Irgendwann war die Szene einfach in Cordula Stratmanns Kopf: Sabine, die gerade von ihrem Göttergatten Dieter erwürgt worden ist, liegt tot im Flur und sorgt sich um ihr lädiertes Äußeres, bevor es zu einem für Sabine unappetitlichen Aufenthalt in die Pathologie geht. Auf einer Lesung in Bonn war kein Geringerer als Publizist und Moderator Roger Willemsen überaus begeistert von dem Zwanzig-Seiten-Manuskript. „Er meinte, wenn du das nicht weiter schreibst, kündige ich dir die Freundschaft“, erinnert sich Cordula Stratmann lachend. Doch die Komikerin gab erst einmal anderen Projekten den Vorzug. „Roger hat aber weiter nachgefragt. Also habe ich mir vor einem Jahr gesagt, dass ist jetzt dein Hauptprojekt. Das war gar nicht so einfach, denn wenn ich nicht gerade fürs Fernsehen drehe, bin ich Mama.“
Geschrieben wurde daher von zehn bis drei Uhr nachmittags, wenn Söhnchen Emil im Kindergarten war. „Ich war selbst überrascht, was da am Ende des Tages zu lesen war. Die Geschichte ist mir quasi aus dem Kopf auf die Tasten gefallen“, verrät die 46-jährige Rheinländerin. Herausgekommen ist Cordula Stratmanns erster Roman „Sie da oben, er da untern“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 14,95 Euro), den sie nun am Sonnabendnachmittag auf einer Lesung in den Berliner Wühlmäusen vorstellt.
Den Tod nüchtern und biologisch zu betrachten, ist Cordula Stratmann in ihrem Buch allerdings zu trist. „Nachdem das Leben so aufwendig war, fressen uns dann die Würmer auf? Nee. Ich habe eine Bestellung nach oben aufgegeben, damit der Himmel uns mal viele Wünsche erfüllt“, sagt sie. Ihr Himmel ist das reinste Paradies und hat absolut nichts Religiöses, obwohl Jesus und Gott wichtige Rollen spielen. Sie müssen allerdings erst einmal ihr kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis aufarbeiten.
In solchen Momenten ist Cordula Stratmann absolut witzig. Die studierte Sozialarbeiterin ist schließlich auch ausgebildete Familientherapeutin. Anfang der Neunziger entdeckte sie die Comedy für sich, spielte in der Kabarettgruppe „Fatal Banal“ und dachte sich 1992 für eine Karnevalssitzung die Figur der Annemie Hülchrath aus, die ihr den Durchbruch in der Kult-Reihe „Zimmer frei“ brachte. Ihr großes Talent als schlagfertige Komikerin bewies Stratmann zudem als Hauptmieterin in der TV-Improshow „Schillerstraße“.
Fans der preisgekrönten Künstlerin bedauern es allerdings immer wieder zutiefst, dass nach dem ersten Bühnenprogramm „Andererseits wiederum“ 2001 kein zweites folgte. Cordula Stratmann leidet unter großem Lampenfieber, wie sie unumwunden zugibt. „Außerdem bin ich nicht gern unterwegs. Für manche Kollegen ist eine Tournee Rock'n'Roll. Für mich nicht.“
Die Lesungen schaffen in gewisser Weise Abhilfe. Wenngleich der Roman durchaus seine Längen hat, ist es der Stratmann-typische lakonische Humor, der sofort gefällt. Ihr macht es Spaß, Erwartungen auch mal nicht zu erfüllen, obwohl vermutlich alle Leser ihren Himmel lieben, der keinen Wunsch unerfüllt lässt und mit zahlreichen ehemaligen Prominenten bevölkert ist. So schließt Sabine Freundschaft mit einer herrlich abgeklärten Hildegard Knef, deren Ton Stratmann punktgenau trifft.
Natürlich geht es auch um die schwer in Schieflage geratene Beziehung von Dieter und Sabine. „Das Verbot sich gegenseitig umzubringen, ist glücklicherweise stark in uns verankert. Sonst würde es wohl mehr Beziehungstote geben“, findet die Autorin. „Man muss sich nur umgucken. Viele Paare strahlen eine solche Langeweile aus, dass man sich wundert, warum sie überhaupt zusammen sind.“ Ein probates Rezept für Beziehungen gibt es für Cordula Stratmann nicht. Sie – oder auch die Familientherapeutin – empfiehlt: „Nicht nach dem Falschen greifen!“
Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Berlin-Charlottenburg. Tel.: (030) 30673011. Termin: 6. November 2010, 16 Uhr.





