„Das ist ein großer Sieg für Norwegen, ich bin sehr beeindruckt“, sagte Regierungschef Jens Stoltenberg dem Fernsehsender NRK nach dem überragenden Sieg des 23-jährigen Alexander Rybak. Im Zentrum von Oslo, wo die Fans den Gesangswettbewerb in einer Live-Übertragung verfolgt hatten, wurde die ganze Nacht zum Sonntag gefeiert. Es ist der dritte Sieg Norwegens beim Grandprix, bereits 1985 und 1995 hatte das Land den ersten Preis geholt.
Der in Weißrussland geborene Rybak hatte mit seinem Lied „Fairytale“ als Multitalent mit Sanges-, Tanz- und Geigenspielerkünsten beeindruckt. Mit der Rekordzahl von 387 Punkten ließ er die Konkurrenz weit hinter sich. Nach seinem Sieg lud er die Norweger ein, mit ihm am Sonntagabend nach seiner Ankunft am Flughafen in Oslo (23 Uhr) zu feiern: „Wenn morgen Abend noch jemand lebt in Norwegen, seid ihr willkommen, mich in Gardermoen zu treffen.“ Der Sieg kommt für die Norweger zu einem besonderen Termin, denn heute ist auch Nationalfeiertag.
Obwohl ihre Starterin Anastasia Prikhodko nur auf Platz 11 landete, sind die Russen mächtig stolz auf den Grand Prix. Immerhin hat das Land das wohl aufwendigste Finale in der Geschichte des Eurovision Song Contest veranstaltet.
„Wir haben allen bewiesen, dass Russland ein modernes und mächtiges Land ist“, sagte der Regierungsbeauftragte für den Grand Prix, Alexander Barannikow, nach Angaben des Radiosenders „Echo Moskwy“. Die Ausrichtung des 54. ESC war nach russischen Angaben mit 30 Millionen Euro so teuer wie nie zuvor.
Russland hatte sich nach eigenen Angaben am Pomp der Olympischen Spiele in Peking 2008 orientiert. „Europa wird es schwer haben, uns beim nächsten Mal zu übertreffen“, fügte Barannikow hinzu.
Auch die Deutschen können sich ein bisschen freuen, obwohl der Beitrag „Miss Kiss Kiss Bang“ des Swing-Duos Duo Alex Swings Oscar Sings auf dem 20. Platz landete. Dafür hatten die deutschen Grand-Prix-Fans und -Juroren hatten den richtigen Riecher: „Norway, twelve points“ (Norwegen, zwölf Punkte), hieß es aus Deutschland am Samstagabend – die Höchstwertung.
Auch bei der ARD kam Freude auf. Das Finale bescherte dem Sender eine solide Quote: 6,13 Millionen Zuschauer schalteten von 20.21 Uhr bis kurz nach 1.00 Uhr ein (Marktanteil: 28,5 Prozent). Die Live-Übertragung von 21.00 Uhr bis 0.16 Uhr verfolgten nach ARD-Angaben 7,36 Millionen - das seien etwa eine Million mehr als im vergangenen Jahr. Der Marktanteil habe insgesamt bei durchschnittlich 31,1 Prozent gelegen. Das deutsche Duo Alex Swings Oscar Sings! landete am Samstagabend auf dem 20. Platz unter 25 Teilnehmern.
Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, sagte laut der Mitteilung des Senders vom Sonntag: „Der Eurovision Song Contest war das Fernsehereignis des Abends – darüber freuen wir uns. Alex, Oscar und Dita von Teese haben eine stylische Performance geboten, großen Dank dafür. Das Ergebnis von Moskau ist für unser exzellentes Team eine Enttäuschung. Für uns heißt das: Wir müssen beim Eurovision Song Contest radikal neue Wege gehen. Wie die aussehen, werden wir sehr bald präsentieren.“
Die Deutschen Fans lassen sich von Niederlagen aber ohnehin nicht vom Feiern abhalten. Auf Deutschlands größter Grand-Prix-Party versammelten sich gestern rund 7000 Fans in Hamburg. Die ARD übertrug vor und nach der Show in der russischen Hauptstadt live von der Feier auf der Reeperbahn. Prominente Musiker wie Paul Potts, Mark Medlock und Guildo Horn traten auf, bevor der Wettbewerb in Moskau begann. Moderator Thomas Anders, umlagert von Deutschland-Fähnchen schwenkenden Fans, verkündete später mitten aus dem Trubel auf St. Pauli die Punktevergabe der deutschen TV-Zuschauer.
Nach dem 20. Platz für das deutsche Duo Alex Swings Oscar Sings, das sich bei seinem Auftritt von Burlesque-Tänzerin Dita von Teese begleiten ließ, forderte Moderator Anders „riesigen Applaus“ für seine Kollegen. „Sie haben ihre Sache gut gemacht“, meinte er. Auch Schlagerbarde Guildo Horn, einst selbst Grand-Prix-Teilnehmer und diesmal Jury-Mitglied, pflichtete bei: „Sie haben sich Mühe gegeben, es war kein schiefer Ton dabei“, spielte er auf den letzten Platz für Deutschland im vergangenen Jahr mit den No Angels an.
Sängerin Jeanette Biedermann verriet dem Publikum, dass sie ein Fan von Dita von Teese ist. Horn dagegen meinte: „Vielleicht war die Dita von Teese ein bisschen sehr viel Plastik“. Schauspieler Uwe Ochsenknecht stand diesmal wieder als Musiker auf der Bühne „Es ist natürlich immer traurig, wenn Deutschland ganz hinten liegt“, sagte der Sänger, der im Wettbewerb Litauen favorisiert hatte: „Ich mag ja gerne handgemachte Musik, deshalb fand ich es auch schade, dass der Künstler aus Litauen ganz hinten lag.“
Kurz vor Schluss verfolgten die Zuschauer in Hamburg und vor dem TV das erste Statement von Alex Christensen und Oscar Loya auf der Leinwand. „Wir haben alles gegeben, mehr geht nicht“, sagte Christensen. „Aber das Ergebnis ist sehr ungeil.“ Man habe immer noch nicht das Rätsel gelöst, wie man die begehrten zwölf Punkte bekommt. Für Oscar Loya war es „der Moment meines Lebens“. Was aus dem Siegerlied der Norweger wird, prophezeite Alex Christensen: „Der Song ist Weltklassse und wird sicher auch ein Hit in Deutschland.“ Vor dem Abschluss durch Lotto King Karl und Pape rief Moderator Anders noch das Motto aus: „Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix
dpa/AP/str

