Grüner Hügel 2010

Bayreuth widmete Schlingensief letzte Aufführung

"Die Meistersinger von Nürnberg" beschlossen die Bayreuther Festspiele 2010. Für die nächste Saison gibt man sich optimistisch.

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Die Bayreuther Festspiele richten den Blick in die Zukunft. Im kommenden Jahr feiert bei den 100. Richard-Wagner- Festspielen der neue „Tannhäuser“ in der Regie von Sebastian Baumgarten Premiere, dirigiert wird das Werk von Thomas Hengelbrock. Und 2013, zum 200. Geburtstag des Komponisten, wird „Der Ring des Nibelungen“ neu inszeniert. „Die Meistersinger von Nürnberg“ in der Inszenierung von Katharina Wagner standen am Samstag als letzte Aufführung auf dem Programm der Saison 2010.

Nach fünf Wochen ganz im Zeichen von Richard Wagners Werken hob Festspielsprecher Peter Emmerich eine harmonisch verlaufene Saison hervor. Die quälenden Diskussionen um die Nachfolge des inzwischen gestorbenen Wolfgang Wagner scheinen tatsächlich vergessen zu sein.

Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier bemühen sich als neue Festspielchefinnen weiterhin um frischen Wind auf dem „Grünen Hügel“: Auch in diesem Jahr war die Live-Übertragung einer Wagner-Oper ein Spektakel mit großem Publikumszuspruch auf dem Bayreuther Volksfestplatz. Ebenso erfolgreich lief das Projekt „Wagner für Kinder“, bei dem es in diesem Jahr für den Opern- Nachwuchs eine Kurzfassung des „Tannhäuser“ zu sehen gab.

"Schlingensiefs "Parsifal“ war eine Art Katalysator"

Erschüttert war man auch in Bayreuth über den Tod des Regisseurs Christoph Schlingensief. Ihm war die letzte Aufführung der Saison gewidmet. „Schlingensief hat vieles in Bewegung gesetzt“, sagte Emmerich. Schlingensief hatte 2004 in Bayreuth mit seiner „Parsifal“- Inszenierung für Wirbel gesorgt.

Dass Wolfgang Wagner den als Theater-Provokateur bekannten Regisseur auf den „Grünen Hügel“ holte, galt als Sensation. „Christoph Schlingensiefs „Parsifal“ war eine Art Katalysator“, beschrieb Emmerich die Bedeutung des enfant terrible für den Bayreuther Festspielbetrieb.

Die 99. Wagner-Festspiele waren Ende Juli mit dem „Lohengrin“ in der Neuinszenierung von Hans Neuenfels gestartet - viel Prominenz war traditionell wieder dabei, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Neuenfels sorgte für Aufsehen, weil er den Festspielchor als verkleidete Ratten auftreten ließ; großes Lob und große Aufmerksamkeit ernteten der Tenor Jonas Kaufmann bei seinem Bayreuth-Debüt als Schwanenritter Lohengrin und Annette Dasch als Elsa.

Rätselraten herrscht über das Ende der diesjährigen Saison hinaus in der Frage, wer den Jubiläums-“Ring“ 2013 inszenieren darf. Möglicherweise ist auch das Zusammenspiel mehrerer Regisseure denkbar, hieß es. Fest steht immerhin schon der Dirigent: Der Russe Kirill Petrenko wird in Bayreuth am Pult stehen.