Hollywood

Spielberg dreht jetzt Filme für Bollywood

Das Bündnis der großen Mogule beginnt: Regisseur Steven Spielberg hat nach dem Niedergang seines Filmstudios DreamWorks die Buchhaltermentalität der US-Konzerne satt. 500 Millionen Dollar für seine Filme kommen nun von einem der reichsten Inder. Und auch andere US-Stars halten die Hand auf.

Die Suche nach Geburtstagsgeschenken im Hause Ambani in Bombay ist immer problematisch, weil die Beteiligten schon fast alles haben. Mukesh Ambani jedenfalls verehrte seiner Nita zum 50. Wiegenfest einen Airbus 319, und sie revanchierte sich, indem sie zu des Gatten 50. Geburtstag von Bollywood-Stars einen Film über sein Leben drehen ließ; solch ein Präsent erhält in Deutschland nur Reinhard Mohn vom Bertelsmann-Vorstand.

Mukeshs Bruder Anil wiederum hat jetzt dafür gesorgt, dass sich seine Frau Tina nicht zurückgesetzt fühlt: Sie darf fortan auf den Empfängen der Hollywood-Royals Champagner nippen – pumpt ihr Mann doch eine halbe Milliarde Dollar in die nächsten Steven-Spielberg-Filme.


Man könnte das HollyBolly-Bündnis wunderbar als Seifenoper inszenieren, vor allem von indischer Seite. Die Personage: ein Patriarch, der den Söhnen das größte Konglomerat des Subkontinents hinterlässt, Öl, Supermärkte, Telekommunikation; zwei Brüder, die sich zerstreiten und das Erbe teilen: das Medienreich an Anil, der Rest für Mukesh; eine frühere Miss-Bikini-Gewinnerin aus armem Hause, die erst Bolly-Sternchen und dann Mrs. Anil Ambani wurde und nun im Triumph in jenes Kalifornien zurückkehrt, das sie bei ihrem ersten Aufenthalt vor 20 Jahren wie Luft behandelte – und nicht zuletzt ein Filmkünstler namens Spielberg, der sich von den Dollarzählern der Medienkonzerne gedemütigt fühlte und ihnen bald eine lange Nase dreht.

Sein Studio Dreamworks musste verkauft werden

Spielbergs Traum vom eigenen Studio war 1994 in Erfüllung gegangen, als er mit Jeffrey Katzenberg und David Geffen DreamWorks gründete, und er war zerstoben, als sich ihr kränkelndes Kind 2006 an das Paramount-Studio verkaufen und damit unters Dach des Viacom-Konglomerats begeben musste. Dort sind Spielberg offenbar alle Illusionen abhanden gekommen, dass es in einem Konzern mehr als die Gewinnmarge geben könnte, gute Filme etwa.

Ein Murmeln des Missvergnügens war aus DreamWorks schon vorigen Herbst zu hören, und der Viacom-Geschäftsführer Phillippe Dauman reagierte auf seine Art: Einem Investorenpublikum teilte er mit, der mögliche Verlust der Spielberg-Firma würde für den Konzern „vollkommen unerheblich“ sein. Damit mochte er aus Buchhaltersicht sogar Recht haben, von der runden Milliarde, die Paramount dieses Jahr bisher verdient hat, stammen nur fünf Prozent von der Tochter DreamWorks.

Daumans Bemerkung jedenfalls soll den Traumwerkern die Zornesröte ins Gesicht getrieben und ihre Suche nach dem Ausgang verstärkt haben. Hollywood hat im vergangenen Jahrzehnt erfolgreich in branchenfremden Finanzrevieren gewildert und insbesondere die deutsche Cash-Kuh trocken gemolken: Allein 2003/04 sollen hiesige Filmfonds fast drei Milliarden Dollar eingesammelt und damit bis zu einem Fünftel der Hollywood-Produktion finanziert haben.

Schluss mit "stupid German money"

Dieses Steuerschlupfloch hat der Berliner Finanzminister inzwischen verstopft, und nun braucht man Ersatz für das „stupid German money“, wie es in der Filmmetropole verächtlich genannt wurde, da der Einfluss der Geldbriefträgers sehr begrenzt war. Die Frage bleibt, ob aus den Ambani-Millionen „stupid Indian money“ wird. Auch der neue Kreditgeber ist Außenseiter im eng gestrickten Hollywood-Netzwerk, obwohl Ambanis „Reliance ADA Group“ großes Know-how in den neuen Medien besitzt.

Jedenfalls sind die Inder in rasendem Tempo dabei, Wissen und Einfluss zu shoppen. Vor zwei Jahren kaufte sich Reliance bei der in Los Angeles ansässigen Firma „Hyde Park Entertainment“ ein, die dem Exil-Inder Ashok Amritraj gehört; Tennisfans erinnern sich an dessen Bruder Vijay, Indiens einzigen Weltklassespieler. Der erste Reliance/Hyde Park-Film „Street Fighter“ kommt im Februar ins Kino.


Anfang 2007 vereinbarte Reliance mit MTV India die Herstellung von Teenager-Filmen für den indischen Markt, kurz darauf übernahm Ambani 250 Kinoleinwände in amerikanischen Großstädten, auf denen Bollywood Hollywood ersetzte. Vor einem Monat in Cannes enthüllte Reliance ein ehrgeiziges Produktionsprogramm für 69 indische Filme mit Budgets von einer bis zu 40 Millionen Dollar.


Noch einen zweiten, größeren Coup hielt Reliance für Cannes bereit: Man werde gemeinsam mit den Firmen von George Clooney, Nicolas Cage, Jim Carrey, Tom Hanks, Brad Pitt, Jay Roach und Chris Columbus Filme entwickeln und finanzieren. Alles zusammen genommen klingt das eher nicht nach „stupid Indian money“, obwohl die Gesamtinvestition wahrscheinlich unter den deutschen Milliardenspenden an Hollywood liegt.

Für die große Fusion ist es noch zu früh

Bereits die Verschmelzung der beiden größten Filmindustrien der Welt zu verkünden, dafür ist es dennoch viel zu früh. Die indische Seite sucht einfach zukunftsträchtige Investitionsobjekte für ihr überquellendes Kapital; der Wert von Reliance wird auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. Das Ziel von Spielberg, Geffen und Katzenberg ist die Befreiung aus der viacomschen Gefangenschaft. Dazu benötigen sie noch weitere rund 500 Millionen, um auch sämtliche Rechte an ihren Werken zurückkaufen zu können. Katzenberg mit seiner "DreamWorks Animation" kommt erst 2012 aus seinem Paramount-Vertrag heraus.

Der Kampf Steven Spielbergs um finanzielle – und damit künstlerische – Unabhängigkeit erinnert an den von Woody Allen. Der flüchtete vor zehn Jahren unter die Fittiche von – ausgerechnet – DreamWorks. Als man ihm nach drei Filmen auch dort Vorschriften zu machen begann, suchte er sein Glück, wie nun Spielberg, jenseits Amerikas. „Geldgeber sind merkwürdige Menschen. Statt mir mein Budget bar in einer Plastiktüte zu geben und mich dann in Ruhe zu lassen, wollen sie immer wissen, wovon meine Filme handeln. Oder wer mitspielt“, sagt Allen dem Magazin „Cicero“ in dessen Juliausgabe. Künstler und Banker sollten sich nur bei Premieren treffen: „Ansonsten gibt es nichts zu besprechen.“