Nachruf

Ilja Richters Liebeserklärungen an Peter Alexander

Ilja Richter, selbst Schlagerstar der 70er Jahre und Moderator, schmetterte schon als Kind die Lieder von Peter Alexander. Schließlich durfte er seinem Idol sogar gegenüberstehen und immer wieder erklärte er ihm seine Liebe - unter dem Deckmantel der Ironie.

„Irgendwo brennt für jeden ein Licht“… hieß ein nicht ganz so berühmtes Lied von Peter Alexander; geschrieben in einer Zeit, als Schlager noch nicht Songs hießen und ein Wettbewerb nicht gleich ein Contest war.

Im Kontext dazu gleich rückblickend zur Geschichte des Verstorbenen den Vermerk: Bewerben musste er sich in diesen erfolgsträchtigen 60 Jahren nur zu Anfang.

In den frühen Fünfzigern war’s. Da beginnt die Geschichte des Peter Alexander Neumayer aus der Wiener Sechsschimmelgasse 4, der auszog, die Deutschen das Lächeln zu lehren.

Wieder zu lächeln, nachdem in Goebbels Durchhalte-Kintopp alles immer ein bisschen zu laut belacht worden war, kann eh am besten ein Wiener. Schließlich war der letzte Deutschland prägende Österreicher immer nur dann komisch, wenn ihn Chaplin parodierte.

Dieser Künstler hat meine Kindheit tief geprägt. Ich hatte in der Kölner Arme-Leute-Kneipe meiner Eltern alle Alexander-Hits gut drauf; da war ich sieben Jahre alt. Meine Eltern hatten Ende der fünfziger Jahre, wie so viele Berliner damals, aus Angst vor einer zweiten Blockade durch die Russen, die Stadt verlassen.

So hielt ich, kaum in Tischhöhe, die Wacht am Rhein mit Alexanders „Kirschen in Nachbars Garten“ und sang zur Musikbox von den „großen Tieren“, die immer die süßesten Früchte bekämen. Ich schmetterte in all dem Dreck des Kneipenhinterhofs, auch ohne Musikbox und ungebeten „Mandolinen und Mondschein“.

Einer meiner ersten Kinobesuche hatte mich in dieses Lachwerk mit dem gleichnamigen Titel geführt. Auch Mama und Papa waren begeistert. Für mich war das ein Lehrfilm: Ein Wiener singt prinzipiell, kann Mandoline spielen und rollt, auch bei Mondschein, mit leicht rollendem R über jede Katastrophe lächelnd hinweg.

Knapp 20 Jahre später, durch „tolle Tanten“-Kino und ersten Disco-Ruhm der Armut entronnen, durfte ich nun als der jüngste von 50 Stars in einer Peter-Alexander-Show auftreten. In Köln noch dazu. Bevor ich das tat, besuchte ich mit den Eltern die Elendskneipe in Köln-Nippes; lief durch den versifften Gang Richtung Hinterhof zur Toilette; wo die fehlende Kette der Klospülung durch einen alten Damen-Nylonstrumpf ersetzt worden war. Irgendwo brennt für jeden ein Licht? Ein Schlager muss lügen, sonst wird er keiner.

Herrn Alexander hab ich nichts von der Klospülung erzählt. Ich war einfach nur glücklich, im Jahr 76 meinem Idol aus Kindertagen nah zu sein. Als Gast in seiner Show. Nah gekommen sind wir uns dennoch nicht. Weder privat noch beruflich. Das ist normal mit Idolen.

Nichts desto trotz habe ich in meiner Disco-Show zwischen Hardrock und süßer Schnulze dem großen Alexander immer wieder eine Liebeserklärung gemacht. Mit Ironie als Deckmantel. In meinem samtenen Tarnanzug mit Sonntagsfliege. So kam ich durch und setz auch jetzt ein trauerndes Licht in die sich, ach, so cool gebende Medienlandschaft:

Der Mozart hätt als Papageno P.A. Herrn Schikaneder vorgezogen.

Weil Peter liebenswürdig leicht war und kein seichter Schlagerproduzent.

Nun ist der auch nicht immer Schnulzenfreie weggeflogen…

Zum alten Herrn Kanzleirat… im Vierundach’zger Joahr.

Im kalten Februar.