Bill Gates, Waren Buffet, Klaus Ernst – drei Männer, über die fünf Talkgäste bei Anne Will leidenschaftlich stritten. Um Microsoft-Gründer Gates und Investorenlegende Buffet drehte sich die Runde, weil die beiden 40 US-Milliardäre dazu gebracht haben, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Je nach Lesart der Diskutanten taten sie dies aus Nächstenliebe oder aus Geltungssucht.

Um den Linken-Chef Ernst ging es, weil er für den Parteivorsitz Geld kassiert – und weil er einen 20 Jahre alten Porsche fährt. Auch Will haute drauf auf „Luxus-Ernst“ und „Porsche-Klaus“ – sie verpasste dem bayrischen Gewerkschafter eine Blutgrätsche per Einspieler. So gipfelte die Diskussion um die gesellschaftliche Verantwortung der Reichen am Ende in einer guten, alten, deutschen Neiddebatte.

„Millionäre zur Kasse – mehr Spenden, mehr Steuern, mehr Gerechtigkeit?“ war die thematische Steilvorlage, zu der Wills Redaktionsteam eine schillernde Runde eingeladen hatte. Da saß Klaus Kocks, Ex-VW-Vorstand und SPD-Mitglied, neben dem Unternehmer Ernst Prost, der sich vom Kfz-Mechaniker zum Schmieröl-Millionär hochgerackert hat. Da traf der Marmeladen-Magnat Arend Oetker (Schwartau Extra) auf die US-Journalistin Heather De Lisle, die nach eigenen Angaben schon mal mittellos bei einer Suppenküche anstand. Und da saß Diether Dehm. Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei hat den Klaus-Lage-Knaller „1000 mal berührt geschrieben“. Das hat ihn reich gemacht. Vorher hat Dehm den Liedermacher Wolf Biermann für die Stasi bespitzelt.

"The Giving Pledge“

600 Milliarden wollen Buffet und Gates mit ihrer Gruppe „The Giving Pledge“ (das Spendenversprechen) zusammenkriegen – die beiden Superreichen gehen selber mit guten Beispiel voran und halbieren ihr Vermögen. Eine gute Sache eigentlich, könnte in Deutschland doch auch dem klammen Staat aus der Klemme helfen, denken sich da viele. Schließlich sind hierzulande „die Straßen kaputt, die Schulen marode und die Theater von der Schließung bedroht“, wie Anne Will das Publikum im Einspielfilm wissen ließ. Sollten deutsche Reiche es den amerikanischen Supereichen also gleichtun?

Klaus Kocks wetterte in breitestem Kölsch dagegen: „Das ist doch Klassenkampf von oben. Wir reden hier über Milliardäre, die, anstatt ihre Steuern zu zahlen, ihr Geld nach Gutsherrenart ausschütten.“

Eine steile These, die Kocks im braun-weißen Nadelstreifenzwirn verkündete. Das Studiopublikum gab ihm kräftigen Applaus, doch die Runde war erbost: „Wie kommen Sie eigentlich dazu, jedem Menschen, der sich gemeinnützig engagieren will, zu unterstellen, dass er ein Saubeutel ist?“ erzürnt sich Unternehmer Prost, einem Schlossbewohner.

Aber Kocks blieb dabei, Gates und Buffet wollten sich mit der Stiftung nur in den Vordergrund drängen: „Wir haben es hier mit einer PR-Aktion zu tun. Die Spende ist für die beiden nur die Eintrittskarte, damit die Show läuft.“ Niemand würde ja jetzt noch hinterfragen, womit die beiden Multi-Milliardäre eigentlich ihr Geld verdient hätten.

US-Journalistin Heather De Lisle hielt es für „typisch deutsch“ an spendenwilligen Superreichen rumzumäkeln. Die junge Frau mit der strengen Kurzhaarfrisur, die in einem neuen Buch mit deutschen Vorurteilen gegenüber den USA abrechnen will, war dem Staat vor, nicht haushalten zu können. „Ich hätte lieber das Bill Gates mein Geld sinnvoll verwendet, als dass sich die Politiker im Bundestag davon Mont-Blanc-Füller kaufen“. Zudem müsste Deutschland endlich aufhören, Millionäre durch hohe Steuern ins Ausland zu vertreiben. „Dann nimmt der Staat nämlich gar nichts mehr ein.“

Einkommenssteuer von 53 Prozent?

Beim Thema Steuern schalteten die Diskutierenden einen Gang hoch. Oetker, der sich bei der Fritz-Thyssen-Stiftung engagiert und Geld in Wissenschaftsprojekte steckt, gab seine vornehme Zurückhaltung auf: „Ich bin Unternehmer. Meine Aufgabe ist es Arbeitsplätze und Innovationen in Deutschland zu machen – und nicht zu spenden.“ Die Steuern in Deutschland seien zu hoch, sagte Oetker, und rechnete es dann auch noch vor. Und kam zu dem Ergebnis: „Irgendwo muss es doch Grenzen geben.“ Linken-Politiker Dehm wollte diese Grenzen ein gutes Stück weit verschieben: „Wir brauchen eine vermögensbezogene Steuer. Und die Einkommenssteuer muss auf 53 Prozent hoch gesetzt werden!“ Dafür gab es von Kocks die süffisante Bermerkung: "Bei Ihnen ist mehr Karl May als Karl Marx."

Dann servierte Anne Will Dehm ein kritisches Filmchen über seinen Parteivorsitzenden. Von 13.000 Euro brutto ist da die Rede, von dem Gehalt, das Ernst nimmt, Genossin Gesine Lötzsch aber ausschlägt. Und natürlich war auch der 911er Porsche zu sehen.

Dehm nennt die Debatte „eine Ablenkungsdiskussion. Soll er doch Porsche fahren!“ Das ganze sei eine gesteuerte Kampagne, schließlich sei die Nachrichtenwebseite „Spiegel Online“ ja „der verlängerte Arm der Finanzhaie“. Ausführen durfte er die krude These leider nicht, vielleicht wollte Anne Will Dehm vor sich selber schützen, als sie ihn unterbrach.

Die Talkfrau schaltete zu Tom Buhrow von den Tagesthemen, der Anchorman redete über die Flutkatastrophe in Pakistan, die jeden Tag schlimmer zu werden scheint. Und hier wird die Frage, die Wills Sendung zur Diskussion gestellt hat – „mehr Spenden, mehr Steuern, mehr Gerechtigkeit?“ – klar beantwortet: Spenden sind verdammt wichtig.

Nach Zahlen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen haben die Deutschen bisher nur zwei Millionen Euro für Pakistan gespendet. Nach dem Fernsehabend in der ARD dürften ein paar Euros hinzugekommen sein. Auch wenn viele weiter neidisch sind. Auf den Luxus-Linken im Oldtimer-Porsche.