Prozess-Labyrinth

"Der Kleine Hobbit" soll endlich verfilmt werden

Ende 2007 schlossen Regisseur Peter Jackson und die Hollywood-Firma New Line Frieden: Der Kleine Hobbit sollte verfilmt werden. Doch schon kurz darauf verklagten die Tolkien-Erben New Line. Der Streit ging in die nächste Runde. Jetzt ist er beigelegt. Aber hat die Firma genug Geld für das „Ringe"-Vorspiel?

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Der Weg ins Auenland, diese schmerzliche Erfahrung machen Tolkien-Fans seit Jahren, ist mit Advokaten gepflastert. Im November 2006 gab „Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson (der damit 200 Millionen Dollar verdient haben soll) bekannt, dass er die Produktionsfirma New Line Cinema (die mit der Trilogie Einnahmen von drei Milliarden generierte) verklage. Mit Hilfe eines undurchsichtigen Rechnungssystems habe New Line 100 Millionen unrechtmäßig in die eigene Tasche gewirtschaftet. Die Anwälte wurden aktiv.

Kurz vor Weihnachten 2007 erhielten die Tolkienisten ein unerwartetes Geschenk: Peter Jackson und New Line-Chef Bob Shaye schüttelten sich öffentlich die Hände. Man habe sich geeinigt (worauf, das verschwiegen sie), und Jackson werde sich als Produzent um die Verfilmung von „Der Kleine Hobbit" kümmern, und es werde gleich zwei Hobbit-Filme geben. New Line hatte sich also die „Marke Jackson" gesichert, und die Tolkien-Foren signalisierten ihre Zustimmung. Die Anwälte schrieben ihre Rechnungen.

Das Fanglück währte nicht lange. Im Februar 2008 verklagten die Tolkien-Erben New Line wegen ausbleibender Zahlungen. Laut Vertrag hätte New Line der Stiftung 7,5 Prozent der Einnahmen überweisen müssen, bei drei Milliarden schlappe 220 Millionen. Bislang seien lediglich 62.500 Dollar eingegangen. Die Kläger forderten eine sofortige Entschädigung von 150 Millionen, plus Kompensationen für den Zahlungsverzug, plus das Recht, jede weitere Tolkien-Verfilmung verbieten zu können. Die Anwälte begannen, Schriftstücke zu verfassen.

Diesen Sommer begann die Zeit knapp zu werden. Ein Gerichtstermin in Los Angeles (am 19. Oktober) stand im Raum. In Neuseeland wird bereits an den „Hobbit"-Kulissen gezimmert, und Guillermo del Toro – der Mexikaner, der mit „Pan’s Labyrinth" seine Affinität zu Fantasy-Stoffen bewies – hat sich mit seiner Familie für einen Vierjahresaufenthalt dort niedergelassen. Die Dreharbeiten müssen nächstes Jahr beginnen, um die Kinostarttermine (Ende 2011 und Ende 2012) halten zu können. Und so schüttelten sich die Tolkien-Stiftung und New Line-Besitzer Warner Bros. diese Woche zwar nicht die Hände, gaben jedoch bekannt, die Sache sei erledigt. Details der Einigung wissen die Anwälte, die nun Rechnungen verfassen.

„Die Stiftung erkennt an, dass New Line nun fortfahren kann, die beiden Hobbit-Filme herzustellen", führte Tolkien-Sohn Christopher (für den der Vater einst den „Kleinen Hobbit" schrieb) in einer Pressemitteilung aus. Bedauerlicherweise ist der Weg für Bilbo Beutlin ins Höhlenlabyrinth weiterhin nicht frei. Es gibt noch keine Budgetzahlen für den Hobbit, aber erfahrungsgemäß sind Peter Jackson-Epen nicht unter einer Viertelmilliarde Dollar zu haben.

Das Geld dafür soll zu gleichen Teilen von MGM und seiner Tochter New Line aufgebracht werden. Nun plagen aber MGM Schulden von 3,7 Milliarden, und erst im vorigen Monat holte das Studio einen bekannten Sanierer in seinen Vorstand, Stephen F. Cooper, der den Skandalkonzern Enron nach dessen Bankrott durch die Auffangphase steuerte. Cooper muss entscheiden, wohinein er die knapper werdenden Mittel investiert. Der größte Konkurrent des kleine Hobbit ist der große James Bond. Am besten konsultiert Cooper seine Anwälte.