Yusuf Islam, der mit dem Namen Steven Demetre Georgiou zur Welt kam, als Cat Stevens weltberühmt wurde und 1977 weitgehend dem Weltlichen entsagte, wagte vor fünf Jahren eine Reise nach Amerika. Er landete in Washington. Er wurde abgewiesen. Nach Verhören flog er wieder heim. Zurück nach London, wo er die Koranschule seiner muslimischen Gemeinde finanziert. Die Mittel stammen aus Cat Stevens' Nachlass.
In Amerika galt Yusuf wegen seiner Spendentätigkeit als Terrorist. Als mächtiger Knoten im globalen Netzwerk. Was trieb ihn 2004 nach Washington? Yusuf Islam enthüllt es selbst: Für Dolly Parton, die Blondine mit den großen Brüsten, wollte er Gitarre spielen. Dolly Parton wünschte es, um "Peace Train" von Cat Stevens überzeugend aufzunehmen. Mitten in Amerika, in Nashville.
Yusufs neuem Album "Roadsinger" ist zu entnehmen, dass der Bann inzwischen aufgehoben wurde. In Nashville spielte Yusuf glaubwürdigen Country ein, gemeinsam mit Hank Williams' Enkelin. In Kalifornien ließ er sich wieder zu Blumenkinder-Folk hinreißen.
So beweist er, dass er nichts im Schilde führt. Das Plattencover ist ein illustrierter Freundschaftsgruß ans Mutterland der Popkultur: Im Staubmantel durchwandert er die Wüste von Amerika, mit der Gitarre auf dem Rücken oder auf dem Schoß, als Straßensänger.
Man betrachtet Stillleben mit Westernstiefeln und einem Cat-Stevens-T-Shirt mit der Aufschrift "Wanted". Sein VW-Bus trägt das Friedenszeichen und das Nummernschild "CAT 60S". Und weil heute 20-Jährige mit Vollbärten Folklore spielen und sich altväterlich kleiden, kauft man Yusuf sogar den Sängerberuf wieder ab.
Vorgänger war ein Aufwärm-Album
"An Other Cup", sein Album von 2006, war als Comeback gefeiert worden. Heute weiß man: Das war voreilig und übertrieben. Erstens hatte Yusuf sich bereits davor gelegentlich zurückgemeldet. Zweitens lag das Album einer Art Erweckungsfibel bei, mit Tee trinkenden Turbanträgern, weißen Tauben und dem Suren lesenden Star a. D. Und drittens drückt der Künstler selbst es heute so aus: "Ich bin wieder zurück und mache das, was ich am besten kann. Geschichten erzählen. Bilder zeichnen mit meiner Musik, die so menschlich ist, dass sie der Menschheit positive Gefühle beschert. Ich glaube, das neue Album setzt genau da an, wo Cat Stevens sich verabschiedet hatte." "An Other Cup" sei für "Roadsinger" heute, was "Mona Bone Jakon" für "Tea For The Tillerman" vor 29 Jahren war. Das Aufwärm-Album.
Alles auf Anfang also, lediglich auf einer anderen Stufe der Erleuchtung. In den Sechzigerjahren tingelte Cat Stevens als Teenager-Sensation durch London. 1968 litt er unter offener Tuberkulose und genas auf wundersame Weise. Eine demutsvolle Weltreise bekehrte ihn zu sämtlichen Erlösungslehren, zum Buddhismus und zum Kommunismus, zu Tarot und Yoga.
Drogen mied er. Die Erfahrungen flossen in Songs wie "Wild World", "Moon Shadow" und "Morning Has Broken" ein. Als sich Cat Stevens 1974 zu weit auf den Stillen Ozean hinauswagte, vor Malibu, beschwor er Gott: "Wenn Du mich rettest, will ich den Rest meines Lebens für Dich arbeiten."
Die Wellen spülten ihn an Land. Am Weihnachtsabend 1977 löste Stevens sein Versprechen ein und unterrichtete die Menschheit über seinen Namenswechsel. Dass er sich dem Gott Allah verschrieb, begründete der griechisch-orthodox Erzogene mit dem verlässlichen Autoren des Korans. 1981 stiftete er seine Instrumente. Anschließend wurde es still um ihn.
Erst 1989 tauchte Yusuf wieder auf. Er bat den Westen um Verständnis für die Fatwa gegen Salman Rushdie. Rushdie revanchierte sich mit einer Schrift gegen den "Sauren Apfel des Islam". Amerika besann sich auf seine bewährten Rituale gegen unliebsame Popmusik: Das Radio boykottierte ihn, Farmer ebneten mit schweren Fahrzeugen alle verfügbaren Cat-Stevens-Platten ein.
Während der Neunziger veröffentlichte Yusuf religiöse Bücher und CDs. Auch Bühnen wie das Wettsofa des ZDF nutzte er für die Botschaften eines esoterisch klingenden Islam. In Sarajevo sang er Friedenslieder. Die Jahrtausend-Dämmerung wurde vom ihm mit "A Is For Allah" begangen, einem ganzen Album solcher Lieder. Yusuf damals: "Das Musikgeschäft und die damit verbundene Kultur interessieren mich nicht mehr."
Der 11. September 2001 hat auch Yusuf Islam verändert. Er begann, zu wohltätigen Zwecken, seine alten Hits neu zu entdecken. Hier ein "Peace Train" für die Kinder im Irak und da ein "Wild World" gegen Landminen. "Father and Son" nahm er 2004 mit Ronan Keating auf und war wieder in den Hitparaden. Wahrscheinlich dachte er, dass einer Reise nach Amerika danach nichts mehr im Wege stünde.
So gesehen hat "An Other Cup" dem Folksänger 2006 erneut die Welt geöffnet. Gern berichtet Yusuf, wie eine Gitarre seines Sohnes unbeaufsichtigt daheim herumlag, um ihn zu verführen. Er erlag der Popmusik. Für "Roadsinger" spielt Yusuf sogar Synthesizer und elektrische Gitarren, handhabt die Studiotechnik selbst und hat nichts einzuwenden, wenn die Plattenfirma auf die Platte klebt: "The Journey of Music Continues from Yusuf, the Man Previously Known As Cat Stevens."
Ähnlichkeiten zu Prince
Man denkt da nicht zufällig an Prince oder den "Künstler, der früher als Prince bekannt war". Prince ist kürzlich zu Jehovas Zeugen konvertiert. Die Frömmigkeit steht allerdings dem Schweinepriester auf der Bühne und bei seinen Platten nie im Weg. Warum auch? Pop ist öffentlich und Religion privat, und Yusuf hält es heute ähnlich. Auf die ihm schon immer eigene, keusche Weise.
"Welcome Home", begrüßt einen mit wimmernden Gitarren, und im Song heißen die Menschen ihn im Pop wieder willkommen. Es gibt anrührende Folklieder über die Vögel und die Fische, über spielende Kinder und die Regenbögen über ihnen. Oder über Wolken, Regen, Finsternis. Wenn Yusuf singt, dass sämtliche Laternen ihn erleuchten, aber nur ein Wächter Platz in seinem Herzen einnimmt, hätte das Cat Stevens 1970 auch nicht anders ausgedrückt. Der "Roadsinger" ist wieder da, die Hunde bellen. Es herrscht unfassbare Freude. Und zwar vollkommen zu Recht.
Zwei Schlüssellieder setzt Cat "Yusuf" Stevens in die Mitte seines großartigen Albums: In "Be What You Must" klingt das Klavier aus "Sitting" an von 1972, damals war er halt Buddhist. Und "World O' Darkness" rechnet mit den Söhnen ab, die sogar in der Dunkelheit noch einige Schritte weiter gehen.
"Shamsia", klagt Yusuf. Shamsia, das war die trotzige Afghanin, die zu Schule ging, obwohl die Taliban es ihr verboten hatten und die Söhne sie mit Säure übergossen. "Shamsia" heißt auch das spieluhrartige Klavierstück mit dem Yusuf seinen Zuhörer wieder entlässt. Man wünscht dem Album viel Erfolg, Erlöse für die gute Sache und dem Sänger eine angenehme Reise.
Yusuf: Roadsinger - To Warm You Through The Night (Island)




