Pablo Picassos Werk ist weltberühmt – und umfangreich. Und es gilt als gut erforscht. Doch jetzt bahnt sich in der Kunstwelt eine Sensation an. Denn angeblich sind im südfranzösischen Örtchen Mouans-Sartoux an der Côte d'Azur 271 bislang unbekannte Werke des weltberühmten Künstlers aufgetaucht – bei einem Elektriker. Wie die Zeitung „Libération“ berichtet, habe der 71 Jahre alte Pierre Le Guennec von 1970 bis zum Tod Picassos im Jahr 1973 für den Meister gearbeitet, vor allem in seiner Villa „Californie“ in Cannes, wo er Sicherheitsanlagen installiert habe. Die Werke sollen ihm von Picassos Frau Jacqueline geschenkt worden sein.

Sollten die zum Teil unsignierten und undatierten Zeichnungen, Bilder und Collagen aus den Jahren 1900 bis 1932 wirklich echt sein, hätten sie einen Wert von geschätzten 60 Millionen Euro. Allein neun kubistische Collagen kommen auf 40 Millionen Euro. Im Januar schickten Le Guennec und seine Frau dem Bericht zufolge Fotos einiger der Werke an Picassos Sohn Claude in Paris, um sich die Echtheit bestätigen zu lassen. Es folgten weitere Fotos und im September ein Treffen in Paris. Claude Picasso jedoch, der auch der Nachlassverwalter seines Vaters ist, erstattete Anzeige wegen Hehlerei. Der Zeitung sagte er: „Eine solche Menge an Werken auf einmal abzugeben, das wäre höchst untypisch. Viele der Stücke sind nicht datiert, das heißt, sie hätten niemals die Werkstatt meines Vaters verlassen dürfen. Wer das Werk meines Vaters kennt, weiß, dass er alles systematisch mit Datum versehen wollte.“

Immerhin: Claude Picasso glaubt an die Echtheit der Werke. Bis zur Klärung der Vorwürfe lagert der Kunstschatz deshalb jetzt in einem Pariser Tresor. Der Elektriker wies am Montag jede Schuld von sich: Er sei kein Dieb. Man habe doch nur wissen wollen, wie viel die Werke wert sein – für die Enkel, teilte seine Anwältin mit.

alu