Oscar-Preisträger

Warum Christoph Waltz Berlin verlassen hat

Für seine Rolle als SS-Offizier in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" hat Christoph Waltz im vergangenen Jahr den Oscar erhalten. Seitdem kann er sich aussuchen, was er spielt - und hat den Wohnort gewechselt.

Foto: AP / AP/DAPD

Wirklich wohl hat sich Christoph Waltz in Berlin nie gefühlt. Zu gegensätzlich waren der Wiener und die Stadt, in der seiner Meinung nach die Museumsinsel und die Philharmonie die einzigen Orte seien, „wo Anspruch und Wirklichkeit sich decken“, wie der Schauspieler kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Viel Gutes kann er Berlin, der Heimatstadt seiner Lebensgefährtin Judith Holste, nicht abgewinnen. Und so zog es den Österreicher nun an einen Ort, wo die Leute zwar auch keine anständigen Brezeln backen können, aber zumindest beruflich mehr Potenzial besteht. In Los Angeles würden Ideen viel schneller realisiert werden können als in Deutschland, da „die Projekte nicht per Gremienbeschluss gestaltet werden“, sagte der 54-Jährige in der Zeitschrift „Bunte“. Die Türen in Hollywood stehen für ihn sehr weit offen.

Seit seiner Rolle als SS-Offizier Hans Landa in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009), für die Waltz im vergangenen Jahr den Oscar erhielt, kann er sich aussuchen, was er spielt: „Das ist eine unheimliche Befreiung. Ich habe mich schon hackeln gesehen, bis ich 80 bin, um dann auf den Rest zu warten.“ Ein Film, für den zu arbeiten sich der vierfache Vater entschieden hat, kommt am Donnerstag in die Kinos. An der Seite von Reese Witherspoon und Robert Pattinson wird er als gefühlskalter Zirkusdirektor in „Wasser für Elefanten“ zu sehen sein. Einer Produktion aus der Traumfabrik, von der sich Waltz aber nicht blenden lassen will: „Alle tun so, als würden sie einen wollen“, sagt der Darsteller. „Ich kann mir schon vorstellen, dass man dann glaubt: Die meinen wirklich mich! Aber nein, die meinen einen eben nicht.“

Er bleibt vorsichtig, versucht, seine Zeit als gefragter Schauspieler zu nutzen: „Ewig wird mir das alles nicht zur Verfügung stehen. Nicht nur meines Alters wegen, sondern weil sich die Dinge immer verändern.“ Sein Wohnortwechsel hin zur Sonne Kaliforniens erlaube ihm, „mit Licht rechnen zu dürfen, im Unterschied zu Berlin, wo man mit Dunkelheit“ rechnen müsse.