Er ist omnipräsent. Er wirbt für Saturn. Er dreht einen Vampirfilm. Er hat eine neue Live-CD/DVD herausgebracht und arbeitet schon an einem neuen Album. Und er tourt durch Deutschland. Mit seiner spektakulären Rockoper „Theatre Of Death“ gastiert er am heutigen Montag in Berlin und lässt darin seine 40-jährige Karriere Revue passieren.
Morgenpost Online: Was erwartet uns heute Abend? Versuchen Sie, Ihre Live-Spektakel immer verrückter zu gestalten?
Alice Cooper: Die neue Show ist theatralischerer als alles, was ich jemals zuvor gemacht habe. Ich werde allein vier Mal auf der Bühne getötet. Einmal reicht bei mir nicht mehr. Ich glaube, die Leute werden ihren Spaß haben. Die Musik stammt aus allen Phasen meiner Karriere. Die Herausforderung war, die unterschiedlichen Songs so zu verbinden, dass sie eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Momentan sind wir mitten in einer US-Konzertreise mit Rob Zombie. Ich nenne es spaßhaft die Schauerpärchentournee.
Morgenpost Online: Wie wird Alice Cooper ins Jenseits befördert?
Alice Cooper: Ich werde etwa in eine Kiste gesperrt und von einer sexy Krankenschwester mit vergifteten Riesennadeln durchbohrt. Auch lasse ich mich gern köpfen oder aufhängen. Aber ich komme immer wieder.
Morgenpost Online: Keine Angst, dass mal etwas schiefgeht?
Alice Cooper: Ein Restrisiko bleibt immer. Man ist nie davor gefeit, dass ein Trick einmal misslingt. Aber wir machen das jeden Abend und ich denke, wir sind dabei ganz gut.
Morgenpost Online: Neben Ihrer Band wirken zurzeit auch Ihre Frau und Ihre Töchter mit. Ist die Rockoper als Familienunterhaltung angelegt?
Alice Cooper: Nein. „Theatre Of Death“ ist eine perfekte Mischung aus Theater und Rock-Konzert. Ich habe jahrzehntelang Konzerte gegeben, bei denen ich einen Song nach dem sang. Jetzt will ich mehr: Ich will singen und Geschichten erzählen. Meine Tochter Calico ist leider in Europa nicht dabei, weil sie als Stand-up-Comedian arbeitet.
Morgenpost Online: „Theatre Of Death“ ist eine Zusammenarbeit mit Robert Jess Roth. Er inszenierte das Disney-Musical „Beauty and the Beast“. Wollen Sie etwa an den Broadway?
Alice Cooper: Darüber denken wir bereits nach! Ich habe mich zum ersten Mal in die Hände eines richtigen Regisseurs begeben. Mein alter Freund Robert hat bereits meine letzten beiden Tourneen betreut und Elton Johns Musicals „Elaborate Rice“ und „The Vampire Lestat“ an den Broadway gebracht. Im Gespräch ist übrigens auch eine Broadway-Version meiner „Welcome To My Nightmare“-Show.
Morgenpost Online: Diese legendäre Show verursachte in den 70ern einen handfesten Skandal. Wie reagiert das Publikum heute auf Alice Cooper?
Alice Cooper: Heutzutage ist es fast unmöglich, die Leute mit einer Rockshow zu schocken. Alles Schreckliche, was auf der Welt geschieht, ist im Internet zu sehen. 1975 war einfach eine unschuldigere Zeit. Ich will mit meinem Cabaret des schwarzen Humors nur noch unterhalten, versuche aber, das Ganze immer spektakulärer zu machen.
Morgenpost Online: Letztes Jahr wurde eine geplante Show in Finnland abgesagt, weil sie angeblich religiöse Gefühle verletze. Nimmt man Alice Cooper zuweilen etwas zu ernst?
Alice Cooper: Unsere Show ist Hardrock, Horror und Comedy. Ein Kritiker schrieb kürzlich über mich: „Alice Cooper ist kein satanischer Rocker.“ Mir geht es eher darum, den Teufel zu verspotten. Aus meiner Sicht der beste Weg, mit ihm umzugehen.
Morgenpost Online: Sie arbeiten an einer neuen Studioplatte. Was können Sie darüber schon verraten?
Alice Cooper: „The Night Shift“ ist ein Konzeptalbum über einen DJ, der eine düstere Radioshow moderiert. Jeder Song stammt von einer anderen fiktiven Band. Irgendwann merkt man, der Kerl ist mehr als nur DJ. Für das Album tat ich mich wieder mit Bob Ezrin zusammen. Er produzierte in den 70ern meine ersten sieben Alben.
Morgenpost Online: Sie wirken in der Vampir-Komödie „Suck“ mit – neben Iggy Pop, Moby und Henry Rollins. Wie waren die Dreharbeiten?
Alice Cooper: Es war sehr lustig mit ihnen. Vor allem, weil der Regisseur Rob Stefaniuk Iggy, Moby und Henry konsequent gegen den Strich besetzt hat. Iggy mimt einen Studiobesitzer, Moby einen Heavy-Metal-Sänger und ich selbst spiele einen Barkeeper, der sich als ältester und meistgefürchteter Vampir entpuppt.
Morgenpost Online: Der Film handelt von einer Band auf der Suche nach Unsterblichkeit ist. Hängt Ihnen der Ruhm manchmal zum Halse raus?
Alice Cooper: Ich bin jetzt 62 und seit etwa 40 Jahren berühmt. Für mich ist das Normalität. Ich versuche, den Ruhm nicht als Privileg zu sehen. Für mich gibt es keinen Grund, mich wie eine Diva zu benehmen.
Das Album: Alice Cooper: Theatre Of Death (DVD + CD, Universal)
Das Konzert: Max-Schmeling-Halle, 8. NOvember 2010, 19 Uhr











