Nach den Protesten

Ägypten will weiter Nofretete von Berlin zurück

Kurz vor Beginn der Massenproteste in Ägypten war der Streit um die Büste der Nofretete eskaliert. Ägyptens Chefarchäologe schickte ein Rückgabegesuch nach Berlin - angeblich im Namen der Regierung. Nun meldet er sich zurück.

Der Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, will weiterhin von Deutschland die Rückgabe der weltberühmten Nofretete-Büste an Ägypten fordern. „Ja, das werde ich. Dieser Kampf geht weiter“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die Lage in Ägypten sei längst wieder sicher. Die Büste der schönen Königin ist das Glanzstück des Neuen Museums in Berlin. Hawass fordert seit längerem die Rückgabe der 3500 Jahre alten Gipsbüste.

In Kairo war auf dem Höhepunkt der Proteste und Unruhen am 28. Januar ins Ägyptische Museum eingebrochen worden. Dadurch stellte sich verstärkt die Frage nach der Sicherheit einer der bedeutendsten Altertümer-Sammlungen der Welt.

Hawass sagte im „Spiegel“, acht Stücke des Museums fehlten noch, darunter eine vergoldete Tutanchamun-Statue. 70 Exponate seien beschädigt worden, 20 von ihnen seien in äußerst schlechtem Zustand.

In einer Ausgrabungsstätte in Sakkara südlich von Kairo sei außerdem eine Grabkammer aufgebrochen worden. „Insgesamt müssen wir Gott danken, dass diese Katastrophe halbwegs glimpflich abgelaufen ist“, sagte er.

Die Büste der Nofretete - Ehefrau des Pharaos Echnaton - war 1912 von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchardt in Tell al-Amarna ausgegraben worden. Der damalige preußische Staat wurde durch sogenannte Fundteilung zum Eigentümer. Hawass ist der Auffassung, Borchardt habe die Verantwortlichen in Kairo damals getäuscht.

Vor den Protesten in Ägypten hatte Hawass behauptet, ein Brief mit der Rückgabe-Forderung sei an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, geschickt worden. Ministerpräsident Ahmed Nazif habe die Forderung unterzeichnet. Das aber ist offenbar falsch: Der Brief wurde lediglich von Hawass selbst unterzeichnet, als stellvertretender Kulturminister. Die Regierung Ägyptens venthielt sich auch vor dem Sturz Mubaraks einer direkten Beteiligung an dem Streit um Nofretete.