Das Hamburger Völkerkundemuseum ist in einen Kunst-Krimi verwickelt, der bis ins Reich der Mitte für Wirbel sorgen könnte. Sind die weltberühmten chinesischen Terrakotta-Figuren in der Schau „Macht im Tod“ echt oder gefälscht? Sollten sich die Anschuldigungen des Kulturmanagers Roland Freyer bewahrheiten, wäre das ein einmaliger Skandal in der Hamburger Museumsgeschichte.

Der Leipziger Experte hat 2005 in Markkleeberg bei Leipzig selber eine Ausstellung mit den Tonkriegern des ersten chinesischen Kaisers (259 bis 210 v. Chr.) organisiert. Jetzt behauptet er, die acht Figuren in Hamburg seien gefälscht, echte Terrakotta-Krieger gebe es in Europa derzeit nur im Britischen Museum in London zu sehen.


Eindeutige Beweise müssen her

Freyer beruft sich darauf, dass er der einzig autorisierte Partner der chinesischen Denkmalbehörde in Xi'an sei. „Die Behörden dort wissen überhaupt nichts von einer Ausstellung in Hamburg“, behauptet er.

Außerdem seien die 2200 Jahre alten Figuren per Schiff nach Hamburg gekommen und dort ohne chinesische Begleitung aufgebaut worden - für Freyer ein weiterer Beweis für Fälschungen. Der Kunstmanager liegt jedoch schon seit Jahren mit dem Leipziger Center of Chinese Arts and Culture (CCAC), das die Schau in Hamburg konzipiert hat, im Clinch.


Wechselseitige Strafanzeigen führten zu Ermittlungsverfahren, die nach Angaben der Leipziger Staatsanwaltschaft jedoch alle eingestellt wurden - ohne festzustellen, wer recht hat.


Yolna Grimm, Sprecher der CCAC, behauptet dagegen: „Die Objekte sind Mitte November aus China ausgeführt worden, mit allen Papieren.“ Das könne seine Firma auch belegen. Dem Direktor des Museums für Völkerkunde, Prof. Wulf Köpke, der die Ausstellungsmacher nach Hamburg brachte, scheinen diese Belege jedoch nicht auszureichen.

„Die Unterlagen waren unübersichtlich“, sagte Köpke. Die CCAC habe nun bis zum 14. Dezember Zeit, eindeutige Beweise für die Echtheit der Figuren vorzulegen.

Chinesen müssten Bohrung zustimmen

„Wir haben einen Anwalt eingeschaltet“, sagte Geschäftführer Thorsten Pück am Freitag. Experten aus China sollen nun nach Hamburg kommen und die Echtheit der Figuren bestätigen. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das ein Schlag für das Museum - sowohl aus Imagegründen, als auch aus finanzieller Sicht. Aber auch nach einem Besuch der chinesischen Behörden in Hamburg dürfte die Echtheit der Figuren kaum endgültig klar sein.

Der ehemalige Ausgrabungsleiter Prof. Yangmin Han war bei der Ausstellungseröffnung Ende November bereits in Hamburg. Und auch derchinesische Generalkonsul Ma Jinsheng wurde eingeschaltet, als sich die Ausfuhr der Figuren zunächst verzögerte. Bleibt das Rätsel um die Terrakotta-Krieger also ungelöst? - Das könnte gut möglich sein.

Es sei schwer zu überprüfen, ob die Figuren echt oder gefälscht sind, sagte Köpke. „Mit dem bloßen Auge kann man nicht erkennen, ob das Originale sind.“ Gute Fälschungen machten eine Analyse schwierig. Wenn, dann müssten die Figuren angebohrt werden - was ohne die Zustimmung der Chinesen kaum möglich ist.

dpa/juw