Neues Material

Franz Ferdinand spielen wie die Kinks auf Speed

So glamourös kann sich Dünnheit anfühlen: Die Disco-Rocker von Franz Ferdinand gelten momentan zu Recht als eine der aufregendsten Gitarren-Bands. Im Januar wird ihre neue CD erscheinen. Beim einzigen Deutschlandkonzert ihrer Welttournee stellten sie in Berlin bereits neues Material vor. Taugt das was?

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Franz Ferdinand gehören zu den wenigen Bands, die so aussehen wie sie klingen. Lange, schmächtige Menschen sind die vier Herren aus Glasgow. Hautenge Hosen tragen sie, ordentliche Hemden oder T-Shirts und schön gescheitelte Frisuren. Vor allem die Erscheinung des Sängers Alex Kapranos zeichnet sich durch eine erstaunliche Drahtigkeit aus. Und so fettfrei, so knochig, so zackig wie Franz Ferdinand erscheinen – so musizieren sie auch und zeigen, wie glamourös sich Dünnheit anfühlen kann.

Mit ihrer überaus tanzbaren Interpretation von Rockmusik haben sie sich in den vergangenen Jahren zu einer der namhaftesten Bands der jüngeren Generation entwickelt. Schon nach einer famosen Debüt-CD „Franz Ferdinand“ (2004) und einem sehr guten zweiten Album „You Could Have It So Much Better“ (2005) können sie das historische Verdienst für sich verbuchen, das Feld der Discomusik für klassische Gitarrenbands endgültig erschlossen zu haben.

Im Januar 2009 wird Franz Ferdinands drittes Werk „Tonight: Franz Ferdinand“ erscheinen. Bevor der PR-Rummel richtig losgeht, ist die Band jetzt schon mal auf Welttournee, mit einigen Konzerten in Europa und nur einem in Deutschland, am vergangenen Montag im restlos ausverkauften Kesselhaus der Kulturbrauerei in Berlin.

Wichtigste Frage: Was taugt das neue Material? Die Antwort darauf wollten Franz Ferdinand nur teilweise geben. Immerhin fünf Stücke spielten sie vom neuen Album, die allein schon dadurch auffielen, dass Gitarrist Nicholas McCarthy seinen Arbeitsplatz für diese Werke an die Orgel verlegte.

Allerings hat sich bei den neuen Songs am grundlegenden Franz-Ferdinand-Sound wenig geändert: treibende Rhythmen, krachende Riffs, pfiffiger Chorgesang und Songs, die in drei Minuten direkt auf Punkt kommen, dabei immer noch aufregend abwechslungsreich sind und in jeder Sekunde einen glamourösen wie unkontrollierbaren Sex-Appeal verbreiten. Franz Ferdinand klingen bisweilen so, als hätte man den Kinks etwas Speed gegeben und sie anschließend in ein Discozelt gejagt. Großartig also.

Dabei erstaunt bei Franz Ferdinand nach wie vor die musikalisch genaue Live-Umsetzung des Materials. Taktgenau spielen sie, schnörkellos, „tight“ eben. Eigenschaften, die sie von so vielen ihrer rockenden Zeitgenossen unterscheiden, die meistens ein „The“ im Bandnamen führen. Insofern war es der bemerkenswerteste Zwischenfall des Abends, als beim neuen „Send Him Away“ Bassist Robert Hardy seinen Einsatz vermurkste – bei Franz Ferdinand ein Unding.

Den Namen entlieh die deutsch-affine Band übrigens dem ungarisch-österreichischen Erzherzog, dessen Ermordung den Beginn des Ersten Weltkriegs auslöste. In einem ihrer besten Songs „Darts Of Pleasure“ singen sie „Ich heiße superfantastisch! Ich trinke Schampus mit Lachsfisch!“ Ausgerechnet diese Zeilen blieben sie dem Berliner Publikum schuldig, was bei ihrem qualitativ so hochwertigen Oeuvre freilich wenig auffällt.

Denn über ein Wunderwerk wie „Take Me Out“ kann man nach wie vor staunen. Es vollbringt das Kunststück, als flotter Rocksong zu beginnen und durch schrittweise Tempoverzögerung in einen unwiderstehlichen Stampf-Funk überzugehen. Wer zu solchen Kompositionen fähig ist und dabei auch noch junge Frauen zum Tanzen bringt – dem gehört die Zukunft. Franz Ferdinand dürfen sich auf ein wunderbares Jahr 2009 freuen.

Der Mitschnitt des Konzertes soll im Januar 2009 auf DVD erscheinen.