Schlager

Annett Louisan und die lolitahafte Liedermacherei

Annett Louisan besingt "In meiner Mitte" eine Gesellschaft ohne Wurzeln. Von ihrem Ausflug in die Sechziger ist sie zurück.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/dpa

Die Innere Mitte scheint die letzte Utopie zu sein, die auf dem Markt ist. Aber wie kommt man da hin? Durch Yoga, Landflucht, Berlin-Mitte oder deutschen Kleinkunst-Pop? Annett Louisan singt unter anderem: "In meiner Mitte, liebe Experten, wie soll ich es erklären, ich hab da Synapsen, die nur funktionieren in Korrelation mit einem bestimmten Geräusch auf meinem Funktelefon ... In meiner Mitte bin ich ein Zirkuskind, dem seine Wurzeln abhanden gekommen sind ..."

Sie weiß es also auch nicht. Dafür wird im Walzertakt geschaukelt, mit Posaunen, Mandolinen, Jazzbesen und Standbass. Damit ist Annett Louisan wieder dort angekommen, wo sie aufgebrochen war, in der lolitahaften Liedermacherei.

Vor sieben Jahren haben Lieder wie "Das Spiel" die deutsche Popmusik verniedlicht und entschleunigt. Die Gesänge einer winzigen Sängerin mit riesigen Augen, sie kam aus der Altmark und trug Baskenmützen. Zuletzt hatte sie sich optisch und akustisch in den Sechzigern verirrt. Nun ist Annett Louisan zurück im Serenaden-Schlager. Zwischen nachdenklicher Poesie von Ulla Meinecke und Wiglaf Drostes Schmunzellyrik, mittendrin.

Einer von fünf Punkten.

Annett Louisan: "In meiner Mitte" (Sony Music)