Science Fiction

Nummer 4, seine Superkräfte und seine große Liebe

Alex Pettyfer macht in "Ich bin Nummer 4" sehr nachvollziehbar, warum sich Teenager manchmal wie Aliens fühlen.

Es gibt zumindest zwei Arten, das Teenie-Mystery-Sci-Fi-Spektakel "Ich bin Nummer 4" zu sehen und zu beschreiben. Die eine – in vielerlei Hinsicht auch einleuchtende – Perspektive legt den Schluss nahe, dass die von Michael Bay produzierte und von D.J. Caruso inszenierte Verfilmung von Pittacus Lores gleichnamigen Jugendroman kaum mehr als eine wilde Ansammlung von Klischees und Zitaten ist.

Schließlich ist schon ihre Grundidee ein überaus offensichtliches Amalgam aus Elementen aus "Superman"- und "X-Men"-Comics so wie aus Stephenie Meyers "Twilight"-Saga.

Nummer Vier auf der Flucht

Der von Alex Pettyfer gespielte John ist die Nummer Vier. Kurz bevor sein Heimatplanet Lorien endgültig von den kriegerischen Mogadorians zerstört wurde, schickte man ihn zusammen mit acht anderen Kindern auf die Erde. Dort sollten sie sich verstecken und ihre besonderen Kräfte erproben. Doch die Mogadorians sind ihnen auf der Spur. Drei der Neun haben sie schon getötet.

Nun ist John der nächste auf ihrer Liste. Zusammen mit seinem Beschützer und väterlichen Freund Henri (Timothy Oliphant) landet John auf seiner Flucht schließlich in einer Kleinstadt in Ohio. Hier will er nun endlich ein normales Leben führen. Dazu gehört für ihn unbedingt auch die High School, wo er schon bald die unangepasste Sarah (Dianna Agron) kennen lernt.

Vor gut zehn Jahren als Teen-Horrorfilme genauso wie High-School-Komödien und -Dramen eine echte Blüte erlebten, wäre "Ich bin Nummer Vier" wahrscheinlich nicht so schnell als Zitaten-Kino und "Transformer"-Klon abgetan worden. Denn vor diesem Hintergrund eröffnet sich eine andere, die Genrehommagen und -Verweise relativierende Perspektive. Letztlich sind die von D.J. Caruso mit einem sichtlichen Flair für große Gesten und extravagante Effekte inszenierten Sci-Fi- und Action-Elemente nach Außen gekehrte Variationen eines inneren Konflikts.

Treffende Teenager-Erzählung

Seit Joss Whedons epochaler TV-Serie "Buffy – Im Bann der Dämonen" hat kein Filmemacher die zentralen Konflikte des Erwachsenwerdens, dieses ewige Schwanken zwischen Anpassung und Rebellion, der Sehnsucht danach, einfach dazuzugehören, und dem Gefühl, von allem abgeschnitten zu sein, so kongenial in eine klassische Genreerzählung überführt wie hier D.J. Caruso. Mit dem Schauspieler und Model Alex Pettyfer ist ihm dabei zudem noch ein veritabler Besetzungscoup gelungen.

Auf der einen Seite hat Pettyfer genau das Äußere eines von allen umschwärmten Teenagers, dem alle Türen offenstehen. Auf der anderen ist da aber auch eine unterschwellige Melancholie, etwas, das ihn von den anderen trennt.

Im Prinzip spielt es also gar keine Rolle, dass John ein Alien ist, dieser die ganze Welt verschluckende Riss, der Teil eines jeden Teenagerlebens ist, geht auch so direkt durch ihn durch. Seine besonderen Kräfte und sein Schicksal als Überlebender und Gejagter sind aus diesem Blickwinkel eine aufregende Beigabe, in deren Feuerwerkslicht einfach vieles klarer und auch offensichtlicher wird.