Musik
"Die Zauberflöte" ist der Renner
Mozarts "Zauberflöte", die meist aufgeführte Oper in Deutschland, gehört zur Adventszeit. Die beiden Charlottenburger Opernhäuser bieten das Märchenspiel an, wobei Günter Krämers Longseller - die Premiere war 1991 - an der Deutschen Oper fantasievoller und verspielter ist als August Everdings klassische Inszenierung (von 1994) an der Staatsoper, die übrigens auf Karl Friedrich Schinkels Bühnenentwürfe aus dem Jahr 1816 zurück greift.
Deutsche Oper, Bismarckstraße 35 Tel. 343 84 343 Termine: 27.11., 4., 15., 27.12. / Staatsoper im Schiller-Theater, Bismarckstr. 110 Tel. 203 545 55 Termine: 1., 5., 8., 16., 19., 26., 26., 28.12. 2010
Der Ballettstar Caravaggio
Startänzer Vladimir Malakhov hat sich die Rolle des zwielichtigen Barockmalers vom italienischen Choreografen Mauro Bigonzetti auf den Leib schneidern lassen. "Caravaggio" ist eine rundum zauberhafte Produktion des Staatsballetts Berlin.
Schiller-Theater, Bismarckstr. 110. Tel. 814 560 340 Termine: 28.11., 2./3., 6., 9., 11., 17. und 22.12.2010
Die dienstälteste Band
Sogar die Ehrfurcht vor dem Alter ist wieder gewachsen. Mit den Jolly Boys besucht die dienstälteste Band der Welt die Stadt. Die Jamaikaner haben bereits 1940 auf der Insel Alt und Jung begeistert. Weil sie auch nicht jünger werden, wagen sie noch einmal eine Reise. Um Generationen zu versöhnen spielen sie Musik von Amy Winehouse und den Rolling Stones.
Sonnabend, 4.12.2010, 20 Uhr, Frannz Club, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, 21 Euro
Rap mit dem Trio Fettes Brot
Um den Streit zu schlichten, ob der deutsche HipHop in Bushido seinen Meister oder seinen schlimmsten Feind gefunden hat, besucht das Trio Fettes Brot wieder die Hauptstadt. Ihr beherzter Rap klingt immer noch so überzeugend, dass auch Grundschüler sie respektieren dürfen. Und zugleich so sprachgewandt und schlau, dass Groß und Klein sie einträchtig begrüßen werden: Yo, Alter!
Fettes Brot, 5.12.2010, 20 Uhr, Columbiahalle, Columbiadamm 13, Berlin 10965, ab 30 Euro
Kunst
Das Malergenie Caravaggio
Caravaggio (1571-1610), der italienische Barockmaler, hat viele römische Kirchen mit seinen kontrastreichen Heiligen-Bildern ausstaffiert. Im 400. Todesjahr wurde er gerade in Italien in zahlreichen Ausstellungen heftig gefeiert. In Deutschland gibt es nur zwei Gemälde des 1610 an Malaria verstorbenen Maler-Bohemien: den jugendlich-sündigen "Armor als Sieger" und den "Ungläubigen Thomas", der seinen Finger in die Wunde Christi bohrt. Bis März sind die beiden nun in der Gemäldegalerie ein Paar auf Zeit! In der Konstellation werden diese zwei Gemälde nie wieder zu sehen sein, denn nach dieser Präsentation wird der "Thomas" aus konservatorischen Gründen nicht mehr reisen.
Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz. Di-Fr 10-18 Uhr. Do 10-22 Uhr.
Seltsame Gesänge im Alten Museum
Im Kuppelsaal des Alten Museums hört man eine ungewöhnliche Stimme. Eine Wärterin singt: "This is Propaganda!". Immer wieder. Nicht verwirren lassen, die Dame ist Sängerin und die Szenerie Bestandteil der lebendigen Miniatur vom zeitgenössischen Künstler Tino Sehgal. Der 34-jährige Künstler will mit Aktionen wie dieser die Berührungsangst vor Museen nehmen. Jetzt steht also einer Besichtigung der Meisterwerke von Schinkel, C.F. Friedrich, Menzel und Liebermann nichts mehr im Wege.
Altes Museum, Bodestr 1-5, Di, Mi, Fr, Sa, So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr. Bis 19. Dezember 2010.
Theater
"Russendisko" in der Volksbühne
Während andere Theater am 24. Dezember geschlossen haben und im Spielplan wahlweise "Ein frohes Fest" oder "Frohe Weihnachten" wünschen, feiert die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz um 21 Uhr "Weihnachten auf Russisch" mit Wladimir Kaminer. Angekündigt sind "Nachtlieder der weißrussischen Partisanen", anschließend geht's weiter mit der "Russendisko" im Roten Salon. Eine Alternative für wenig weihnachtlich gestimmte Singles, also mutmaßlich eine echte Kontaktbörse. Einen Tag vorher kann man sich auf diese Veranstaltung einstimmen, dann läuft in der Volksbühne Frank Castorfs im guten alten Stil des Hausherren inszenierte Tschechow-Bearbeitung "Nach Moskau! Nach Moskau!"
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Tel. 24 06 57 77.
Musical "Linie 1" im Grips Theater
Das Weihnachtsmärchen tut sich eher schwer in einer Stadt, in der ein mittlerweile weltweit geachtetes Jugendtheater eigens gegründet wurde, um Kindern eine Alternative zu allen süßlichen Weihnachtsmärchen zu bieten: Das Grips Theater bleibt seinem Geburtsmotto treu und bietet vor dem Fest mit dem West-Berliner-U-Bahn-Musical "Linie 1" einen Klassiker an (20.-22.12.2010).
Grips Theater, Altonaer Str. 22, Tiergarten. Tel. 39 74 74 77.
Nina-Hoss-Festspiele am DT
Im Deutsche Theater laufen zwischen den Jahren Publikumsknüller: Eingerahmt wird der spielfreie 24. Dezember mit Andreas Kriegenburgs "Diebe"-Uraufführung, die wohl beste Inszenierung unter der neuen Intendanz von Ulrich Khuon. Hier kommt alles Gute zusammen: klasse Stück, tolle Regie, spektakuläres Bühnenbild und wunderbare Schauspieler. Die Inszenierung wird am 23. Dezember wieder aufgenommen und läuft auch am 25. Dezember. Außerdem bietet das Deutsche Theater Nina-Hoss-Festspiele: Vom 20. bis 23. Dezember und Silvester steht die Schauspielerin in "Kinder der Sonne" auf der Bühne, zusätzlich noch am 28. Dezember in "Der einsame Weg", einer Inszenierung des Regisseurs Christian Petzold, der in seinen Filmen auch gern mit Nina Hoss zusammenarbeitet.
Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Tel. 28 44 12 25.
Für Familien
Opernlieblinge für Kinder
Alle drei Opernhäuser machen ein eigenes Angebot an die Kinder. Die Deutsche Oper geht mit Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" auf Nummer Sicher, wohingegen die Komische Oper ihre gerade uraufgeführte "Schneekönigin" ins Rennen schickt. Und die Staatsoper bringt jetzt mit "Der gestiefelte Kater" sogar ihre erste Kinderoper heraus.
Deutsche Oper, Bismarckstr. 35 Tel. 343 84 343 Termine: 24./25.11.2010 (für die ganz Kleinen im Foyer), 12., 17., 23., 23.12.2010
Staatsoper im Schiller-Theater, Bismarckstr. 110 Tel. 203 545 55 bis Ende Dezember 26 Vorstellungen
Komische Oper, Behrenstr. 55-57 Tel. 479 974 00 Termine: 2.-4., 7., 21., 25.12.2010
Der ziemlich schräge Struwwelpeter
Das Maxim Gorki Theater hat sich in der Weihnachtszeit immer wieder mal an seine russischen Gründungswurzeln erinnert und entsprechende Märchen aus dem östlichen Kulturkreis gespielt. In diesem Jahr ging der Blick nach Westen zu "Shockheaded Peter", diese schräge Struwwelpeter-Version der Tiger Lillies. Die allerdings zum Fest durchaus passt, denn "Struwwelpeter"-Autor Heinrich Hoffmann schenkte die Geschichten seinem dreijährigen Sohn zu Weihnachten. Die Inszenierung ist nichts für zartbesaitete Seelchen, aber ein ziemlicher Spaß für Menschen ab 14 - so die offizielle Altersbeschränkung des Theaters. Die Show läuft am 9. und 23. Dezember 2010 und am 2. Januar 2011.
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Tel. 20 22 11 15.
Rentiere im Hamburger Bahnhof
Im Hamburger Bahnhof sind die Rentiere los, und somit wirkt die gesamte Historische Halle wie ein weihnachtliches Gehege. Kanarienvögel zwitschern in großen Volieren, Stubenfliegen hocken in gläsernen Behausungen und Mäuse sind auch zu entdecken. Die für ein Museum außergewöhnliche Rauminstallation heißt "Soma" und stammt von Carsten Höller, der diese tierische Versuchsanordnung entwickelt hat, um dem Rezept des heilsbringenden mythischen Trunkes "Soma" nachzugehen. Seit Eröffnung zählt das Museum am Hauptbahnhof doppelt so viel Besucher wie sonst, mit glücklichen Eltern, wie man hört, weil die Kinder freiwillig ins Museum mitkommen.
Hamburger Bahnhof, Invalidenstr. 50-51. Tel. 266 42 42 42. Di-Fr 10-18 Uhr. Sa 11-20 Uhr. So 11-18 Uhr. Nachts im Museum Tel. 26 39 48 82.
Zusammengestellt von Gabriela Walde, Stefan Kirschner, Michael Pilz, Volker Blech




