Ihre Hits wie "Big in Japan" und "Forever Young" kennt jeder, ihren Namen nur noch eingefleischte Fans: Alphaville hatten ihren Höhepunkt in den 80er-Jahren. Jetzt will Marian Gold:, Gründer der deutschen Synthie-Pop-Band, mit dem neuen Band-Album "Catching Rays on Giant" noch einmal in die Charts. Morgenpost Online sprach mit ihm über das Älterwerden, unwürdige Abgänge und "Biene Maja".
Morgenpost Online: Herr Gold:, Sie sind das letzte Mitglied der Original-Besetzung von Alphaville. Fühlen Sie sich manchmal einsam?
Gold: Nein, eigentlich nicht. Mit der Band, mit der ich auftrete, sind wir schon seit 15 Jahren auf Tour gegangen. Sie sind zwar alle jünger als ich, aber daran bin ich gewöhnt. Obwohl, so jung sind die auch nicht mehr: Ich bin immerhin schon 56.
Morgenpost Online: Spüren Sie das Alter auf der Bühne?
Gold: Auf der Bühne nicht, aber im Studio. Ich mache jetzt schon so lange Musik, dass mich meine Erfahrungen mitunter in meiner Kreativität bremsen. Das Schlimmste ist die Routine: Sie killt alles.
Morgenpost Online: Werden auch Ihre Fans älter oder kommen neue hinzu?
Gold: Ich würde sagen, das hält sich die Waage. Natürlich kommen Leute, die Alphaville noch von den Anfängen kennen, aber auch junge Menschen entdecken uns. Aber solange ich immer noch der Älteste auf einem Alphaville-Konzert bin, ist alles in Ordnung.
Morgenpost Online: Warum starten Sie wieder ein Comeback mit einer neuen Platte?
Gold: Ich liebe Musik einfach extrem! Als Fan von David Bowie wurde ich an sie herangeführt und sie hat mich nicht mehr losgelassen. Ich mache das nicht aus materiellen Gründen, sondern weil ich gerne Musiker bin.
Morgenpost Online: Haben Sie schon mal ans Aufhören gedacht?
Gold: Als Künstler ist man privilegiert, weil man einen gewissen Freiraum hat. Man muss nie ganz erwachsen werden. Dieses Privileg werde ich nicht freiwillig aufgeben. Außerdem: Was soll ich machen, wenn ich nicht mehr Musiker bin? Dann müsste ich mich ja ernsthaft mit dem Leben befassen!
Morgenpost Online: Das heißt, dass Sie noch im hohen Alter auf der Bühne stehen werden?
Gold: Wenn ich dann noch gut beisammen bin – auf jeden Fall! Aber natürlich hängt das auch von den Fans ab.
Morgenpost Online: Wie würde ein Abgang von Alphaville aussehen?
Gold: Wahrscheinlich unwürdig, weil ich einfach noch weiter machen will. Ich schreibe ununterbrochen und habe auch schon wieder genug Songs beisammen für ein nächstes Album – das erscheint dann vielleicht nächstes Jahr.
Morgenpost Online: Was ist neu an Ihrem Album?
Gold: "Catching Rays on Giant" besticht sicher nicht durch Experimente, es ist eher eine Rückbesinnung auf die Anfänge des Synthie-Pop. Ich wollte ein Album mit einer klaren Pop-Struktur und fürchte mich auch nicht vor Banalitäten. Schließlich haben auch Wagner und Tschaikowsky anbiedernde Melodien geschrieben. Alphaville ist nicht zuständig für die Realität, sondern für die Träume. Dafür nehmen wir gerne auch banale Dinge, wie Liebeskummer, und setzen sie neu zusammen.
Morgenpost Online: Eine Kollegin fühlte sich beim Anblick des Covers spontan an Scientology erinnert.
Gold: Ja, genau! Scientology! Ich hab schon die ganze Zeit gedacht, woran erinnert mich das bloß.
Morgenpost Online: Waren Sie nicht am Produktionsprozess beteiligt?
Gold: Doch. Wir haben das mit einer Grafikerin besprochen, aber das Cover ist wie ein Mosaik, so dass wir selber nicht richtig wussten, was am Ende rauskommt. Aus jedem Song ist ein Element verewigt, von "Alice" zum Beispiel eine Alice im Wunderland, von "Magical Healing" ein Arzneifläschchen. Manchmal ist es etwas assoziativer, aber das ist eben Alphaville.
Morgenpost Online: Aber Sie gehören nicht Scientology an?
Gold: Genau, aber ich habe Familienmitglieder, die Scientology angehörten, deshalb kenne ich mich damit etwas aus. Trotzdem hat das Album damit nichts zu tun.
Morgenpost Online: Ihre Hits "Big in Japan" und "Forever Young" wurden oft gecovert. Gut oder schlecht?
Gold: Wenn andere Musiker unsere Songs covern, empfinde ich das als Ehre. Besonders gut gefällt mir "Big in Japan" von den Guano Apes - auch wenn ich nicht verstehe, warum die Sängerin eine Refrainzeile weggelassen hat. Auch, dass Karel Gott "Forever Young" aufnehmen wollte, ist großartig. Ich habe sechs Kinder und kenne "Biene Maja" in- und auswendig.
Morgenpost Online: 2003 konnten sich Ihre Fans die Produktion von "Crazy Show" im Internet mitverfolgen und sich auch die Songs runterladen. Sind Sie immer noch für freies Downloaden?
Gold: Ich weiß natürlich, wie viele Verluste die Musikindustrie durch illegales Downloaden einstecken muss. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich abends mal zu faul bin, nach einem Song auf meiner Festplatte zu suchen, ziehe ich ihn mir auch mal schnell von einer Piratenwebseite. Ich sehe das nicht als Betrug am Künstler, sondern als neue Technologie. Aber ich habe ja auch keinen Bezug zu Geld.













