ihre Kiste brauche noch kein Tuning. Großbaustelle?

Der Mann mit der Nase soll das Ego pflegen

Aus dieser Nummer kommt Bastian nicht mehr alle heraus. Ein Kumpel (Michael Kessler), dem das Schicksal einen riesigen Zinken ins Gesicht retouchiert hat, soll ihm helfen, das zerbeulte Ego seiner Freundin zu renovieren. Dabei, so stellt sich heraus, war es gar nicht Anne, die auf der Spur der Schönheitschirurgen durchs Internet gesurft ist – es war Bastians spätpubertierende Nichte Kimberley (Christina do Rego).

An dieser Stelle war die Luft aus der Nummer eigentlich heraus. Ratlos starrte der Pastewka-Fan in den Fernseher. Mimisch war der Comedian zwar wieder in Hochform, doch der Text passte nicht immer zur Körpersprache. Mitunter erinnerten die

Dialoge an Textbausteine aus einer Daily Soap.


Der Tiefpunkt war erreicht, als Bastian Anne erklärte: Würde Michael „seine Nase ändern, würde er auch sich ändern. Und weißt du, warum er’s nicht macht? Weil er sich mag.“


Die Folge endet damit, dass die ganze Sippe in einer Schönheitsklinik aufschlägt. Und Michael Kessler das Krankenhaus mit einem Pflaster im Gesicht verlässt. Diese Pointe entschädigte wenigstens für ein paar Schwächen in der Geschichte. In bester "Pastewka"-Manier könnte man sagen: Gerade noch mal mit neuer Nase davongekommen.